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Folge 6: Über das Timing

Geldanlage benötigt Zeit. Und wer über viele Jahre anlegt, braucht kein richtiges Timing.

Rund 25%
der deutschen Finanzvorstände empfiehlt ein Gehaltsgespräch zu Beginn eines neuen Projekts.[1]
Bei den meisten Menschen erreichen Puls, Blutdruck, Atemfrequenz, Muskelkraft und Geschicklichkeit zwischen 16 und 19 Uhr das Tageshoch.[2]
Ausdauer schlägt Timing[3]

Timing und das liebe Geld

Warum gewinnen an der Börse immer nur die anderen? Warum ist es nicht ratsam, auf die Rationalität von Finanzmärkten zu setzen? Vier einfache Regeln, die das Anlageleben leichter machen.

An der Börse passieren wundersame Dinge. Mitunter kann ein Anleger dort richtig falsch liegen. Nein, nicht richtig falsch, wie man das so dahin sagt, sondern ... vielleicht sollte man es besser so sagen: richtig und falsch (liegen). So kann ein Investor eine wunderbare Investment-Idee haben und legt sich ein paar entsprechende Aktien ins Depot. Vielleicht sind diese Aktien in der jüngeren Vergangenheit schon gut gelaufen, was so viel bedeutet, dass der Kurs bereits in recht luftigen Höhen ist. Die Idee mit der Aktie könnten auch andere gehabt haben?

Wer nichts verpassen will, der verpasst am Ende vielleicht das wichtigste überhaupt: sein Leben.

Wenn die Kurse immer nur bei den anderen steigen

Plötzlich bringt eine eher unbedeutende Meldung die Notierungen ins Rutschen. Bei einem Verlust von rund 15 Prozent steigt der Anleger frustriert aus und ärgert sich über sein falsches Timing. Die Kurssteigerungen in den folgenden Jahren finden dann ohne ihn statt.

Das Schlimme ist, dass sich das schlechte Timing häufig auch noch mit seinen zwei unangenehmen Freunden umgibt, dem Aktionismus und der Panik. An der Börse ist der Drang (Aktionismus) zu kaufen dann besonders hoch, wenn die Preise sehr weit oben sind, ganz einfach, weil alle kaufen. Eigentlich ist das paradox, weil wir sonst eigentlich viel lieber günstig shoppen. Liegen die Kurse dagegen schon am Boden, wollen alle nichts wie raus aus Aktien, egal zu welchem Kurs. Dummerweise ist Panik aber ein miserabler Anlageberater.

Warum meditative Anleger im Vorteil sind

Hektik kostet in der Regel Rendite und Börse hat manchmal geradezu etwas Meditatives. Wer 1993 beispielsweise 10.000 Dollar in den US-Index S&P-500 anlegte ... dann nichts tat ... konnte sich 20 Jahre später über 58.352 Dollar freuen.[4] Das entspricht einer jährlichen Rendite von 9,2 Prozent. Wer in Aktionismus verfiel, vielleicht verkaufte und die 20 besten Tage verpasste, kam nur noch auf eine Durchschnittsrendite von 3,0 Prozent. [4] Ohne die 40 börsenstärksten Tage blieb am Ende sogar nur ein Betrag von rund 8.000 Dollar übrig. Also, Ruhe bewahren, besonnen und langfristig handeln. [4]

Warum der Trend nicht immer ein Freund ist

Was ist die Moral aus der Geschichte? Ist es besser auf Trends zu setzen? Auch das ist nicht so einfach, denn die Börse ist launisch. Eine wunderbare Investment-Idee, die gerade noch sehr gut zur vorherrschenden Kursbewegung passt, kann schnell zum deprimierenden Erlebnis mutieren – obwohl sich die Kurse über längere Zeit fast schnurstracks nach oben bewegten, knicken sie plötzlich ein. Auslöser dafür kann eine Krise oder eine eher unbedeutende Meldung sein.

Warum Rationalität an den Märkten kein Selbstläufer ist

Ein Anspruch auf Rationalität gibt es an den Finanzmärkten nicht. „Die Märkte können länger irrational bleiben, als du solvent", erkannte schon der börsenaffine Ökonom John Maynard Keynes. Ein richtiger Gedanke muss an der Börse nicht unbedingt zu Gewinn werden, wenn der Zeitpunkt nicht passt.

