Nach dem Wahlkampf ist vor der Regierungsarbeit – nun wird sich zeigen, was die neue Bundesregierung in Sachen Rente bewegt. Einige Themen drängen sich auf, da sie im Wahlkampf intensiv „beworben“ wurden und somit gute Chancen haben, nicht nur im Regierungsprogramm verankert, sondern auch umgesetzt zu werden. Es kommt also einiges auf die Bürger Deutschlands zu. 

Warum? Die Deutschen werden aufgrund des medizinischen Fortschritts und der immer gesünderen Lebensweise immer älter. Noch dazu bringen sie nicht genug Kinder zur Welt, um die Bevölkerung und vor allem die Quote der arbeitenden Menschen stabil zu halten. 

Diese Entwicklungen erfordern gravierende politische Anpassungen der Rentenmaschine, um das umlagefinanzierte System zu sichern, in dem die arbeitende Bevölkerung mit ihren Rentenversicherungsbeiträgen den Ruhestand der Rentner finanziert. Populär ist keine davon. Entsprechend greifen Politiker gern in die Trickkiste und feilen an den Gesetzen, um solch unpopuläre Maßnahmen verdaulicher zu machen. Ein paar Beispiele gefällig?


Die Rolle der Psychologie

Die Debatte um die längere Lebensarbeitszeit hat bereits in der vergangenen Legislaturperiode begonnen und wird munter weitergehen. Hintergrund ist letztlich, dass eine Erhöhung des Renten-mindestalters immer einen negativen Beigeschmack hat. Denn im Grunde wird der Bürger gezwungen, länger zu arbeiten. Positiv aufgenommen werden dagegen Wahlkampfgeschenke wie zum Beispiel, früher in Rente gehen zu können. Immerhin ist es in Deutschland bereits gelungen, das Renteneintrittsalter leicht zu erhöhen. Doch jede weitere Erhöhung wäre unpopulär und deswegen nur sehr schwer durchsetzbar.

Das gleiche Ziel – Menschen länger arbeiten zu lassen – ist aber auch auf einem anderen Wege zu erreichen. Es lohnt ein Blick ins Ausland, nach Schweden zum Beispiel. Dort gibt es kein „Soll-Rentenalter“ mehr. Stattdessen kann seit 1999 jeder Bürger ab 61 Jahren frei wählen, wann er in Rente gehen möchte. Jedes zusätzliche Jahr im Job führt logischerweise zu zusätzlicher Rente. Wer es sich leisten kann, versucht zum frühestmöglichen Zeitpunkt in Rente zu gehen. Gleichzeitig ist aber auch die Aussicht auf mehr Rente ein Anreiz, länger zu arbeiten. Und tatsächlich sind in Schweden seit der Reform deutlich mehr Menschen länger berufstätig, die Erwerbsbeteiligung Älterer ist gestiegen. 

Die Lehre daraus: Länger arbeiten dürfen oder länger arbeiten müssen ist psychologisch ein erheblicher Unterschied. Die Deutschen bekommen eine Soll-Rente und Abzüge, wenn sie früher in Rente gehen. Die Schweden dagegen erhalten eine Soll-Rente – und mehr Geld, wenn sie etwas länger arbeiten. Das dürfte den Wählern leichter zu vermitteln sein. 


Bessere Bekömmlichkeit

Am besten wäre es natürlich, die Renten steigern, die Beiträge senken und das Renteneintrittsalter reduzieren zu können und keiner müsste dafür einen Euro mehr Steuern zahlen. Ein schöner Traum. Folglich haben vergangene und werden künftige Rentenreformen immer an einer oder mehreren der Stellschrauben der Rentenmaschine drehen müssen: Rentenalter, Beiträge, Rentenhöhe, um die Chance auf entsprechende Renditen zu wahren. Solche Reformen nehmen Druck vom Rentenkessel, sind aber unpopulär und tun weh. Diese Erfahrung haben vergangene Regierungen gemacht. Folglich ist es immer notwendig, solche Reformen mit politischen „Schmerzmitteln“ zu begleiten oder vorzubereiten. 

So wurden schon in der vergangenen Legislaturperiode Gesetze verabschiedet, die dafür sorgen sollen, dass bereits vor der Auszahlung des Gehalts auf das Bankkonto Geld in eine Betriebsrente investiert wird. Die Reform dürfte allerdings frühestens im Jahr 2019 Früchte tragen. Ein guter Zeitpunkt, dann auch über Reformen des staatlichen Systems zu sprechen. Denn einer muss die Rechnung bezahlen: der Steuerzahler, der künftige Rentner oder der Beitragszahler. Einen Ausgleich könnte eine möglichst flächendeckende Betriebsrente schaffen. 


61 Prozent

der deutschen Arbeitnehmer haben Angst vor Altersarmut, zeigt eine Umfrage.

Quelle: Deloitte "bAV zwischen Wunsch und Wirklichkeit", Stand:06/2017



Zwangsgarantien abschaffen

Aber auch jenseits der gesetzlichen Rente sind Reformen zu erwarten. Die neuen Betriebsrentenmodelle zum Beispiel verbieten jede Form der Garantie. Die Politik hat eingesehen, dass auch in Zeiten mittelfristig niedriger Zinsen die Kosten von Garantien einfach zu hoch und damit kontraproduktiv sind. Es wäre also folgerichtig, bei allen noch verbleibenden Produkten mit Zwangsgarantien ebenfalls nachzubessern. Das beträfe die Riester-Rente, aber auch die etablierten Produkte der Betriebsrente wie zum Beispiel die gerade in kleineren Unternehmen weit verbreitete Direktversicherung. Auch das wäre ein Gegengewicht zu den bitteren Pillen einer Rentenreform. Immerhin muss der Sparer nicht mehr Geld aufbringen, hat aber durch die sinkenden Garantiekosten die Chance, dass ihm im Alter mehr Kapital zur Verfügung steht. 


