Nachhaltige Investmentfonds: Gutes Gewissen, gute Rendite

Immer mehr Anleger investieren in sogenannte ESG-Fonds, die ethische und ökologische Kriterien berücksichtigen sollen. Das Ziel: Rendite erwirtschaften, ohne der Umwelt zu schaden und Menschen auszubeuten.

ESG: Environmental, Social, Governance

Gentechnik raus, klimafreundliche Unternehmen rein: Strategien nachhaltiger Investmentfonds

Ethisch und ökologisch investieren

Einmal investieren wie König Harald von Norwegen: Was klingt wie die Schlagzeile für Anlagetipps aus der Klatschpostille, hat einen überaus ernsthaften Hintergrund. Der fast 1000 Milliarden Dollar schwere norwegische Staatsfonds, in den seit mehr als 20 Jahren die Rohstoffeinnahmen des Staates fließen, zählt zu den prominentesten Vorreitern ökologischer und ethischer Investments. Mehr noch: Ausgerechnet der Staat Norwegen, der seinen Wohlstand sprudelnden Öl- und Gasquellen verdankt, betreibt auch so genanntes Divestment.[1] Darunter verstehen Vermögensverwalter die Entscheidung, sich aus bestimmten Anlagen zurückzuziehen. Im September 2018 hat der norwegische Staatsfonds verkündet,  zukünftig nur noch in Unternehmen zu investieren, die streng nachhaltig wirtschaften. Die Norweger wollen so unterer anderem die Verschmutzung der Weltmeere durch Plastik bekämpfen.

Produkte für wählerische Anleger

Was die Norweger kaufen und was sie meiden, findet weltweit Beachtung, schließlich sitzt der Staat auf anderthalb Prozent aller weltweit gehandelten Aktien. Aber auch Privatinvestoren mit kleinsten Ersparnissen können entscheiden, welche Unternehmen, Branchen oder Staaten sie finanziell unterstützen – und welche sie bewusst außen vor lassen. Für entsprechende Finanzprodukte und Anlagevehikel hat sich das Kürzel ESG etabliert. Die Abkürzung steht für einen Dreiklang bei der Geldanlage, die drei Werte besonders achtet: „Environmental, Social, Governance“. ESG-konforme Anlagevehikel berücksichtigen demnach (1.) ökologische sowie (2.) soziale Aspekte der Geldanlage, und sie nehmen (3.) das Verhalten des Managements von Unternehmen unter die Lupe. Damit fördern ESG-Anlagen bewusste Entscheidungen wählerischer Anleger – und passen gut in die Zeit. Im Restaurant wählen Gäste inzwischen schließlich auch, welche Zutaten und Allergene sie lieber nicht in ihrem Essen haben wollen.

Anleger fliegen auf nachhaltige Investmentfonds

Das ESG-Prinzip kommt offensichtlich gut an: 2017 haben Anleger allein in Deutschland 171 Milliarden Euro in nachhaltige Geldanlagen investiert, zeigen die Zahlen des Forums Nachhaltige Geldanlagen (FNG).[2] Das Volumen entsprechender Fonds stieg damit gegenüber dem Vorjahr um 30 Prozent.[2] Verglichen mit dem Gesamtmarkt bilden die Anlagen zwar noch eine Nische, aber eine mit stark wachsender Bedeutung. Gründe dafür gibt es viele: Das grüne Gewissen, die wachsende Kritik vieler Kunden gegenüber Herstellern, die Regeln des Anstands missachten, härtere Gesetze gegen Umweltsünder und politische Allianzen für mehr Klimaschutz – all das befördert die Nachfrage nach ESG-Investments.


„Kategorische Ausschlüsse oder lieber fein abgestuft – Anleger können zwischen Nachhaltigkeitsstrategien wählen"
 

Das Angebot wächst. Anleger können sich mittlerweile aus einer breiten Palette unterschiedlicher Nachhaltigkeitsstrategien bedienen. Zu den prominentesten ESG-Strategien bei Fonds zählt die Anlage nach sogenannten Ausschlusskriterien. Danach schließen Fondsmanager gewisse Unternehmen von Vornherein aus, die bestimmten ethischen und ökologischen Standards nicht genügen – ganz ähnlich wie der Staatsfonds aus Norwegen. Das kann auch für ganze Branchen gelten, etwa die Atomindustrie.

Breit gestreut in alle Branchen investieren – aber nur in die jeweils nachhaltigsten Unternehmen

Eine andere Strategie folgt dem sogenannten Best-in-Class-Ansatz. ESG-Fonds dieser Spielart investieren grundsätzlich in sämtliche Branchen, suchen aber anhand spezieller Rankings die Firmen heraus, die in ihrer Vergleichsgruppe am besten abschneiden, also nachhaltiger wirtschaften als die direkte Konkurrenz. Eine weitere Variante bilden schließlich Best-of-Class-Produkte. Hier legen Manager nur in besonders nachhaltige Branchen an, dort wiederum aber in eine breite Palette von Unternehmen.

Nachhaltigkeit und Rendite gehen Hand in Hand

So oder so: ESG-Auswahlfilter in Fonds ergänzen stets die üblichen Instrumente, mit denen Fondsmanager nach attraktiven Anlagezielen suchen. Dabei verbessern berücksichtigte ESG-Kriterien zum Teil sogar die Wertenwicklung eines Fonds. Auch dies ist am norwegischen Staatsfonds zu erkennen: Er gilt nicht nur in Sachen Nachhaltigkeit als Vorbild, sondern auch in Bezug auf die Rendite.

CRC 062166 (11/2018)

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Saubere Sache

Alles begann mit einem Waldspaziergang vor über 300 Jahren. Als Carl von Carlowitz, Oberberghauptmann des sächsischen Oberbergamtes, den bedauernswerten Zustand der Wälder seiner Heimat sah, griff er zur Feder und schrieb, man solle immer nur so viele Bäume entnehmen, wie nachwachsen können. Die Nachhaltigkeitsbewegung war geboren. Seitdem sind nicht nur die Bäume gewachsen, sondern auch die Bedeutung der Nachhaltigkeit. Auch wenn es anfangs gar nicht danach aussah.

Kampf dem Hunger

Studenten der Projektgruppe „Thriving Green“ wollen den Hunger in Ostafrika bekämpfen und die notleidende Bevölkerung ökologisch sowie ökonomisch sinnvoll mit dem Superfood Spirulina versorgen. Die Alge kann auch rund um den Globus helfen.

1. https://www.energate-messenger.de/news/172417/norwegischer-staatsfonds-treibt-kohle-divestment-voran

2. https://www.forum-ng.org/images/stories/Publikationen/fng-marktbericht_2018-online.pdf

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