Vier Regeln, die mehr bringen als alles Timing-Brimborium

Das hört sich alles nicht so vielversprechend an, spricht aber nicht gegen die Aktienanlage. Denn langfristige Anleger können es viel einfacher haben, wenn sie sich an folgende, recht einfache Regeln halten:

  1. Vergessen Sie das Timing
  2. Panik ist ein miserabler Anlageberater!
  3. Vermögensaufbau ist nicht Trading mit ständigem Rein und Raus, sondern kontinuierliches Investieren, ohne auf Tagesschwankungen zu achten, mit einem klaren Ziel
  4. Hektik kostet in der Regel Rendite. Deshalb: Ruhe bewahren, besonnen und langfristig handeln

Hintergrundinfos

Wie das T-Aktien-Trauma und die eigene Rente zusammenhängenDie Deutschen sind nach wie vor traumatisiert von der Kursentwicklung der Telekom-Aktie. Aktien werden gemieden, dabei sind sie ein hervorragendes Instrument für den Vermögensaufbau. Der Vertrauensverlust wirkt bis heute nach. Dabei sind schon mehr als 20 Jahre vergangen. Am 18. November 1996 begann der Handel mit der Telekom-Aktie, kurz T-Aktie.

Der Staat hatte bei der Privatisierung des aus der ehemaligen Deutschen Bundespost herausgelösten Telekommunikationsbereichs kräftig geworben. Die T-Aktie sollte eine Volksaktie werden. Die Kampagne verfing. Die Deutschen griffen zu und wurden Aktionäre, zu einem Kurs von 28,50 DM (14,57 Euro) – endlich. Und sie waren gerne Aktionäre, zunächst. Eine zweite Emission folge am 28. Juni 1999 zu einem Preis von 39,50 Euro. Danach kletterte die T-Aktie noch bis auf mehr als 100 Euro. So mancher dürfte sich fortan als Aktienkönner gefühlt haben. Doch noch ehe der Jubel verhallte, hatte schon der Absturz begonnen. Die Internet-Blase platzte und damit entwich auch dem T-Aktien-Kurs die Luft. Am 19. Juni 2000 verkaufte der Bund nochmals; diesmal zu einem Kurs von 66,50 Euro. Viele glaubten zu dieser Zeit schon an eine unmittelbar bevorstehende Wende, doch den Kurs der Telekom-Aktie dampfte es 2002 noch bis auf rund 8,00 Euro ein. Der Tiefpunkt war dann 2012 mit Kursen unter 8,00 Euro erreicht.

Viele Deutsche hatten sich da bereits, zumindest gedanklich, von der Aktie als Instrument für den Vermögensaufbau verabschiedet. Die T-Aktie schlummert dabei sozusagen, tief im Minus, als andauernde Mahnung vor möglichen Kursverlusten weiter im Depot. Heute ist hierzulande nur jeder siebte Bürger Aktien- oder Aktienfondsbesitzer, das sind gerade einmal 14,0 Prozent der Bevölkerung und dies in einer der größten Industrienationen weltweit. Im Jahresdurchschnitt sind das knapp 9,0 Millionen oder 3,8 Millionen weniger als im Rekordjahr 2001, während der T-Aktien-Euphorie. Die Deutschen haben vor der Aktie kapituliert und sind sozusagen reumütig zum Sparbuch zurückgekehrt. Ein Fehler.

Wer, anstatt im November 1996 nur die T-Aktie zu zeichnen, die DAX-Aktie insgesamt ins Depot genommen hätte, könnte heute auf einen Gewinn von gut 300 Prozent blicken, ungeachtet der Finanzkrise von 2008/2009. Bei der Aktienlage kommt es somit ganz wesentlich auch auf die Mischung an. Wer nur auf einen (oder wenige) Titel setzt, kann Glück haben, aber auch das Nachsehen, wie bei der T-Aktie.

Das bedeutet auch nicht, dass die T-Aktie eine schlechte Aktie für Anleger ist: Jahrelang konnten Sparer mit der Telekom überragende Dividenden-Renditen erzielen. Zweitweise langen diese um die 8,0 Prozent. Im Durchschnitt der zurückliegenden zehn Jahre waren es 5,7 Prozent – plus die Chance auf eventuelle Kursgewinne. Aber auch bei der Jagd nach Dividenden gilt: Es kommt auf eine gute Streuung (Diversifikation) an. Dividenden können gesenkt oder ganz gestrichen werden. Dennoch sind sie ein ganz wesentlicher Faktor bei Wertentwicklung (Performance) eines Aktien-Depots. Im DAX trugen sie in den vergangenen zehn Jahren im Schnitt rund 3,0 Prozent zum Aufwärtstrend bei. Im zurückliegenden Jahr waren es rund 2,5 Prozent, während es mit Spareinlagen oder Staatsanleihen Nullzinsen gab. Hinzu kommt im DAX ein Kursplus von 6,9 Prozent. Wer die Chancen von Aktienanlagen beim Vermögensaufbau und der Altersvorsorge als Sparer nicht nutzt, dessen private Rente wird künftig wohl deutlich schmäler im Alter ausfallen.

