Da werden selbst die größten Pessimisten kleinlaut: Die Stimmung in den Chefetagen deutscher Unternehmen ist so gut wie nie zuvor. Der ifo-Index, das Ergebnis einer Umfrage unter 7000 Managern, ist im November überraschend auf ein neues Rekordhoch von 117,5 Zählern gestiegen. „Die Wirtschaft steuert auf eine Hochkonjunktur zu", so das Fazit des ifo-Instituts. Die Prognose für das Wirtschaftswachstum haben die Experten von 2,1 auf 2,4 Prozent für 2017 erhöht, auch im nächsten Jahr soll hierzulande eine Zwei vor dem Komma stehen.

Als Motor des Aufschwungs wird der durch Rekordbeschäftigung und leicht steigende Löhne gestärkte private Konsum gesehen. Vor allem aber gilt: Der deutschen Wirtschaft geht es gut, wenn es der Weltwirtschaft gut geht. Exportstarke Branchen wie Autohersteller oder Maschinenbauer profitieren vom anziehenden Welthandel.

Solider Aufschwung

„Wir befinden uns in einem soliden Aufschwung ohne Überhitzungsgefahr", sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der Deutschen Asset Management. Seine Prognose: 2017 dürfte die Weltwirtschaft um 3,7 und 2018 um 3,8 Prozent zulegen.

Rund 60 Prozent des globalen Wachstums entfallen mittlerweile auf die Schwellenländer. Indiens Wirtschaft beispielsweise dürfte laut Prognose der Deutschen Asset Management 2018 um 7,5 Prozent (2017: 6,8 Prozent) wachsen. In den Industrieländern USA, Japan und der Eurozone gleicht sich das Tempo des Aufschwungs an. Positive Stimmungsindikatoren deuten darauf hin, dass in 79 Prozent aller Länder das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) 2018 um mindestens zwei Prozent steigt. Selten haben sich so wenige Länder in einer Rezession befunden wie jetzt.

Hinzu kommt: Trotz des robusten Aufschwungs bleibt die Inflation vergleichsweise niedrig. In der Eurozone etwa lag sie im Oktober bei 1,4 Prozent und damit noch ein ganzes Stück vom Zwei-Prozent-Ziel der Europäischen Zentralbank (EZB) entfernt. „Das dürfte dafür sorgen, dass die EZB bei dem Ausstieg aus der lockeren Geldpolitik auch weiterhin sehr behutsam vorgeht", sagt Kreuzkamp. In den USA dürften dagegen weitere Zinserhöhungen folgen.

Top-Stimmung in den Unternehmen, robustes Wachstum, niedrige Inflation: Alles ist angerichtet für eine Fortsetzung des langjährigen Bullenmarktes bei Aktien.

Die Zuversicht speist sich vor allem aus den Unternehmensgewinnen: In den Industriestaaten dürften sie im kommenden Jahr um rund zehn Prozent, in den Schwellenländern sogar um rund 15 Prozent wachsen.


Ade Rezession

Die Zahl der Länder, deren Wirtschaft schrumpft, nimmt ab. Laut Internationalem Währungsfonds werden 2018 nur drei Prozent der Staaten weltweit ein sinkendes Bruttoinlandsprodukt aufweisen. 79 Prozent der Nationen verzeichnen ein Wachstum von zwei oder mehr Prozent.

Quellen: IWF, Deutsche Asset Management Investment GmbH, Stand: 11/2017

Die Luft wird dünner

Doch einige Anleger fragen zu Recht: Kann es ewig aufwärtsgehen? Allein mit Blick auf die Dauer der Rally und die seit einigen Monaten ungewöhnlich geringen Schwankungen wird einigen Marktbeobachtern mulmig zumute. In den USA etwa sind die Aktienkurse bereits das achte Jahr in Folge fast ununterbrochen gestiegen.

„Dass sich ein Traum-Aktienjahr wie 2017 mit ähnlich hohen Renditen und geringen Schwankungen noch einmal wiederholt, ist unwahrscheinlich", sagt Thomas Schüßler, Aktienexperte bei der Deutschen Asset Management. „Aktien haben 2018 Luft nach oben, doch die Luft wird dünner."

Was könnte die Dauerläufer Aktien ins Straucheln bringen? Ein überraschend starker Anstieg der Inflation, ein Einbruch des Wachstums in China, ein Scheitern der Steuerreformpläne in den USA oder aber eine unerwartete politische Eskalation könnte die Party vorerst beenden. „Solche Rücksetzer würden wir aber eher als Einstiegschancen begreifen", erklärt Schüßler.

Anleger sollten bei der Aktienauswahl jedoch genau hinschauen. Ein wichtiges Kriterium ist die Verschuldung. Bereits jetzt machen Investoren einen Bogen um Unternehmen mit schwacher Bilanz. Das dürfte sich 2018 fortsetzen.

Auch regional bestehen Unterschiede: Unter den Industrieländern sind 
Europa und Japan nach Ansicht von Aktienexperte Schüßler am aussichtsreichsten. An der Wall Street hingegen hängt viel vom Gelingen der Steuerreform ab. Bei den Schwellenländern sticht Asien, etwa Aktien aus China und Indien, heraus. Angesichts hohen Gewinnwachstums erscheinen Aktien aus diesen Ländern vergleichsweise günstig. Unter den Branchen bleiben Technologie und Finanzdienstleister im Fokus.

" Um mit Anleihen attraktive Renditen zu erzielen, müssen Anleger mehr riskieren.

