Bescheidenheit ist für Anleiheinvestoren weiter angesagt. Die Realzinsen, also die nominalen Zinsen abzüglich Inflation, sind vor allem bei vielen Staatsanleihen aus den Industrieländern im historischen Vergleich weiter extrem niedrig, zum Teil sogar negativ. Und eine Änderung ist nicht in Sicht: Die Geldpolitik bleibt tendenziell expansiv, wie der Blick auf die aufgeblähten Zentralbankbilanzen zeigt – auch wenn zum Beispiel die Europäische Zentralbank ihre lockere Geldpolitik langsam zurückfährt.

Wer mehr Rendite will, muss deshalb abseits der etablierten Rentenmärkte nach Alternativen schauen. Auf der Suche nach Anleiherenditen deutlich über der Nulllinie entdecken Investoren Anleihen aus Schwellenländern. Die Papiere in Hart- und Lokalwährungen bieten einen Renditeaufschlag gegenüber den etablierten Märkten. Der fiel zuletzt etwa bei Kurzläufern vergleichbarer Bonität kräftig aus. Dafür mussten Anleger bislang bei Papieren aus den Emerging Markets meist höhere Schwankungen in Kauf nehmen.

Doch haben sich die Anleihemärkte in den Schwellenländern weiterentwickelt: Das Angebot ist breiter als früher. „Die Zahl der Emittenten in den Emerging Markets hat sich über die letzten Jahre massiv erhöht“, sagt Oliver Eichmann, Anleiheexperte bei der Deutschen Asset Management. 

Bessere Verfassung 

Zudem hat die Politik in den Schwellenländern aus einstigen Krisen gelernt. Vielerorts wurden und werden Strukturreformen umgesetzt, Devisenreserven gestärkt und Leistungsbilanzen verbessert. Auch der gefestigte Binnenmarkt in vielen Staaten sowie das robuste Wirtschaftswachstum insgesamt bei aktuell mäßiger Inflation stimmen positiv. Mit dem Überwinden der Rezession in Märkten wie Brasilien oder Russland steht der Aufschwung der aufstrebenden Nationen zudem auch regional auf einer breiteren Basis. 

So sollten die Schwellenländer selbst Zinserhöhungen in den USA gut wegstecken können – anders als das 2013 der Fall war. Damals löste die bloße Ankündigung der US-Notenbank Fed, die Anleihekäufe zu reduzieren, eine Schockwelle aus, die vor allem in den Schwellenländern zu heftigen Kursverwerfungen führte. „Mit solchen Entwicklungen ist nun eher nicht zu rechnen, auch wenn Anleihen in lokaler Währung etwas anfälliger sein dürften als Papiere in Hartwährung“, erklärt Eichmann.

Wer sich für ein Engagement in den Emerging Markets interessiert, sollte jedoch die große Heterogenität beachten. Eine sorgfältige Titelauswahl ist erforderlich, da viele Risiken länderspezifisch sind. Außerdem sind viele Hartwährungsstaatsanleihen nicht allzu liquide. Die Wahl der richtigen Region, Laufzeit und Währung sowie die Berücksichtigung der Liquidität sind entscheidend und sollten Experten übernehmen. Nur ein aktiver Managementansatz gibt die Freiheit und Flexibilität, selektiv in aussichtsreiche Titel aus den Schwellenländern zu investieren.

Wer sich bei der Zinsanlage nicht auf Schwellenländer festlegen möchte, kann als Alternative einen globalen Anleihefonds in Betracht ziehen. Der streut das Risiko über mehrere Wirtschaftsräume.

Aufgeblähte Bilanzen

Die Bilanzen der Zentralbanken zeigen, dass diese weiter eine expansive Geldpolitik verfolgen. Das Zinsniveau dürfte damit auch 2018 niedrig bleiben.

Quelle: Nationale Zentralbanken, Bloomberg Finance L.P., BIS, Stand: 09/2017

"Besser kurze Laufzeiten"

Oliver Eichmann Oliver Eichmann, Rentenexperte bei der Deutschen Asset Management

Wie schätzen Sie die Aussichten für die Anleihemärkte in 2018 ein? 