Quellen: Dividenden-Daten: Boersengefluester.de. Aktionärszahlen: DAI
Unterschied wie netto und bruttoViele Anleger schielen auf attraktive Zinsen, unterscheiden dabei aber nicht zwischen Real- und Nominalzins – mit erheblichen Folgen. Mit dem nominalen und dem realen Zins verhält es sich ein wenig so wie mit brutto und netto aufdem Gehaltszettel. Nominal entspräche dabei dem Brutto und real dem, was unter dem Strich übrig bleibt. Häufig ist es dabei so, dass zwischen netto und brutto eine mehr oder minder große Lücke klafft. Beim Zins ist das nicht anders. Der reale Zins, also nach Abzug der Inflation (Preissteigerung), ist kleiner als der nominale Zins.

Aber was ist der Zins überhaupt und warum wird er von der Inflation beeinflusst? Letztlich und sehr vereinfacht stellt der Zins eine Art Entschädigung dafür dar, das eigene Kapital nicht sofort zu verwenden, sondern Anderen zur Verfügung zu stellen – z.B. Banken, Unternehmen oder Staaten. Das Kapital wird also nicht sofort in den Konsum gesteckt, z.B. zum Kauf eines neuen Autos. Durch den eigenen Verzicht wird es möglich, dass eine andere Institution investieren kann. Der Preis für den eigenen aufgeschobenen Konsum kann als Zins bezeichnet werden.

Nun hat die Vergangenheit gezeigt, dass die Preise in aller Regel und über lange Zeiträume betrachtet steigen. Wenn wir somit erst in Zukunft konsumieren, wird sich der Zins wohl nach unserer Erwartung hinsichtlich möglicher Preissteigerungen (Inflation) richten, da wir in der Zukunft noch das Gleiche bekommen wollen wie in der Gegenwart. Geht der Gläubiger von einer Inflation in den kommenden Jahren von durchschnittlich zwei Prozent aus, dann wird voraussichtlich auch der Zins bei mindestens zwei Prozent liegen – plus vielleicht einer zusätzlichen Entschädigung für den zeitlichen Aufschub.

Prognosen können abweichen

Doch mit Prognosen ist das so eine Sache. Sie können zutreffen, nicht zutreffen oder erst später zutreffen Das gilt auch für Inflationsschätzungen. Wenn beispielsweise für eine zehnjährige Staatsanleihe ein (nominaler) Zins von 0,5 Prozent verlangt wird, heißt das im Prinzip, dass maximal von einer durchschnittlichen jährlichen Inflation von 0,5 Prozent in den kommenden zehn Jahren ausgegangen wird. Meist richtet sich der Ausblick nach den Erfahrungen in der jüngeren Vergangenheit. Wenn da die Inflation niedrig war, liegt es vermeintlich nahe, dies in die Zukunft fortzuschreiben.

Kommt es aber in diesen zehn Jahren zu einem Inflationsschub auf zum Beispiel 2,0 Prozent, passt sich der nominale Zins der Anleihe im Depot nicht an. Im Beispiel würde die reale Verzinsung, nach Inflation, auf minus 1,5 Prozent sinken. Der Zins könnte die Preissteigerung nicht mehr ausgleichen und das Kapital des Anlegers würde real entwertet, während nominal der Zins noch positiv ist.

Hätte der Anleger 5.000 Euro investiert und die Staatsanleihe liefe noch acht Jahre, läge die Kaufkraft des eingesetzten Kapitals in dieser Konstellation am Ende nur noch bei rund 4.400 Euro. Anleger und Sparer sollten daher stets abwägen ob gebotene Renditen mögliche Preissteigerungen übertreffen oder zumindest kompensieren.

