Die zentrale Frage könnte letztlich sein: Können Lebensformen als unterlegen oder zumindest als nicht gleichwertig bezeichnet werden, deren Grundbausteine nicht, so wie beim Menschen, Kohlenstoff ist, sondern Silizium? Der Gedanke klingt heute noch ziemlich absurd. Aber schon in nicht allzu ferner Zukunft könnte es Maschinen geben, deren Intelligenz der menschlichen ebenbürtig ist oder diese sogar (weit) übersteigt. Maschinen, die sensibel sind, und scheinbar nur dem Menschen zugeordnete Verhaltensweisen wie Sympathie oder Empathie entwickeln können.

Bereits in den 1960er-Jahren hat der englische Mathematiker Irving Good die These der „Intelligenzexplosion“ aufgestellt.

Die Vorstellung ist dabei die, dass die Menschen eine superintelligente Maschine entwickeln. Diese Maschine oder dieser Algorithmus hat lediglich die Aufgabe, einen noch intelligenteren Algorithmus zu programmieren. Was könnte passieren? Nach dem Start der Version 1.0 würde es vermutlich Tage bis zur Version 2.0 dauern. Version 3.0 wäre sicherlich schon nach einigen Stunden betriebsbereit. Version 4.0 nach einer Stunde und Version 9.0 wäre schon eine halbe Stunde später am Start.

Während es sich bei Version 1.0 noch um „Eingeschränkte Intelligenz“ handeln würde, hätte 3.0 schon das Niveau „Allgemeiner Künstlicher Intelligenz“ (AKI) erreicht, durch die sich Aufgaben und Ziele mindestens so erfüllen beziehungsweise erreichen lassen wie beim Menschen. Ab der Version 7.0 wäre der Algorithmus eine Superintelligenz mit Fähigkeiten, die weit über den menschlichen Intellekt hinausgehen. Spätestens dann würden heikle Fragen auf die Menschheit zukommen: Kontrolliert der Mensch noch die Maschine oder schon die Maschine den Menschen? Wie könnte ein Zusammenleben aussehen? Werden Maschinen all unsere Arbeiten übernehmen, Krankheiten heilen, Umweltverschmutzungen völlig vermeiden und durch ihre Intelligenz Kriege verhindern? Werden wir sie hinausschicken, um das Universum zu erforschen? Das wäre die gute Seite der Macht.

Was, wenn der Algorithmus trotz aller Sicherheitsmaßnahmen einen Weg ins Internet beziehungsweise in Cloud-Computer finden würde, um sich dort ganz eigennützig weiterzuentwickeln? Was, wenn der Algorithmus die Erkenntnis gewinnen würde, dass der Mensch seinen Lebensraum auf Dauer zerstört – oder dass dies zumindest eine gewisse Wahrscheinlichkeit hat?

Ob diese Szenarien jemals Realität werden, weiß keiner. Renommierte Wissenschaftler halten es sogar für möglich, dass es nie zu einer höheren Künstliche-Intelligenz-Form und schon gar nicht zur vorhergesagten Singularität (Intelligenzexplosion) kommen wird. Aber wer hätte vor ein paar Jahrzehnten für möglich gehalten, dass wir heute alle einen Supercomputer (Smartphone) in der Tasche tragen? Einen Computer wohlgemerkt, der die gesamte Rechenleistung bewältigen könnte, die zur ersten Mondlandung im Jahr 1969 erforderlich war!

Algorithmus im Alltag

Längst prägen (einfache) Algorithmen oder Künstliche Intelligenz unser Leben, wenn wir bei Google eine Suchanfrage starten, wenn wir bei Amazon etwas kaufen, wenn wir eine Spracheingabe tätigen und Siri um etwas bitten. Diese Entwicklung dürfte sich kaum zurückdrehen lassen und wird auch die Finanzmärkte der Zukunft (stark) beeinflussen. Welche Wirtschaftsform wird sich herauskristallisieren und wird es dann noch Börsen brauchen?

Bis dahin dürfte aber noch viel Zeit vergehen. Und die Entwicklung dürfte Anlegern Chancen eröffnen, in Unternehmen zu investieren, die im Bereich Künstliche Intelligenz tätig sind.

Kurz erklärt

Künstliche Intelligenz

Wenn Maschinen menschliches Verhalten, Handeln oder Denkweisen nachahmen sollen, dann wird in diesem Zusammenhang von Künstlicher Intelligenz, kurz KI, gesprochen. KI wird auch als Artifizielle Intelligenz oder angelsächsisch Artificial Intelligence, kurz AI bezeichnet. Bei diesem Teilgebiet der Informatik geht es umgangssprachlich um „denkende“ Computer oder um „schlaue“ Roboter. Auf den „großen Durchbruch“ bei KI warten Informatiker nun schon seit Jahrzehnten – bislang vergebens. Weitreichende Fortschritte gibt es jedoch in Teilgebieten: Beispiele für Künstliche Intelligenz sind die bekannten Schachcomputer, Spracheingaben am Rechner oder Systeme wie Alexa oder Siri.

Algorithmus

Bei dem Begriff Algorithmus geht es in seiner heutigen Bedeutung um eine allgemeinverständliche Sprache, mit der Rechenschritte für einen Computer definiert werden. Algorithmen sind logische Regeln, Anweisungen und Vorgehensweisen, unabhängig von der jeweiligen Programmiersprache oder generell von Sprache. Welche Handlungen braucht es, um ein Problem zu lösen, oder, im Bereich Big Data, nach welchen Regeln werden die Datensätze sortiert? Ursprünglich geht Algorithmus auf das mittellateinische algorismus, die Art der indischen Rechenkunst, beziehungsweise auf das altgriechische arithmós zurück

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