Es war ein harmloser Satz, den der amerikanische TV-Moderator Jim Patton fallen ließ. In seiner regionalen Morgenschau sprach er über eine Sechsjährige, die Tage zuvor – ohne es zu merken – ein 160 Dollar teures Puppenhaus über den heimischen Sprachassistenten bestellt hatte. Patton witzelte darüber, wie das Mädchen einfach gesagt habe, „Alexa, bestelle mir ein Puppenhaus“. Die Reaktion, die die Wiederholung durch den Fernsehmoderator auslöste, war gewaltig. Denn vom Stichwort „Alexa“ aktiviert, versuchten unzählige Amazon-Lautsprecher in der Region rund um San Diego spontan, Puppenhäuser zu bestellen.

Dies zeigt zwar, dass die digitale Verknüpfung im Alltag längst noch nicht perfekt funktioniert. Es zeigt aber auch, wie schnell das Internet der Dinge („Internet of Things“, kurz IoT) auf dem Vormarsch ist – und das nicht nur im Wohnzimmer. Alltägliche Gegenstände wie Lautsprecher, Kühlschränke oder Autos werden mit Sensoren ausgestattet und können über WLAN oder Bluetooth mit ihrem Besitzer, aber auch untereinander kommunizieren.

Rasante Entwicklung

Dass der Begriff des „Internet of Things“ erst 1999 vom britischen Technologie-Pionier Kevin Ashton geprägt wurde, unterstreicht die Dynamik der Entwicklung. Mit dem Siegeszug der Smartphones seit 2007 und der Tablets seit 2010 nahm das Internet der Dinge dann richtig Fahrt auf. Zumal sich seither weitere Trends durchgesetzt haben, die eng mit dem „Allesnetz“ verknüpft sind. Dazu zählt die rasante Entwicklung der künstlichen Intelligenz ebenso wie der Siegeszug des Cloud-Computings, bei dem Daten nicht mehr auf den Geräten selbst, sondern im Netz gespeichert und bearbeitet werden.

Produkte und Sensoren mit der Cloud zu verknüpfen, ist vielfach unumgänglich. Dafür sorgt schon die schiere Masse an Daten, die permanent entsteht. Ein Connected Car – also ein vernetztes Auto – produziert im Fahrbetrieb rund 25 Gigabyte Daten in der Stunde.[1] Bosch beispielsweise hat ein System entwickelt, bei dem Ultraschallsensoren während der Fahrt den Straßenrand nach Parklücken abtasten und diese Informationen an die Cloud übermitteln.[2]

Die Deutsche Telekom will bis 2020 rund 11 000 Parkplätze in Hamburg mit Sensoren ausrüsten, sodass Autos den Fahrern künftig die Suche abnehmen können.[3]

Auto zahlt Parkplatz

Auch das Bezahlen der Parkplätze könnten bald die Autos übernehmen. Möglich machen will dies eine in Berlin entwickelte Kryptowährung, an deren Verbreitung auch deutsche Konzerne wie VW und Bosch beteiligt sind: der IOTA. Damit könnten beispielsweise smarte Kühlschränke nicht nur Milch automatisch nachbestellen, wenn sie zur Neige geht, sondern auch bezahlen. Der Automobilhersteller Jaguar denkt in eine ähnliche Richtung: Er lässt seine neuesten Modelle im Zuge einer Kooperation mit Shell die Tankrechnungen bezahlen. Die elektronische Quittung wird auf Wunsch des Fahrers direkt von der heimischen Buchhaltungs-Software verarbeitet.

Das Internet der Dinge ist also längst keine Zukunftsvision mehr. Selbst in Fußballstadien hat es bereits Einzug gehalten. So können Anhänger des FC Schalke 04 seit dieser Saison beispielsweise mit dem Ärmel ihres Fantrikots die Stadionwurst bezahlen. Möglich macht das ein kleiner Chip unter dem Sponsorenlogo des Online-Supermarkts AllyouneedFresh, an dem die Deutsche Post die Mehrheit hält.

