"Deutscher Leitindex auf Rekordhoch“, „Dow knackt historische Bestmarke“ – die Schlagzeilen vom Juni und August zeigen, wer in der Presse im Rampenlicht steht: die Börsenschwergewichte. Aktien aus der zweiten oder dritten Reihe finden meist kaum Beachtung. Das spiegelt sich auch in den Portfolios vieler Anleger wider: Wenn Aktien und Fonds, dann die großen. Dabei sind Nebenwerte mehr als nur einen Blick wert. Ihre fünf wichtigsten Pluspunkte:

1. Mehr Rendite

Eines der schlagenden Argumente für Aktien aus der zweiten Reihe ist ihre Wertentwicklung. „Nebenwerte haben Standardtitel über jeden längeren Zeitraum abgehängt“, sagt Philipp Schweneke, Fondsmanager des DWS European Opportunities. Ein Beispiel: Zwischen 2001 und September 2017 legte der Index Stoxx Europe Small 200 – ein Börsenbarometer, das die 200 Unternehmen mit der geringsten Marktkapitalisierung aus dem Stoxx Europe 600 umfasst – um knapp 211 Prozent zu. Der Stoxx Europe Large, der die 200 Aktien mit der größten Marktkapitalisierung beinhaltet, fiel im selben Zeitraum leicht. In diesen knapp 16 Jahren haben Nebenwerte also deutlich besser abgeschnitten (siehe Grafik links). Bereits in den 1990er-Jahren konnten die Wissenschaftler Eugene Fama und Kenneth French zeigen, dass kleine Aktien auf lange Sicht systematisch besser abschneiden als große. 2013 erhielten sie für ihre Forschung den Nobelpreis. 

Mehr Chancen

In puncto Rendite schlugen sich Nebenwerte in der Vergangenheit besser als Standardwerte. 

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Stand: 09/2017

2. Viele Weltmarktführer

Ein wichtiger Grund, weshalb sich viele Unternehmen aus der zweiten Reihe so gut entwickeln, ist ihre dominante Marktposition. In Deutschland beispielsweise haben sich viele Mittelständler über Jahre hinweg ganz gezielt auf ein bestimmtes Produkt oder eine Dienstleistung spezialisiert. Mit Erfolg: Mit ihren Innovationen sind sie oft Weltmarktführer in ihrer Nische und bilden das viel zitierte „Rückgrat der deutschen Wirtschaft“. Das bringt ihnen hohe Margen und mehr Wachstum im Vergleich zu den oftmals schwerfälligen Konzernen. Zugleich hält das sehr spezifische Know-how potenzielle Wettbewerber davon ab, ihnen Marktanteile streitig zu machen. „Auch auf europäischer Ebene gibt es Geschäftsmodelle, die über einen ‚Burggraben‘ verfügen, wie es Starinvestor Warren Buffett nennt. Diese Unternehmen können ihre starke Wettbewerbsposition daher gut verteidigen“, erläutert Fondsmanager Schweneke. 

Eine andere Erklärung für die Überrenditen lautet: Viele kleinere Aktien weisen eine geringere Liquidität auf. Hebt ein Unternehmen etwa überraschend seine Gewinnprognose an, kann das für deutliche Kursgewinne sorgen. Andersherum sind auch rasche Abschläge möglich. Binnen weniger Tage oder Stunden können einzelne Nebenwerte aus diesem Grund stark schwanken. Das führt zu höheren Risikoprämien, die einen positiven Einfluss auf die langfristige Wertentwicklung haben können.

3. Erstaunlich ruhig

Durch die mitunter schnellen Berg-und-Tal-Fahrten einzelner Aktien gelten Nebenwerte gemeinhin als riskanter als die arrivierten Börsenschwergewichte. Doch wenn man die Schwankungsbreite, also die Volatilität, als Maßstab für die Risiken zugrunde legt, entpuppt sich diese Annahme als falsch – zumindest in den vergangenen Jahren. So war die durchschnittliche Volatilität in den vergangenen 17 Jahren bei europäischen Nebenwerten geringer als bei Standardwerten. „Das Risikoprofil der Aktien aus der ersten und zweiten Börsenliga ist sehr ähnlich. Das dürfte viele Anleger überraschen“, bestätigt Schweneke.

Wohlgemerkt: Solche Vergleiche beziehen sich auf den breiten Durchschnitt. Anlegern sollte bewusst sein, dass die Schwankungen bei Einzeltiteln höher sein können. Durch eine breite Streuung und eine fundierte Auswahl der Titel lässt sich das Risiko aber mindern (siehe Interview unten).

