Seit acht Jahren kennt die globale Wirtschaft nur eine Richtung: nach oben. Ein beinahe biblisches Alter für Konjunkturzyklen. Normalerweise steigen in einem solchen Aufschwung auch die Preise für Waren und Dienstleistungen. Doch diesmal ist alles anders: In den USA und in der Eurozone sind die Inflationsraten dieses Jahr wieder rückläufig. Besonders die sogenannten Kerninflationsraten – die Veränderungen bei stärker schwankenden Lebensmittel- und Energiepreisen außer Acht lassen und als Gradmesser für den Inflationstrend gelten – haben sich abgeschwächt. So stiegen beispielsweise die Preise jenseits des Atlantiks 2016 mit einer Jahresrate von rund 2,25 Prozent. Im Sommer 2017 waren es dann plötzlich nur noch 1,75 Prozent. In der Eurozone fiel die Kerninflationsrate jüngst wieder unter ein Prozent. Trotz des jahrelangen Konjunkturaufschwungs tritt die Inflation also auf der Stelle. Warum?

Einen Anhaltspunkt liefert die Lohnentwicklung. Mit abnehmender US-Arbeitslosenquote müssten die Stundenlöhne eigentlich stärker steigen – ein Zusammenhang, den die Phillipskurve beschreibt. In den 1970er- und frühen 1980er-Jahren führte ein Rückgang der Arbeitslosigkeit um einen Prozentpunkt zu einem Lohnanstieg von durchschnittlich 0,76 Prozentpunkten. Ab Mitte der 1980er-Jahre flachte sich die Phillipskurve ab: Der Lohnanstieg nahm nur um 0,28 Prozentpunkte pro Prozentpunkt niedrigere Arbeitslosenquote zu. Von 2010 bis heute hat sich die Kurve fast völlig abgeflacht. Unbeeindruckt von einem Rückgang der Arbeitslosenquote von zehn auf rund vier Prozent sind die Löhne konstant mit einer Jahresrate von zwei Prozent gestiegen. 

Muss man die Phillipskurve also beerdigen? Dafür ist es noch zu früh. Die Grundfrage lautet: Wieso hat die heutige Phillipskurve so wenig mit der früheren zu tun? Erklärungsversuche reichen von weltweitem Konkurrenzdruck, dem Jobabbau im relativ gut bezahlten verarbeitenden Gewerbe bis hin zu einer höheren Glaubwürdigkeit der Zentralbanken bei der Inflationsbekämpfung. Das erklärt aber noch nicht, was sich seit dem Jahr 2010 am Arbeitsmarkt verändert hat. Dort gibt es noch einiges zu erforschen.

Wie geht es weiter? Angesichts der robusten Konjunktur und sinkender Arbeitslosenquoten sollte sich die Kerninflation wieder auf das Niveau von 2016 beschleunigen. Ein deutlich stärkerer Anstieg scheint jedoch auf absehbare Zeit unwahrscheinlich. Gegenwärtig ist der Kapitalmarkt bei diesem Thema entspannt. Doch Anleger sollten die Inflation im Auge behalten: Selbst eine kleine Überraschung dürfte bereits ausreichen, um eine größere Marktbewegung auszulösen.

Flach, flacher, Phillipskurve

Trotz sinkender Arbeitslosigkeit in den USA steigen die Stundenlöhne nicht mehr so stark wie früher.

Quelle: Bloomberg Finance L.P., Deutsche Asset Management Investment GmbH, Stand: 11/2017

20. Dez 2017

Nie wieder Inflation?

Ist die Arbeitslosigkeit niedrig, steigen Löhne und Inflation, lautet eine Lehrbuchweisheit. Doch trotz sinkender Arbeitslosigkeit legen die Preise momentan nicht zu. Bleibt das so?  

20. Dez 2017 Stock market

Die ESG-Evolution

Nachhaltigkeit hat viele Facetten – für eine Strategin für verantwortliches Investieren ebenso wie für die Direktorin einer Institution, die Saatgutmuster in Spitzbergens Kälte verwahrt. Ein Interview mit Marie Haga vom Stiftungsfonds Crop Trust und Petra Pflaum, Chief Investment Officer für Verantwortliche Anlagen bei der Deutschen Asset Management.  

CIO View

Diese Website verwendet Cookies zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit. Wenn Sie dieses Feld schließen oder die Nutzung fortsetzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen zu den von uns verwendeten Cookies oder darüber, wie Sie Cookies deaktivieren können, finden Sie in unserem Cookie-Hinweis.