Was Sparer tun können

Es war noch nie eine gute Idee, auf Regierungen oder „den Staat“ zu warten, um ein wichtiges Projekt anzugehen. Denn wer weiß schon, in welche Richtung die politischen Reformen am Ende gehen oder ob die Ankündigungen überhaupt wahr werden. Umso wichtiger ist es, ein Gegengewicht gegen die skizzierten Auswirkungen der Demografie in Hinsicht auf die persönliche Einkommens- oder Rentensituation aufzubauen. Je früher, je besser.

Dass ich selbst ein großer Wertpapierfan bin, dürfte langjährigen DWS-active-Lesern nicht entgangen sein. Ich weiß aber, dass sich nicht jedermann gerne mit diesem Thema beschäftigt oder sich zutraut, solche Investitionsentscheidungen zu treffen. Im Gegenzug habe ich noch nie in meinem Leben eine Immobilie gekauft. Mir fehlt der Zugang zum Thema. Trotzdem halte ich Immobilien für eine sinnvolle Kapitalanlage.

Was also tun? Ich überlasse die Immobilien den Experten, die die Immobilienfonds managen. Die wissen, was zu tun ist. Das gleiche Bild bei Aktien und Anleihen: Wer keinen Zugang, keine Zeit oder Muße dafür hat, kann jederzeit Profis die Arbeit übertragen. Der Sparer muss lediglich einmal grob bestimmen, welcher Chancen- und Risikomix sich eignet. So wie ich entschieden habe, ob ich lieber in europäische, deutsche oder weltweite Immobilien investieren möchte, legt der Anleger fest, ob er bereit ist, niedrige, mittlere oder hohe Wertschwankungen zu akzeptieren und im Gegenzug Chancen auf entsprechende Renditen zu haben. Wenn diese Grundsatzentscheidung einmal gefällt wurde, ist es am komfortabelsten, einen Multi-Asset-Fonds zu wählen, bei dem sich der Fondsmanager um die richtige Mischung von Aktien, Anleihen und weiteren Wertpapieren kümmert. 

Wer das Ganze als Sparplan einrichtet – zum Beispiel im Rahmen eines DWS Komfort Depots –, kann seine Abende und Wochenenden mit den Dingen verbringen, die ihm am Herzen liegen. Der Aufbau eines Zusatzkapitals für die Rente passiert von ganz allein. Die Reform des deutschen Rentensystems dürfte auf absehbare Zeit eine Dauerbaustelle bleiben. 

Niemand sollte sich darauf verlassen, dass jede politische Entscheidung die persönlichen Ruhestandspläne erleichtert. Privat kann jeder nicht nur sofort aktiv werden, er kann auch zielsicherer als die Politik das individuell Richtige tun. Für sich selbst und für seine Angehörigen. Denn nach dem Wahlkampf ist nun einmal vor der Regierungsarbeit.

Frank Breiting veröffentlicht an dieser Stelle regelmäßig seine Sicht zu aktuellen Fragestellungen

Richtig fürs Alter vorsorgen

Deutsche Concept Kaldemorgen LD

Anlagestrategie: Klaus Kaldemorgen hat 2011 ein ganz neues und flexibles Konzept auf die Beine gestellt. Diesem Ansatz entsprechend ist der erfahrene Fondsmanager nicht auf bestimmte Anlageklassen oder Regionen festgelegt, sondern hat ein erhebliches Maß an Freiheit bei seinen Anlageentscheidungen. Sein Ziel: mit einem Total-Return-Ansatz eine langfristig positive Wertentwicklung zu erwirtschaften. 

Risikofaktoren: Wertschwankungen können trotz der strengen Risikokontrollen auftreten.

 
ISIN LU0599946976
Ausgabeaufschlag 5,00 %
Gesamtkostenquote[1] 1,59 %
DWS-Risikoklasse[2] 3 von 4

Deutsche Multi Opportunities LD

Anlagestrategie: Der Deutsche Multi Opportunities ist ein global anlegender Dachfonds. Manager Henning Potstada ist bei seinen Entscheidungen ähnlich frei wie Klaus Kaldemorgen. So kann er zum Beispiel auch Rohstoffe oder Währungen beimischen. Der große Unterschied: Mindestens die Hälfte des Fondsvermögens ist in aktiv und passiv verwaltete Fonds investiert, nicht in Einzeltitel. 

Risikofaktoren: Der Wert der Anteilsscheine kann trotz eines breit gestreuten Fondsvermögens schwanken.

 
ISIN LU0989117667
Ausgabeaufschlag 4,00 %
Gesamtkostenquote[1] 1,57 %
DWS-Risikoklasse[2] 3 von 4

1. Stand: 31.12.2016.

2. Für Fonds der DWS-Risikoklasse 3 gilt: Der Fonds weist aufgrund seiner Zusammensetzung/der vom Fondsmanagement verwendeten Techniken eine erhöhte Volatilität auf, d. h., die Anteilspreise können auch innerhalb kurzer Zeiträume stärkeren Schwankungen nach unten oder nach oben unterworfen sein.

10. Okt 2017

Frisch renoviert

Offene Immobilienfonds haben sich deutlich verändert. Ihre Zusammensetzung ist bunter. Neue gesellschaftliche Trends erfordern auch neue Anlagestrategien.

10. Okt 2017

Marktausblick

Warum ein Strategiewechsel fällig ist.

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