Eichmann: Ich gehe davon aus, dass es ein eher schwieriges Jahr wird. Die Renditen sind vielfach sehr niedrig, die Geldpolitik der EZB wird etwas weniger expansiv sein als 2017 und in den USA stehen weitere Zinserhöhungen an. Da die Inflation aber weiter niedrig bleiben dürfte, werden die Zentralbanken ihre Geldpolitik nur maßvoll straffen und ein breit angelegter, starker Kursverfall erscheint eher unwahrscheinlich. Wir glauben, dass sich auch in diesem herausfordernden Umfeld aussichtsreiche Anlagemöglichkeiten bieten, etwa bei einzelnen Emerging-Markets-Emittenten.

Warten Anleihen aus den Schwellenländern denn generell mit besseren Perspektiven auf? 

Eichmann: Man hat es hier nicht mit „homogenen Blöcken“ zu tun, eine differenziertere Betrachtung ist erforderlich. So hat sich die Zahl der Emittenten in den Emerging Markets über die letzten Jahre massiv erhöht, mit großen Unterschieden zwischen den einzelnen Ländern. Im Bereich der Hartwährungsanleihen (US-Dollar oder Euro) halten wir mit Blick auf die dominierenden Einflussfaktoren Russland, Kasachstan und Indonesien für attraktiv. 

Sie raten zu eher kurzen Laufzeiten. Warum? 

Eichmann: Weil wir davon ausgehen, dass die Zinsen weltweit tendenziell eher steigen werden und dies insbesondere langlaufende Anleihen anfällig für Kursverluste macht. Daher erscheinen uns kürzer laufende Anleihen vielfach aussichtsreicher. Allerdings gilt auch hier, dass man genau differenzieren muss. Deutsche Staatsanleihen mit kurzen Laufzeiten und einer Rendite von minus 0,7 Prozent sind sicher nicht attraktiv. Zweijährige US-Staatsanleihen mit einer Rendite von circa 1,7 Prozent sehen da schon besser aus.

Dem Zinstief ausweichen

DWS Emerging Markets Bonds (Short) LC

Anlagestrategie: Der DWS Emerging Markets Bonds (Short) fokussiert auf Hartwährungsanleihen aus Schwellenländern. Die Laufzeiten der Papiere liegen bei fünf Jahren oder darunter. Kurze Laufzeiten sollen im Fall steigender Renditen das Risiko von Kursverlusten abfedern. Euro-Kurzläufer aus Schwellenländern boten zuletzt bei vergleichbarer Bonität eine deutlich höhere Renditechance als Euro-Unternehmensanleihen.

Risikofaktoren: Es bestehen Kursrisiken im Zins- und Währungsbereich sowie Bonitätsrisiken.

ISIN LU0599900635
Ausgabeaufschlag 3,00 %
Gesamtkostenquote[1] 0,65 %
DWS-Risikoklasse[2] 3 von 4

Deutsche Invest I Global Bonds LD

Anlagestrategie: Wer nicht nur in Schwellenländeranleihen investieren möchte, kann auf den Deutsche Invest I Global Bonds setzen. Der investiert weltweit. Im Fokus stehen Staatsanleihen, Anleihen staatsnaher Emittenten sowie Pfandbriefe aus den Industrieländern. Rund ein Fünftel des Volumens war zuletzt in US-Papieren angelegt. Währungsrisiken sichert das Fondsmanagement ab.

Risikofaktoren: Es bestehen moderate Kursrisiken im Zinsbereich. Auch Bonitätsrisiken können zu Kapitalverlusten führen.

ISIN LU0616845144
Ausgabeaufschlag 3,00 %
Gesamtkostenquote[1] 1,01 %
DWS-Risikoklasse 2 von 4

1. Stand: 31.12.2016.

2. Für Fonds der DWS-Risikoklasse 3 gilt: Der Fonds weist aufgrund seiner Zusammensetzung/der vom Fondsmanagement verwendeten Techniken eine erhöhte Volatilität auf, d. h., die Anteilspreise können auch innerhalb kurzer Zeiträume stärkeren Schwankungen nach unten oder nach oben unterworfen sein.

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