" Unsere Vision ist, die Maschinen-Ökonomie zu ermöglichen. Das bedeutet, dass Maschinen miteinander kommunizieren und sich gegenseitig bezahlen.

Dominik Schiener
ist Co-Gründer der Kryptowährung IOTA. Und damit Architekt eines möglichen Wirtschaftssystems, bei dem Maschinen automatisch miteinander kommunizieren und agieren. Eine Art Wirtschaft 5.0, wenn man so will.

Bewertung

Müller: Kryptowährungen lassen sich bislang nicht bewerten wie andere Währungen, zum Beispiel mithilfe von Zinsdifferenzen oder Kaufkraftvergleichen. Auch werfen sie keine regelmäßigen Zahlungen ab, wie etwa Aktien oder Anleihen. Damit kann ich für Kryptowährungen keinen fairen Wert ermitteln. Als Investor brauche ich aber eine Vorstellung über den fairen Wert, um eine Investitionsentscheidung zu treffen. Daher fallen Anlagen in Kryptowährungen für mich in die Kategorie „Spekulation“ und nicht „Investition“.

Schiener: Viele der Kryptowährungen haben kein Alleinstellungsmerkmal. Angesichts dessen sind sie derzeit deutlich überbewertet.

Marktreife

Müller: Der gesamte Markt der Kryptowährungen befindet sich noch in einer Frühphase mit hohen Schwankungen, wie die teils heftigen Kurseinbrüche in den vergangenen Monaten zeigten.

Schiener: In den vergangenen Monaten lag der Fokus leider zumeist auf der Spekulation und den möglichen Gewinnen, die Investoren beim Handel mit Kryptowährungen einfahren können. Deshalb sind jetzt die Anbieter gefragt. Sie müssen die Aufmerksamkeit stärker in Richtung der Nutzungsmöglichkeiten lenken und die Vorteile der Kryptowährungen deutlich machen: Einer der wichtigsten ist zweifelsohne der reibungslose Transfer von Finanz-Assets.

Stromverbrauch

Müller: Der hohe Stromverbrauch ist ein großes Diskussionsthema bei den Kryptowährungen. Die Erzeugung der Bitcoin etwa soll jährlich mehr Energie kosten als die Stromversorgung des Hightech-Standorts Hongkong.[1]

Schiener: Der Energieverbrauch ist derzeit eines der größten Probleme, vor allem mit Blick auf die eher klassischen Blockchains wie Bitcoin oder Ethereum. Außerdem sehen wir ein Oligopol in China, wo Unternehmen dank des billigen Stroms den Mining-Prozess der neuen Kryptowährungen dominieren. Mining ist, stark vereinfacht, die Herstellung der Währungen mit leistungsstarken Computern.

Regulierung

Müller: Wir gehen davon aus, dass staatliche Institutionen Kryptowährungen erheblich zusetzen könnten. Das zeigte sich auch Ende vergangenen Jahres, als Südkorea erklärte, den Markt regulieren zu wollen und die Kurse nervös reagierten – obwohl die Befürworter Bitcoin und andere Währungen gern als staatenlos und unregulierbar bezeichnen. Was also würde geschehen, wenn zum Beispiel die USA dem Beispiel Südkoreas folgen würden?

Schiener: Für das gesamte Ökosystem der Kryptowährungen ist eine Regulierung notwendig. Denn Regulierung schafft weiteres Vertrauen in die Nützlichkeit und die Anwendung dieser Entwicklung. Damit eine mögliche Reglementierung aber nicht das Innovationspotenzial der Währungen einschränkt, sollten die Regulierer mit den Technologieexperten zusammenarbeiten.

Technologie

Müller: Um in der Praxis zu punkten, müssen die Krypto-Währungen neben der Sicherheit und geringen Preisschwankungen auch sicherstellen, dass selbst das millionenfache Bezahlen von Kleinstbeträgen zu geringen Transaktionskosten gewährleistet ist.

Schiener: Unsere Vision ist es, die Maschinen-Ökonomie zu ermöglichen. Das bedeutet, dass Maschinen miteinander reden. Ein Kühlschrank also, der automatisch Milch bestellt, oder Druckmaschinen, die eigenständig untereinander Daten austauschen. Das vereinfacht den Alltag. IOTA bringt dazu eine neue Technologie in die Praxis, die skalierbar ist, keine Transaktionsgebühren verlangt und vor allem auf das Internet der Dinge abzielt.

Zukunft

Müller: Was die Verwendung von Kryptowährungen als „Geld” betrifft, ist es nur eine Frage der Zeit, bis sich staatliche Regulierung dem Thema annehmen wird. Erst dann wird sich entscheiden, welche Währung überleben wird. Warum sollte man, sei es als Unternehmer oder Investor, auf etwas setzen, dessen Zukunft noch völlig offen ist?

Schiener: Die Zukunft der Kryptowährungen ist ungewiss – aber das ist bei jeder technologischen Neuentwicklung so. Und vor allem bei Projekten, denen der tatsächliche Plan fehlt, wie sie eine Skalierbarkeit erreichen. Skalierbarkeit bedeutet, dass das System so viele Transaktionen so effizient wie möglich abwickeln kann, ohne an eine technologische Grenze zu stoßen. Das ist Voraussetzung dafür, dass Kryptowährungen tatsächlich funktionieren und flächendeckend angewendet werden können.

" Anlagen in Kryptowährungen fallen für mich in die Kategorie "Spekulation" und nicht "Investition".

Johannes Müller
ist Leiter des Investment Office bei der Fondsgesellschaft DWS – das heißt, er klopft Anlageideen auf Chancen und Risiken ab. Ganz nüchtern, ohne Pathos.

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1. Quelle: https://digiconomist.net/bitcoin-energy-consumption

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