Herr Meyer, stellen Sie sich vor, Sie stehen auf dem Weg in die Sommerferien in Südfrankreich auf der Autobahn im Stau. Und die Schlange vor der Mautstation wird nicht kürzer. Sind Sie dann immer noch vom Thema Infrastruktur als Geldanlage überzeugt?

Auf jeden Fall! Infrastruktur wird immer wichtiger und ist leicht verständlich. Bei Straßen etwa profitieren wir von jeder einzelnen Nutzung – weil jeder, der im Urlaub über eine Mautstraße fährt, Geld zahlt. Zum Beispiel in Frankreich. Da kommt übrigens die Technologie ins Spiel. Bis vor Kurzem gaben Menschen an Mautstraßen die Tickets aus und entwerteten sie am Ende. Technologie macht diesen Prozess günstiger, was den Gewinn steigert. Heute wird zum Beispiel in Australien einfach das Nummernschild gescannt und am Ende des Monats bekommen Sie per Mail eine Abrechnung.

Woher sollen die Staaten das Geld für neue Technik nehmen?

Seit der Finanzkrise sind die Staatsschulden in vielen Ländern stark gestiegen. Viele haben nicht den nötigen Spielraum, so etwas zu finanzieren. Das müssten sie aber. Die öffentliche Hand investiert bereits seit vielen Jahren zu wenig Geld in Infrastruktur, übrigens nicht nur in Deutschland. Nehmen wir ein Beispiel: Als Bürgermeister haben Sie eine Brücke in Ihrer Gemeinde. Dann haben Sie zwei Möglichkeiten: Entweder Sie sperren sie jedes Jahr für zwei Tage, um das Bauwerk instand zu halten. Oder Sie machen nichts. Das ist zwar gut für den Erhaltungsaufwand. Aber dann ist die Brücke irgendwann überhaupt nicht mehr befahrbar und muss komplett saniert werden.

Wie groß ist eigentlich der Infrastrukturmarkt, in den Sie investieren können?

Der Marktwert aller weltweit aktiven Aktiengesellschaften mit Infrastrukturschwerpunkt liegt bei rund 1600 Milliarden Dollar.

Also soll privates Geld in Infrastruktur fließen – und das funktioniert?

In Amerika gab es schon früh die Möglichkeit, dass Unternehmen Mobilfunkmasten betreiben. Stellen Sie sich vor, der Betrieb so eines Mastes kostet ein Unternehmen 5000 Dollar. Nun könnte diese Firma auf die Idee kommen, den Mast auch anderen Anbietern zugänglich zu machen. Die zahlen dann zum Beispiel 1500 Dollar für die Nutzung. Jedes Unternehmen spart also unter dem Strich 3500 Dollar und kann einen Teil der Ersparnis an seine Kunden weiterreichen. Die Firmen haben Kosten gesenkt, der Kunde bekommt guten Service und diesen auch noch günstiger.

Was macht den Reiz für Privatanleger aus?

Infrastruktur ist ein Basisinvestment. Es geht um die Grundversorgung, die nun einmal wichtig ist und immer nachgefragt wird. Die Erträge sind ähnlich hoch wie bei klassischen Aktien, aber das Risiko ist geringer.

Das klingt fast so, als lägen Infrastrukturfonds damit nah an Immobilien.

Auf den ersten Blick ja. Allerdings gibt es in einer Stadt regelmäßig 50 Büroanbieter, aber nur einen Wassernetzanbieter. Da haben wir es mit Quasimonopolen zu tun. Zudem laufen unsere Verträge in der Regel 5 bis 55 Jahre und sind inflationsgesichert. Steigen die Preise, steigen auch unsere Erträge.

Das klingt fast zu schön …

Damit geht aber auch einher, dass solche Unternehmen ihre Umsätze nicht mal eben verdoppeln können, zum Beispiel ein paar Millionen Smartphones im Quartal mehr verkaufen können.

Braucht es beim Fondsmanagement spezielles Infrastrukturwissen?

Wir haben tatsächlich Kollegen mit ganz unterschiedlichen Hintergründen. Einer kommt aus der Logistik, ein anderer ist Energieexperte und wieder ein anderer ist auf Satelliten spezialisiert. Damit decken wir vieles ab.

“Infrastruktur vermisst man erst, wenn sie nicht da ist” Matthias Meyer

Wie funktioniert Streuung bei diesem Thema?

Balanciert quasi der Hafen die Straßen aus? Häfen sind oft so etwas wie Achterbahnen. Läuft die Weltwirtschaft, ist das gut für Häfen. Und wenn nicht, dann wird es schwieriger. Deswegen mischen wir unterschiedliche Aspekte wie Leitungen, Telekommunikation und Straßenbetreiber.

Wie vermeiden Sie, an pure Prestigeprojekte zu geraten, also im schlimmsten Fall ein „Fantasieprojekt“, das an der Realität vorbeigeplant ist?

Wir investieren nicht in Projekte, sondern in Aktiengesellschaften, die bereits bestehende Projekte betreiben. Das macht es natürlich einfacher, solche Fehler zu vermeiden.

Welche Regionen haben einen besonderen Nachholbedarf, gerade mit Blick auf IT-Infrastruktur?

In den USA gibt es zwar viele Unternehmen, aber auch viel Infrastruktur, die sicherlich überarbeitungsbedürftig ist. Wenn Sie dort unterwegs sind, sehen Sie überall Stromleitungen, die einfach von Holzmasten hängen. Die können wirklich nichts anderes als „von links nach rechts“.

Wie meinen Sie das?

Sie transportieren den Strom von links nach rechts. Was aber, wenn Strom auch rechts eingespeist wird, etwa aus Solaranlagen? Moderne Netze schaffen das.

Und in die investieren Sie?

Unter anderem. Allerdings ist das nicht immer einfach. In den Schwellenländern etwa gibt es viele Konglomerate, die Infrastruktur betreiben. Spannend – aber wir wollen ja nur zum Beispiel das Netz, nicht aber die Betonfabrik und den Motorradhersteller, die auch zum Konglomerat gehören. In Deutschland wiederum gibt es nicht viele solcher Aktiengesellschaften, wohl aber in den USA.

Und wie sieht die Zukunft aus?

Da ist vieles möglich. Denkbar sind etwa Smart Homes, die auch Strom speichern können. Bereits jetzt läuft die Umstellung vom Mobilfunkstandard 4G auf 5G. Weil immer mehr Informationen verfügbar sind, gerät das alte System an seine Grenzen. Das ist wie beim Wellenreiten. Die Welle läuft aus und bringt Sie nicht mehr voran.

Vorankommen ist so eine Sache im deutschen Datennetz …

Ja, noch gibt es in Deutschland erhebliche Unterschiede. Ich sitze gerade an meinem Arbeitsplatz mit 400 MBit/s, in meiner Heimat in einer kleineren Stadt im Saarland sind 16 MBit/s normal. Wenn Sie so wollen, wird gerade die digitale Straße in die Zukunft gebaut. Und das ist auch eine Form der Infrastruktur.

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