Wer vor Jahren langlaufende Anleihen gekauft hat, konnte sich über hohe Zinszahlungen freuen. Doch diese werden peu à peu fällig. Und dann? Der Blick auf die Konditionen neuer Anleihen aus der Eurozone ist ernüchternd. Kurzlaufende Staatsanleihen von soliden Ländern wie Deutschland haben negative nominale Renditen. Real – also nach Abzug der Inflation – sind die Renditen noch deutlicher im Minus. Hier macht sich bemerkbar, dass die Inflationsrate in der Eurozone und den USA ab Mitte 2016 angezogen hat. Wer positive reale Renditen erzielen möchte, muss sehr genau hinsehen, und das weltweit.

Schwellenländer

Renditebringer. Die niedrigen Zinsen in den Industriestaaten haben in den Vorjahren für Kapitalzuflüsse in die Schwellenländer gesorgt. Das führte zu einem Zinsrückgang. Trotzdem: Im Vergleich zu US- oder Euro-Anleihen werfen Staatsanleihen aus zahlreichen Schwellenländern immer noch höhere nominale Renditen ab. Zudem übersteigen selbst im mittleren Laufzeitenbereich von fünf Jahren die nominalen Zinsen die jeweiligen Inflationsraten aus den Schwellenländern.

Eurozone

Kurswechsel in Sicht? Das gewaltige Anleihekaufprogramm der EZB läuft noch und sorgt für tiefe Zinsen bei Staats- und Unternehmensanleihen in der Eurozone. Etwas höhere Renditen sind nur noch mit langlaufenden Staatsanleihen aus der Peripherie wie Italien, Spanien und Portugal sowie mit Unternehmensanleihen mit-tlerer Bonität erzielbar. Die wirtschaftliche Erholung und der Inflationsanstieg befeuern derzeit eine Diskussion über eine sukzessive Reduzierung der Anleihekäufe der Währungshüter. Das könnte für steigende Zinsen sorgen und die Anleihekurse belasten.

USA

Steigende Zinsen. Im Dezember 2008 startete die US-Notenbank Fed ihre Anleihekäufe. Damit blähte sie die Geldbasis auf und sorgte für niedrige Zinsen am Anleihemarkt. Im Oktober 2014 ließ die Fed das Kaufprogramm auslaufen. Aktuell erwägt die Notenbank, den Geldüberhang abzubauen. Das könnte steigende Zinsen zur Folge haben und US-Anleihen belasten, insbesondere Langläufer.

Wie Anlageprofis jetzt reagieren

1. Zinsdifferenzen aufspüren

An Zinsdifferenzen verdienen, lautet das Motto bei Carry-Trade-Strategien. Institutionelle Anleger nehmen beispielsweise einen Kredit in Ländern mit niedrigen Zinsen auf und investieren das Geld dort, wo es höhere Zinsen gibt. In der Eurozone etwa sind die Zinsen in den Peripherie-Ländern höher als in den Kernländern. Zudem gibt es Unterschiede zwischen Unternehmens- und Staatsanleihen. Die Differenzen in den Industrieländern sind jedoch gering. Höhere Zinsabstände gibt es dagegen zwischen Industrie- und Schwellenländern.

2. Währungstrends nutzen

Nimmt die wirtschaftliche und politische Stabilität eines Landes zu, wird es für Anleger attraktiver, dort zu investieren. Die Kapitalzuflüsse sorgen für eine Aufwertung der Währung. Ein gutes Beispiel dafür ist der US-Dollar: Bis 2014 profitierte der Greenback von der starken US-Wirtschaft. Gegenüber dem Euro wertete er deutlich auf. Dieser Trend könnte jetzt allmählich auslaufen – auch weil das Wachstum in Europa anzieht. Für die Fondsmanager der Deutschen Asset Management rücken nun Währungen von Schwellenländern mit soliden Wirtschaftsdaten in den Fokus.

3. Laufzeiten managen

Niedrige Leitzinsen und die Anleihekäufe der Notenbanken haben eine flache Zinskurve zur Folge. Das heißt: Der Zinsunterschied zwischen kurz- und langlaufenden Anleihen ist gering. Im Jahr 2014 reduzierte die US-Notenbank ihre Anleihekäufe – die Differenz wurde wieder größer. So könnte es auch in der Eurozone ablaufen. Institutionelle Anleger leihen sich dann Anleihen und verkaufen sie weiter. Das Geld investieren sie kurzfristig. Steigt der langfristige Zins, verbilligt dies bei Beendigung der Wertpapierleihe den Anleiherückkauf und ergibt so einen Gewinn.

Flexibel Investieren

Deutsche Floating Rate Notes LC

Anlagestrategie:

Das Fondsmanagement investiert überwiegend in Floater aus der Euro­zone mit guter bis sehr guter Bonität. Floater sind Anleihen, deren Zinsen variabel sind und die sich nach einem Referenzwert wie dem Libor oder Euribor richten. Mit dieser Strategie können sich Anleger auf steigende Zinsen vorbereiten. Der Fonds strebt eine Rendite an, die höher ist als die Verzinsung von Drei-Monats-Anlagen auf dem Geldmarkt. 

Risikofaktoren:

Der Anteilswert kann jederzeit unter den Kaufpreis fallen, zu dem der Anteil erworben wurde.

Fondskategorie

Geldmarktfonds

ISIN

LU0034353002

WKN

971730

DWS Emerging Markets Bonds (Short) LC

Anlagestrategie:

Wer sich die Chance auf etwas mehr Rendite mit Anleihen eröffnen möchte, kann zum DWS Emerging Markets Bonds (Short) greifen. Mindestens 70 Prozent des Fondsvermögens werden in Unternehmens- und Staatsanleihen aus Schwellenländern angelegt. Die Laufzeit der Anleihen liegt bei fünf Jahren oder weniger. Diese Kurzläufer reagieren in der Regel weniger sensibel auf mögliche Zinsanstiege.

Risikofaktoren:

Schwellenländeranleihen weisen meist höhere Risiken auf als Anleihen aus Industriestaaten.

Fondskategorie

Rentenfonds

ISIN

LU0599900635

WKN

DWS04D


11. Aug 2017

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