Duo InfernaleZins und Inflation gehen oft, aber nicht immer gemeinsame Wege. Warum Sparer aber beide im Auge behalten sollten. Zins ist nicht gleich Zins. Beim Zins wird zwischen dem nominalen und dem realen Zinssatz unterschieden. Nominal ist dabei der zahlenmäßige Zins, also der, wie er auf dem Papier oder dem Bildschirm steht. Der nominale Zinssatz ist beispielsweise der Kupon einer Anleihe oder der Satz, den eine Bank für ein Tagesgeldkonto (Sichteinlage) zahlt. Angenommen ein Anleger bekommt auf sein Tagesgeldkonto einen nominalen Zins von 2,0 Prozent, wären das bei einem angelegten Betrag von 5.000 Euro Zinserträge von 100 Euro pro Jahr – rein zahlenmäßig wohlgemerkt. Was aber, wenn in diesem Jahr auch die Preise gestiegen wären? Die 100 Euro beziehungsweise das eingesetzte Kapital hätten an Wert verloren, real.

Inflation schmälert den Nominalzins

Eine Inflationsrate von 2,0 Prozent hätte die Zinserträge im obigen Beispiel vollkommen aufzehren können. Der Sparer bekäme zwar nach wie vor 100 Euro Zinserträge, aber gleichzeitig würde die Kaufkraft seines eingesetzten Kapitals nur noch 4.900 Euro betragen. Real hätte der Sparer im Beispiel nichts verdienen. Der Realzins läge bei 0,0 Prozent, bei einem (nominalen) Zins von 2,0 Prozent, den die Bank zahlt. Das Tückische dabei: Sparer erfahren diesen abstrakten Effekt nicht unmittelbar. Er wird erst spürbar, wenn dauerhaft die Preise steigen.

Doch dieser Effekt funktioniert auch umgekehrt. So würde der Realzins sogar auf 2,5 Prozent steigen, wenn die Preise um 0,5 Prozent pro Jahr fielen, bei Deflation. Das Geld oder der Zins hätten mehr Kaufkraft. Der Euro wäre sozusagen mehr wert. Wäre die Inflation bei 0,0 Prozent, würden sich nominaler Zins und realer Zins nicht unterscheiden.

Ein Verbraucher (Sparer, Anleger) sollte deshalb immer auch den Realzins im Blick haben, denn der Nominalzins sagt zunächst nur wenig über seinen wirklichen/realen (Zins-) Gewinn. Auch ein geringer nominaler Zins von 0,5 Prozent, bedeutet bei einer Inflationsrate von 0,0 Prozent einen positiven realen Zins von 0,5 Prozent. Dagegen ergibt ein Nominalzins von 10,0 Prozent bei Inflationsraten von 11,0 Prozent eine negative Realverzinsung von einem 1,0 Prozent. Anfang der 1980er-Jahre gab es in Deutschland eine solche Situation.

Im Vergleich dazu kletterte die Realverzinsung während der Finanzkrise 2008/2009 auf attraktive Niveaus, da die Inflation recht gering waren und gleichzeitig die Zinsen, aufgrund der Verunsicherung an den Börsen, anstiegen. Die Beispiele zeigen, Zins und Inflation sind enge Verwandte und auch ein hohes (nominales) Zinsniveau ist kein Garant für eine attraktive Realverzinsung, auf die es letztlich beim Sparen ankommt. Aber bei niedrigen (nominalen) Zinssätzen reichen schon geringen Preissteigerungen, um die Erträge (und letztlich auch das eingesetzte Kapital) aufzuzehren.

Geldanlage neu denken - mit DWS Investments

Wie überall im Leben kommt es auch bei der Geldanlage auf die passenden Lösungen an. DWS Investments bietet Investmentfonds mit unterschiedlichen Rendite-Risiko-Profilen an. Je nach Anlegerprofil. Einige Produktideen finden Sie hier.

DWS Deutschland LCDeutschlands Stärke profitierenTrotz anhaltender Staatsschuldenkrise in Europa: Deutschland steht im internationalen Kontext gut da. Die deutsche Exportwirtschaft brummt und mit der Beschäftigung geht es aufwärts. Davon können Sie profitieren – und zwar mit dem DWS Deutschland. Dieser Fonds investiert überwiegend in Aktien deutscher Unternehmen. Den Schwerpunkt bilden dabei die grossen Standardwerte, auch Blue Chips genannt. DWS AkkumulaBewährte Basisanlage für AktieneinsteigerSeit 55 Jahren eröffnet der DWS Akkumula Anlegern die Chancen der internationalen Aktienmärkte. Im Fokus der Investitionen stehen vor allem qualitativ hochwertige Unternehmen. Die breite Streuung über verschiedene Länder, Währungen und Branchen hinweg soll extreme Marktbewegungen nach unten abfedern – so sorgt er für Stabilität und minimiert Risiken. Durch diesen Ansatz können auch eher defensiv eingestellte Anleger und Aktieneinsteiger Vermögen bilden.

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