Weniger Schwankungen

Die Aktien kleiner Unternehmen schwankten in der Vergangenheit etwas weniger als die großen Standardwerte. 

Quelle: Thomson Reuters Datastream, Stand: 09/2017

4. Vergleichsweise günstig

Nebenwerte schwanken im Schnitt nicht stärker als hochkapitalisierte Aktien und sind in den vergangenen Jahren deutlich besser gelaufen. Die Gretchenfrage für Anleger lautet daher: Lohnt sich der Einstieg noch oder ist der Zug bereits abgefahren? Ein Blick auf die aktuellen Bewertungen spricht für die kleinen Stars. Zwar sind dank der Rally die Kurse durch die Bank gestiegen. Aber im Vergleich zu Standardtiteln sind Nebenwerte relativ günstig. Zu Jahresbeginn lag das Kurs-Gewinn-Verhältnis (KGV) des Stoxx Europe Small 20 Prozent unter dem des Stoxx Europe Large – und damit so tief wie seit der Finanzkrise 2009 nicht mehr. Ende August betrug dieser Abstand noch zehn Prozent. „Trotz der deutlichen Kursgewinne kann von Übertreibung bei Nebenwerten keine Rede sein“, sagt Schweneke. Die Begründung dafür: Während das Gewinnwachstum in den vergangenen sechs Jahren bei den großen Konzernen gegen null tendierte, war es bei den kleineren Unternehmen deutlich einstellig. 

Hinzu kommt noch etwas: In den großen Börsenbarometern wie dem Dax stecken viele angeschlagene Branchen wie Telekommunikation, Banken oder Versorger mit niedrigen KGVs. In Nebenwerte-Indizes dagegen sind viele Branchen mit hohen Bewertungen wie etwa Technologie vertreten. Wenn man die einzelnen Sektoren direkt miteinander vergleicht, sind Nebenwerte deutlich günstiger bewertet als Standardwerte.

5. Profiteure des Aufschwungs

Ein weiteres Argument für kleine und mittelgroße europäische Unternehmen ist der wirtschaftliche Aufschwung Europas. Verschuldung und Arbeitslosigkeit gehen langsam zurück, die Zinsen sind weiterhin niedrig, die Kauflaune ist hoch. Laut Internationalem Währungsfonds dürfte das Wirtschaftswachstum der Eurozone 2017 bei 1,9 Prozent und 2018 bei 1,7 Prozent liegen[1]. Nebenwerte sind mögliche Profiteure, weil viele von ihnen sogenannte Zykliker sind, die den Konjunktur-Rückenwind besonders gut in steigende Gewinne ummünzen. Das ist aber nur ein Teil der Erklärung. „Nebenwerte erzielen anteilig mehr Umsatz in Europa als Standardtitel und profitieren somit stärker vom Aufschwung am Binnenmarkt“, so Schweneke. Zudem macht sie ihre Stärke im Heimatmarkt unabhängiger von Währungsschwankungen.

"Besser als Algorithmen"

Drei Fragen an Philipp Schweneke

Philipp Schweneke, Fondsmanager des DWS European Opportunities
Gibt es in Zeiten von Twitter und Facebook überhaupt noch „Hidden Champions“, also hochspezialisierte Marktführer, die kaum jemand kennt?
Philipp Schweneke: Der Begriff „Hidden Champions“ wird sehr inflationär gebraucht. Die Finanzmärkte sind sehr viel transparenter geworden. So versteckt sind die Marktführer also nicht mehr. Andererseits befassen sich deutlich weniger Analysten mit Nebenwerten. Mit unserem großen Team machen wir uns unser eigenes Bild und nutzen Fehleinschätzungen. Wir wollen besser sein als Algorithmen.
Wie finden Sie passende Unternehmen?
Schweneke: Wir suchen nach Unternehmen, die Marktführer auf ihrem Gebiet sind. Wenn deren Geschäftsmodell obendrein von Trends wie etwa der älter werdenden Bevölkerung profitiert, engagieren wir uns gern langfristig. Der direkte Austausch ist das A und O. Im Schnitt sprechen wir mit vier bis fünf Unternehmen – pro Tag.
Bei Börsengängen haben sich Anleger schon oft die Finger verbrannt. Wie vermeiden Sie Fehlgriffe? 
Schweneke: Börsengänge bieten uns eine gute Chance, Informationen über das Unternehmen zu sammeln. Wir greifen nur bei einem sehr kleinen Teil der Börsenneulinge zu. Doch selbst wenn wir nicht gleich investieren, war die vergleichsweise zeitaufwändige Analyse nicht vergebens. Denn von dem Informationsvorsprung können wir auch später noch profitieren.