Stefan Kreuzkamp

Über den Tellerrand blicken

Noch wichtiger wird die gezielte Auswahl bei Anleihen. Da die Notenbanken – unter anderem in den USA und der Eurozone – von der ultralockeren zur lockeren Geldpolitik übergehen, sollten die Renditen von Staatsanleihen leicht steigen. Das wiederum sorgt für sinkende Kurse, besonders bei langlaufenden Staatsanleihen. US-Kurzläufer dagegen bieten eine positive Rendite, weil die Notenbank Fed bereits den Leitzins erhöht hat.

„Insgesamt bleibt der Anlagenotstand bei Anleihen allerdings bestehen", sagt Joern Wasmund, Anleiheexperte der Deutschen Asset Management. Mehr Renditechancen bieten Anleihen aus Schwellenländern, insbesondere Hartwährungsanleihen mit kürzerer Laufzeit.

Grundsätzlich können Anleger also optimistisch auf das Börsenjahr 2018 blicken – auch wenn sie sich auf zwischenzeitlich stärkere Schwankungen einstellen müssen.

Interview Stefan Kreuzkamp

Oliver Plein

Rück- und Ausblick von Stefan Kreuzkamp

Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege Deutsche Asset Management

Klettern die Kurse weiter? Müssen sich Anleger bei Aktien auf stärkere Schwankungen einstellen? Droht ein Ausverkauf bei Anleihen? Fest steht: An der Börse bleibt es spannend! Der Marktausblick 2018 beleuchtet die Chancen und Risiken der wichtigsten Anlageklassen.

Wie wird das Wetter wohl an den Kapitalmärkten 2018? Heiter, wolkig – oder droht Sturm? Stefan Kreuzkamp ist Chefanlagestratege der Deutschen Asset Management. Und damit so etwas wie deren oberster Börsenwetterexperte.

Mit welchen Prognosen haben Sie 2017 richtiggelegen?

Stefan Kreuzkamp: Die exakte Punktlandung gelingt fast nie. Aber damit, was das Jahr 2017 bringt, lagen wir richtig. So haben wir Ende 2016 prognostiziert, dass der Konjunkturaufschwung an Geschwindigkeit und an regionaler Breite gewinnt. Beides ist eingetreten. In der Eurozone, in Japan sowie in Großbritannien sind die Wachstumsraten sogar höher ausgefallen als von uns erwartet. Die Inflation ist zwar leicht gestiegen, blieb aber auf einem äußerst moderaten Niveau. Richtig lagen wir auch damit, dass 2017 ein Aktienjahr wird.

Und was hat Sie überrascht?

Kreuzkamp: Der starke Euro. Wir haben damit gerechnet, dass sich die Zinsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone ausweitet. Das trat auch ein. In den USA sind die Renditen von Staatsanleihen mit kürzerer Laufzeit gestiegen, in der Eurozone stagnierten sie. Üblicherweise führt dies zu einem Anstieg des US-Dollars gegenüber dem Euro. Doch das Gegenteil ist passiert. Warum? Weil die Wirtschaft in der Eurozone deutlich schneller gewachsen ist als erwartet. Dazu kommt, dass die Eurozone durch die Wahl Macrons in Frankreich an politischer Stabilität gewonnen hat. Die schwindende Wachstumsdifferenz zwischen den USA und der Eurozone gab dem Euro Auftrieb.

Womit müssen Anleger 2018 rechnen?

Kreuzkamp: Die Weltwirtschaft wird wohl auf ihrem soliden Wachstumspfad bleiben. Eine größere Beschleunigung wie in den Vorjahren dürfte es allerdings nicht mehr geben. Der Lohndruck sollte gering bleiben, die Inflation damit weiter auf moderatem Niveau verharren. Die Kombination aus Wirtschaftswachstum und geringer Inflation bleibt uns damit erhalten.

Hört sich gut an. Dann können sich Anleger also entspannt zurücklehnen?

Kreuzkamp: Ganz so einfach wird es leider nicht. Das für die Märkte positive Wirtschaftsumfeld bleibt uns zwar erhalten. Das bedeutet aber nicht, dass Anlageentscheidungen nicht überprüft und eventuell nachjustiert werden müssen.

Warum denn das?

Kreuzkamp: Unter der Oberfläche hat sich viel getan. Aktien sind deutlich höher bewertet als im Durchschnitt der vergangenen 15 Jahre, dürften aber durch ein starkes Gewinnwachstum im Jahr 2018 gestützt werden. Zinsen, Zinsdifferenzen und auch die Wechselkurse haben sich bewegt. Zudem erwarten wir für 2018 wichtige Veränderungen, die die Märkte beeinflussen sollten: Die US-Notenbank dürfte die im Herbst 2017 begonnene, moderate Schrumpfung ihrer Bilanz fortsetzen und damit die gewaltige Zentralbankgeldmenge schrittweise verringern. Die Europäische Zentralbank dürfte ihre Anleihekäufe langsam auslaufen lassen, also ihre Bilanz nicht mehr ausdehnen.

Was heißt das konkret? Sollten Anleger Anleihen grundsätzlich meiden?

Kreuzkamp: Sicherlich nicht. Die einfache Strategie, Bundesanleihen zu kaufen und attraktive Kursgewinne sowie Zinserträge zu erzielen, funktioniert aber nicht mehr. Wer am Anleihemarkt Geld verdienen will, muss mehr ins Risiko gehen, etwa mit Staatsanleihen von Schwellenländern oder mit Unternehmensanleihen. Dabei sollte allerdings auf die Qualität geachtet werden.

Das hört sich kompliziert an ...

Kreuzkamp: Investieren ist schwieriger geworden. Die ultralockere Geldpolitik hat die Zinsen von Staatsanleihen und die Risikoprämien schrumpfen lassen. Anleger müssen heute also mehr wagen, um eine attraktive Rendite zu erhalten.

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