„Das Ganze ist mehr als die Summe seiner Teile“, wusste schon Aristoteles. Man könnte auch sagen: Das Ganze ist etwas anderes als die Summe seiner Teile. Zum Beispiel in der Musik. Es gibt Melodien, bei denen wir automatisch im Takt wippen. Oder andere, die uns zu Tränen rühren. Im Grunde ist es nur eine Folge von Tönen in einer bestimmten Intonation und Lautstärke, die ihre Wirkung entfaltet. Zerlegt man sie in die einzelnen Bestandteile – in einzelne Töne – schwingt niemand mehr das Tanzbein oder kramt ein Taschentuch hervor. Erst durch die richtige Mischung entsteht eine neue Qualität. Das gilt nicht nur für die Musik. Und häufig sind es herausragende Menschen, die ihr Wissen, ihr Talent, ihre Erfahrungen und ihre Leidenschaft einsetzen, um aus einzelnen Teilen etwas Neues entstehen zu lassen.

Aus der Gosse zu den Sternen — Tim Raue

„Nie wieder will ich in der Gosse landen“, schreibt Tim Raue in seinem Buch „My Way“, einer Mischung aus Biografie und Kochbuch. Als Jugendlicher war er Teil der gewalttätigen Berliner Gang „36 Boys“. Mit eisernem Willen schafft er es aus dem Milieu. Heute zählt er zu den besten Köchen der Welt. Vier Restaurants in Berlin, eins in Dubai. Zwei Michelin-Sterne. 2016 schafft er es auf die Liste der „World's 50 Best Restaurants“. 2017 wird Raue in der Netflix-Serie „Chef’s Table“ als erster deutscher Koch porträtiert. Sein Faible: Asien. Im Restaurant Tim Raue kombiniert er japanische Produktperfektion mit thailändischer Aromatik und chinesischer Küchenphilosophie. Heraus kommen mitunter Gerichte wie Eisbein / Dashi / Ingwer, also eine Schweinshaxe mit japanischem Fischsud und Ingwer. Oder Weißer Spargel / Fish Maw (Schwimmblase) / Sansho (japanischer Bergpfeffer).

Das feine Näschen — Kim Weisswange

Bei diesem Anruf ist mir beinahe das Herz stehen geblieben“, erinnert sich Kim Weisswange. Denn am anderen Ende der Leitung war das britische Königshaus mit einem royalen Auftrag: Zur Hochzeit von Prinz William und Kate im Jahr 2011 durfte die Parfümeurin Düfte für das Brautpaar entwerfen. Dabei kennt sich die Wahl-Hamburgerin mit Promis aus. Ihre individuellen Kreationen hat sie unter anderem schon für Prinz Charles, Madonna oder Pierce Brosnan gemischt. Doch ob berühmt oder nicht – jeder ihrer Kunden muss einen neunseitigen Fragebogen ausfüllen. Aus einer Palette von etwa 10 000 verschiedenen Duftstoffen kreiert die gebürtige Südafrikanerin mit der fotografischen Nase dann das „Unique Parfum“. Sie kann Hunderte verschiedene Blumen, Hölzer und Früchte am Geruch erkennen und verbindet die einzelnen Duftnoten zu einem Ganzen, das möglichst optimal zum Träger passt. Beispiel Pierce Brosnan: Der Ex-Bond-Darsteller stammt aus Irland. Sein Parfum riecht nach Meer, frischem Gras, Klee – und einem Hauch Whiskey. Das günstigste Unikat kostet 145 Euro pro Flakon, nach oben gibt es keine Grenzen. Schließlich gibt es Ingredienzien wie Adlerholz. Kilopreis: 1,5 Millionen Euro. Weisswanges neueste Kreation: Gin. „Das ist im Prinzip ja auch nur ein parfümierter Wodka.“

Mystery Man — Simon Rattle

Es ist diese Stille. Wie ein großes Luftholen. Dann stürmt das Orchester los, Geigen sirren, Pauken wummern. Gelenkt nur durch den Dirigenten Sir Simon Rattle, jeden Einzelnen der 128 Musiker der Berliner Philharmonie im Blick. Keine einfache Aufgabe. Rattle selbst bezeichnete das Orchester einmal als das „All-Star-Team“. Ausnahmekönner also, deren Einzelleistungen er zu einem klanglichen Gesamtbild verschmelzen lässt. Etwas Crescendo hier, schnellerer Einsatz dort. Hat das Dirigieren eines Orchesters damit auch etwas mit dem berühmten Händchen zu tun, einem gewissen Gefühl für Eigenheiten oder Stimmungen? Ein Mysterium als Voraussetzung für die perfekte Mischung? Gut möglich. „Nur Fußballtrainer sind noch mysteriöser als Dirigenten“, hat Rattle einmal gesagt. Seit September 2017 verantwortet er übrigens eine andere Mischung – das London Symphony Orchestra (LSO).

