Jeden Tag dreht er emsig seine Runden im Garten, probiert neue Wege aus, und wenn es zu sehr regnet oder er erschöpft ist, kehrt er einfach in seine Hütte zurück. Nein, die Rede ist nicht vom neuen Labrador-Welpen, sondern von einem Mähroboter. Der hält den Rasen kurz, kann Hindernisse umkurven und kehrt selbst zur Ladestation zurück, wenn ihm der Saft auszugehen droht. Sogar einen gewissen Unterhaltungswert hat er, wenn er sich seinen Weg durch das Grün bahnt. Kein knatternder Benzinmotor, kein Kabelsalat – und der Rasenschnitt kann einfach als Dünger liegen bleiben. Auf den Punkt gebracht: Der Samstagvormittag ist gerettet.

In jedem Baumarkt gibt es die schlauen Helfer. Dank ihnen erobert die Digitalisierung sogar Deutschlands Vorgärten. In vielen anderen Lebensbereichen hat sie längst Einzug gehalten. CDs im Laden kaufen oder das TV-Programm schauen? Ist im Grunde nur noch etwas für Nostalgiker. Der Rest streamt Musik oder Serien aus dem Web, rund um die Uhr, für zehn Euro im Monat. Dabei wird im Hintergrund genau analysiert, was gehört und gesehen wird, um aus diesen Daten passgenaue Empfehlungen abzuleiten.

Die Grenzen zieht der Mensch

Diese Entwicklungen haben auch vor der Finanzbranche nicht haltgemacht. Was beim Online-Banking anfing, hat sich inzwischen auf Sprachassistenten, Chatbots oder Banking-Apps ausgeweitet. Und auch bei der Geldanlage sprießen neue Offerten aus dem Boden, die ohne einen menschlichen Anlageberater auskommen: die sogenannten Robo-Advisors. Sie versprechen Anlegern nicht weniger als eine kostengünstige Automatisierung der Geldanlage durch Algorithmen.[1]

Auch wenn sich die Angebote in wichtigen Punkten unterscheiden, bauen die meisten auf denselben Grundprinzipien auf:

1) Grenzen setzen: Beim Mähroboter ist es der Begrenzungsdraht, der dem kleinen Helfer die Richtung vorgibt. Bei einem Robo-Advisor füllt der Anleger einen Online-Fragebogen aus, um abzustecken, wie sein Geld angelegt werden soll.

2) Portfolio zusammenstellen: Aus den Präferenzen des Anlegers leiten Algorithmen eine individuelle Anlagestrategie ab. Das Kapital wird dann auf die geeigneten Anlageklassen gestreut, sei es über passive oder aktive Fonds.

3) Portfolio anpassen: Robo-Advisors passen sich automatisch an die (Markt-)Umgebung an und verfügen über Mechanismen, um Anleger vor allzu starken Kursstürzen zu schützen.

Die ersten Angebote dieser Art gab es bereits nach der Finanzkrise 2008 in den USA und Großbritannien. Dort stellte man anfänglich einfach den Anlegern direkt Software zur Verfügung, die zuvor für die Berater entwickelt worden war. Inzwischen werden Hunderte Milliarden Dollar automatisiert verwaltet. Und so dürfte es weitergehen: A.T. Kearney schätzt, dass Roboter- Berater bis 2020 allein in den USA rund 2,2 Billionen US-Dollar Kundenvermögen verwalten werden.[2]Zum Vergleich: In Deutschland war das Volumen Ende Mai laut „Handelsblatt“ mit etwa zwei Milliarden Euro noch relativ gering, doch auch hierzulande steigt die Beliebtheit.[3]

Kein Wunder: Die Robos punkten mit klaren Vorteilen. Schließlich sind die Kosten relativ gering und die Funktionsweise transparent und leicht verständlich. Viele Routineaufgaben haben die Robo-Plattformen automatisiert, was sich in geringeren Gebühren niederschlägt. Privatanleger profitieren zudem davon, dass ihr Vermögen in der Regel frei von Emotionen und Launen und mathematisch präzise nach zuvor festgelegten Regeln angelegt wird, was gerade unerfahrenen Anlegern mitunter schwerfällt.

Klare Kante

Robo ist aber nicht gleich Robo: Über den (grünen) Daumen gepeilt gibt es drei Typen. Die einen fungieren als reine Analyse-Tools. Einfach, weil im nüchternen Scannen und Vergleichen von Zahlen die Stärke der Computer liegt. Andere nutzen die Risikovorgaben der Kunden und legen Geld entsprechend an. Das kann passiv wie aktiv geschehen: Passive Robo-Advisors etwa nehmen nach Festlegung und Umsetzung der originären Anlagestrategie keine Anpassungen mehr vor. Aktive Robo-Advisors schichten dagegen das Kundenportfolio selbstständig und je nach Marktentwicklung um. Neben den reinen Robo-Advisors haben sich inzwischen auch sogenannte „Human Robots“ etabliert. Sie verwalten das Portfolio aktiv in einer Kombination aus Mensch und Maschine. Dabei werden die Algorithmen, die das Depot nach festgelegten Prinzipien immer wieder optimieren, durch jenes Know-how und Marktwissen ergänzt, das Anlagestrategen aus Fleisch und Blut im Tagesgeschäft sammeln. So greift beispielsweise die digitale Robo-Plattform WISE ganz maßgeblich auf die Expertise und die strategische Hausmeinung der DWS und ihres Chefanlagestrategen Stefan Kreuzkamp zurück.

Wo geht die Reise hin? Fest steht nur: Die heutigen Robo-Helfer sind erst der Anfang. Aktuell tüfteln etwa die Hersteller von Mährobotern an Luftkissen zur Überwindung von Hindernissen, an Drohnen zum Auskundschaften der Umgebung oder an Künstlicher Intelligenz, mit deren Hilfe die Roboter voneinander lernen. Und der Anleger? Auf einem Luftkissen wird er in Zukunft vielleicht nicht chauffiert – aber ein Algorithmus, der selbst Anlagestrategien entwickelt, ist nicht völlig undenkbar. Automatische Geldanlage? Läuft.

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1. Erhebung Statista, https://de.statista.com

2. A.T. Kearney, „Hype vs. Reality“, 2015, https://www.atkearney.com

3. Handelsblatt, 29. Mai 2018, http://www.handelsblatt.com

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