Ein weiteres Wearable – also vernetzte Technik wie Smartwatches oder Datenbrillen, die Nutzer mit sich herumtragen – ist das „UV Sense“ von L‘Oreal. Das kleine Stück Hightech passt exakt auf einen Fingernagel und warnt Strandgänger, wenn sie sich besser erneut mit Sonnenschutz eincremen sollten.

Siemens denkt unter dem Label „Industrie 4.0“ noch viel größer. Der Konzern plant nicht nur Fabriken, deren Maschinen und Laufbänder sich selbstständig optimieren und die bis ins Detail im Netz abgebildet und gesteuert werden können. Die Münchner bauen auch weltweit an smarten Städten mit, in denen Millionen von Sensoren in Wohnhäusern, Straßenlaternen, Bussen oder Parkanlagen miteinander verknüpft sind, um Strom zu sparen oder den Verkehr zu optimieren.

Alle 18 Sekunden ein Kontakt

Die Beispiele zeigen, wie schnell das Internet der Dinge den Alltag erobert, aber auch, welches gewaltige Potenzial für Unternehmen darin steckt. Rund zwei Billionen US-Dollar wurden den Marktforschern von Gartner zufolge im Jahr 2017 für Produkte und Dienste rund um das Internet der Dinge ausgegeben – das meiste für Konsumelektronik.

Gut 8,4 Milliarden mit dem Internet verknüpfte Dinge sollen im vergangenen Jahr weltweit genutzt worden sein.

Bis 2020, so Gartner, dürfte diese Zahl auf rund 20,4 Milliarden ansteigen.[4] Bis 2025, so die IT-Berater von IDC, wird jeder Mensch auf der Welt alle 18 Sekunden mit einem vernetzten Gerät interagieren.[5]

Vom IoT-Trend können Konsumgüterhersteller ebenso profitieren wie Anlagenbauer, Elektronikkonzerne, Infrastrukturanbieter, Finanzdienstleister, Automobilzulieferer, weltumspannende Konzerne oder hochspezialisierte Mittelständler. Damit ist es auch ein spannendes Thema für Anleger. Nur die automatische Bestellfunktion von Alexa & Co sollte genau im Blick bleiben. Schließlich gehören Puppenhäuser im Gegensatz zu echten Immobilien nicht zu den bevorzugten Anlageobjekten.

Mehr zum Thema Digitalisierung

Das IoT-ABC

Die wichtigsten Begriffe des Internet of Things - von API bis Wearables

Kryptische Zukunft – oder nicht?

Kryptowährungen – ein Thema, zwei Standpunkte. Johannes Müller, Investementexperte bei der DWS, ist skeptisch, „Daumen hoch“ signalisiert Dominik Schiener, Mitgründer von IOTA. Diese Währung will mit neuartiger Technologie die sichere Kommunikation und Bezahlung zwischen Maschinen ermöglichen.

1. Quelle: https://qz.com/344466/connected-cars-will-send-25-gigabytes-of-data-to-the-cloud-every-hour/ (Abruf am 01.02.2018).

2. Quelle: http://www.bosch-presse.de/pressae/neuer-service-fuer-autofahrer-bosch-schickt-autos-auf-parkplatzsuche-44807.html (Abruf am 01.02.2018).

3. Quelle:https://www.telekom.com/de/medien/medieninformationen/detail/hamburg-macht-parken-einfach-488342 (Abruf am 01.02.2018).

4. Quelle: https://www.gartner.com/newsroom/id/3598917 (Abruf am 01.02.2018).

5. Quelle: https://www.seagate.com/de/de/about-seagate/news/seagate-advises-global-business-leaders-and-entrepreneurs-pr-master/ (Abruf am 01.02.2018).

CIO View

Diese Website verwendet Cookies zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit. Wenn Sie dieses Feld schließen oder die Nutzung fortsetzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen zu den von uns verwendeten Cookies oder darüber, wie Sie Cookies deaktivieren können, finden Sie in unserem Cookie-Hinweis.