Mr. Fond$ — Klaus Kaldemorgen

Auf dem Bau schuften für fünf Mark die Stunde – so hat Klaus Kaldemorgen als Jugendlicher sein allererstes Geld verdient. Statt Beton mischt er heute Aktien, Anleihen und Währungen zu einem stabilen Fundament und verteilt Milliarden von Anlagegeldern rund um den Globus. Vom Aushilfsmaurer zum Star-Fondsmanager – der Mann aus dem Ruhrpott hat eine Karriere hingelegt, die sich vor allem durch eines auszeichnet: Geradlinigkeit.

Gleich bei seiner ersten Tuchfühlung mit den Finanzmärkten bewies Kaldemorgen ein hervorragendes Timing: Als das US-Börsenbarometer Dow Jones die Marke von 1000 Punkten knackt, heuert er frisch von der Uni bei der DWS an. Man schrieb das Jahr 1982. Es begann einer der längsten Aufschwünge in der Börsengeschichte und für den gelernten Volkswirt eine noch längere Karriere als Fondsmanager, die so gar nicht geplant war. Denn eigentlich sollte er der Geschäftsführung lediglich zuarbeiten. Schnell stellte sich heraus: Nur den Aktenkoffer hinterhertragen ist nicht sein Ding.

Der gebürtige Essener wechselt ins Fondsmanagement und ist erst für Anleihen zuständig, dann für Aktien. Es folgt ein Aufstieg wie aus dem Bilderbuch: 1991 wird er Leiter des Aktienfondsmanagements, 2003 Geschäftsführer der DWS. 2011 zieht es ihn zurück zu seinen Wurzeln als Fondsmanager. Zugleich betritt er neues Terrain und wird Manager des Multi-Asset-Fonds Concept Kaldemorgen. Damit ist Kaldemorgen in der Königsklasse angekommen und kann seine jahrzehntelangen Erfahrungen mit den unterschiedlichen Anlageklassen voll ausspielen. Längst gilt er als Grandseigneur der Fondsbranche. 36 Jahre beim selben Arbeitgeber, das ist an Geradlinigkeit kaum zu toppen. Eine weitere Konstante: Mit seiner Meinung hält Kaldemorgen nie hinter dem Berg. Der Politik des US-Präsidenten Donald Trump beispielsweise steht er früh kritisch gegenüber. „Ich fürchte, dass der Trump-Boom ein Strohfeuer ist, das schnell wieder verpufft“, sagt er im März 2017 in einem Interview mit der „Süddeutschen Zeitung“[1] und warnt zugleich vor „sehr unruhigen Zeiten“ an den Börsen „mit vielen Aufs und Abs“. Nach dem mitunter ruppigen Frühjahr 2018 dürfte er sich in seiner Einschätzung bestätigt fühlen.

Seinen Job versteht der passionierte Harley-Davidson-Fahrer als Dienst an der Gesellschaft. „Ich will einen Mehrwert für meine Anleger schaffen.“ Im Vordergrund steht dabei nicht die höchste Rendite. Anleger sollen vor allem ruhig schlafen können. Verlusten will er nach Möglichkeit aus dem Weg gehen. „Wir versuchen, bei einem angemessenen Risiko einen verhältnismäßig hohen und vor allem positiven Ertrag zu erzielen.“ Im Finanzjargon: Total-Return-Strategie.

Das Konzept verfängt: Kaldemorgens Fonds räumt viele Preise ab, 2015 kürt ihn „€uro am Sonntag“ zum „Fondsmanager des Jahres“. Allein 2017 kann sein Fonds 2,3 Milliarden Euro an frischem Kapital einsammeln. Damit verwaltet Kaldemorgen mittlerweile 6,3 Milliarden Euro. Ein weiter Weg vom Aushilfsjob am Bau, aber immer ein geradliniger.

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1. https://tinyurl.com/yaokxoba

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