Drei Anlagevarianten für Nebenwerte

DWS European Opportunities

Anlagestrategie: Fondsmanager Philipp Schwenecke legt den Fokus beim DWS European Opportunities auf europäische Aktien, deren Marktkapitalisierung im Mittelfeld liegt. Kleinere Titel werden beigemischt. Aktien aus Deutschland, Frankreich und Italien gehören momentan zu seinen Favoriten. Bei den Sektoren setzt Schwenecke derzeit vor allem auf Konsumgüterhersteller, aber auch auf Industrie und IT.
Risikofaktoren: Markt-, branchen- und unternehmensbedingte Kursschwankungen.

ISIN DE0008474156
Ausgabeaufschlag 5,00 %
Gesamtkostenquote[2] 1,40 %
DWS-Risikoklasse[3] 3 von 4

Deutsche Invest I European Small Cap

Anlagestrategie: Im Gegensatz zum DWS European Opportunities sind beim Deutsche Invest I European Small Cap die kleinen Unternehmen Trumpf. Das Fondmanagement-Team sieht aktuell gute Chancen bei italienischen Aktien. Knapp 19 Prozent des Fondsvermögend sind dort investiert. Industrie- und Konsumgütertitel machen je knapp ein Viertel des Portfolios aus.
Risikofaktoren: Die Anteilspreise können auch innerhalb kurzer Zeiträume stärkeren Schwankungen unterworfen sein.

ISIN LU0236146774
Ausgabeaufschlag 5,00 %
Gesamtkostenquote[2] 1,77 %
DWS-Risikoklasse[3] 4 von 4

db x-trackers Mittelstand & MidCap Germany UCITS ETF (DR) 1D

Index: Wer von der Entwicklung des Rückgrads der deutschen Wirtschaft profitieren will, kann zum Mittelstand & MidCap Germany UCITS ETF (DR) 1D von db x-trackers greifen. Es ist ein passiver Indexfons (Exchange Traded Fund, kurz ETF), der direkt in die 70 größten Mittelständer investiert. Der zugrunde liegende Index Solactive Mittelstand & MidCap Deutschland TRN beinhaltet nicht nur MDax-, sondern auch SDax- und TecDax-Aktien.
Risikofaktoren: Die Anlage ist dem Risiko eines Verlustes ausgesetzt.

ISIN IE00B9MRJJ36
Pauschalgebühr[4]  0,40 %
Portfoliostruktur voll replizierend[5]
DWS-Risikoklasse  6 von 7

1. International Monetary Fund, World Economic Outlook Update, Stand: 07/2017.

2. Stand: 31.12.2016.

3. Für Fonds der DWS-Risikoklasse 3 gilt: Der Fonds weist aufgrund seiner Zusammensetzung/der vom Fondsmanagement verwendeten Techniken eine erhöhte Volatilität auf, d. h., die Anteilspreise können auch innerhalb kurzer Zeiträume stärkeren Schwankungen nach unten oder nach oben unterworfen sein.

4. Zusätzliche Informationen zur Pauschalgebühr: Anleger sollten sich bewusst sein, dass zusätzlich zur Pauschalgebühr auch andere Kosten anfallen können, die sich negativ auf die Performance des ETF in Bezug auf den zugrunde liegenden Index auswirken können. Beispiele dafür inkludieren: Brokerage und andere Transaktionskosten, Finanztransaktionssteuer oder Stempelsteuer sowie auch potenzielle Unterschiede in der tatsächlichen Besteuerung von Gewinnen oder Dividenden im Vergleich zu der Besteuerung von Kapital, die im zugrunde liegenden Index angenommen wurden. Die genauen Auswirkungen dieser Kosten können nicht verlässlich geschätzt werden, da diese von einer Vielzahl nicht-statischer Faktoren abhängen. Anleger werden angeregt, für Details die geprüften Jahres- und ungeprüften Halbjahresberichte zu konsultieren.

5. Ein voll replizierender ETF kauft in der Regel alle Wertpapiere des zugrunde liegenden Index und bildet diesen somit 1:1 ab.

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