Seitdem sind nicht nur die Bäume gewachsen, sondern auch die Bedeutung  der Nachhaltigkeit. Auch wenn es anfangs gar nicht danach aussah. Erst einmal geriet das Thema Nachhaltigkeit in Vergessenheit. Staaten entstanden, Weltkriege tobten. Dann ging es um Wachstum. Erst in den 70er-Jahren des 20. Jahrhunderts änderte sich das. Waldsterben und saurer Regen – die Ökologie stand mit wehenden Protestbannern im Vordergrund. Und die Politik griff ein. 1992 fand zum Beispiel eine Konferenz in Rio de Janeiro statt – der „Erdgipfel“, die erste weltweite Umweltkonferenz. Und mehr als das: Denn neben der Umweltverschmutzung wurde auch die Armut als globales Problem identifiziert, und man erkannte, dass diese  Probleme nur gemeinsam gelöst werden können. Dieses Wissen hat seitdem feste Wurzeln getrieben. Rio war nur der Auftakt für eine Reihe von Folgekonferenzen. New York 1997, Johannesburg 2002, 2012 wieder Rio. Um die Umsetzung zu begleiten, rief die UN bereits 1992  die Kommission für nachhaltige Entwicklung ins Leben. 

In der Finanzwelt hat sich derweil das Dreifach-Kürzel ESG durchgesetzt, um die verschiedenen Aspekte der Nachhaltigkeit griffig zu bündeln. E steht für „Environment“, S für „Social“ und G für „Governance“ Umwelt, Soziales und Unternehmensführung.

Environment

 

Schonung natürlicher Ressourcen, Begrenzung des Klimawandels:

  • Energie-, Müll- und Wasserverschwendung
  • Treibhausgasemissionen
  • Saubere Technologien
  • Wohngebäude
 

Social

 

Humankapital, Gesellschaft, Nachhaltige Produkte:

  • Arbeitsbedingungen
  • Gesundheit und Sicherheit
  • Produktsicherheit
  • Versammlungsfreiheit
 

Governance

 

Wirtschaftsethik:

  • Unternehmensführung
  • Transparenz
  • Vergütungsregeln
 

Man könnte auch vom fairen Umgang sprechen. Mit der Natur, aber auch mit dem Menschen. Das zahlt sich gleich doppelt aus. Zum einen für die Umwelt, zum anderen aber auch für das eigene Portemonnaie. „Viele Studien kommen zu dem Ergebnis, dass ESG-Faktoren einen neutralen bis positiven Einfluss auf die Wertentwicklung von Anlageprodukten haben“, sagt Petra Pflaum, Anlagechefin für verantwortliche Anlagen bei der DWS. Das trifft auch die reale Wirtschaft. Denn für Unternehmen bedeuten diese Ziele zum Beispiel den schonenden Umgang mit Ressourcen, nicht aber den Verzicht auf Wachstum.

Im Gegenteil: Unternehmen, die sich dem Thema ESG verschreiben, stehen zum Beispiel Krisen besser durch, zeigt mit „Green Winners“ etwa eine Untersuchung der Unternehmensberatung A.T. Kearney. Befund: Die Aktien von Firmen, die nachhaltig wirtschaften, entwickelten sich in der Finanzkrise besser als der Durchschnitt.

Nachhaltigkeit ist also für Unternehmen wie Anleger gleichermaßen gut. Sauber bleiben und damit auch Geld zu verdienen, diese Mischung kommt an. Weltweit steckten zuletzt gut 19 Billionen Euro in nachhaltigen Geldanlagen. Rund 25 Prozent mehr als zwei Jahre zuvor, zeigt die jüngste Untersuchung der Global Sustainable Investment Alliance.[1] Und die Nachfrage steigt weiter – von Privatanlegern und von professionellen Investoren wie zum Beispiel Pensionskassen. Weil ihnen das Thema wichtig ist.

 

Nicht gut

Einer von zehn Todesfällen weltweit wird durch Umweltverschmutzung verursacht, zeigt der aktuelle Global Risk Report. Immerhin leben 90 Prozent der Menschen in Regionen, in denen die Grenzwerte der Weltgesundheitsorganisation nicht eingehalten werden.[2]

 

Gut

Mehr als ein Viertel der Nachfrage nach nachhaltigen Anlagen kam 2016 von Privatanlegern. Zwei Jahre zuvor war es nur ein knappes Achtel. Graswurzel-Bewegung in Sachen guter Anlage?

Um Unternehmen auf ihre ESG-Tauglichkeit zu prüfen und diejenigen herauszufiltern, die den Kriterien am besten entsprechen, hat die DWS mit der „ESG Engine“ sogar eine eigene Analyse-Software entwickelt. Mehr als 13 000 Unternehmen rund um den Globus können so auf ihre ESG-Tauglichkeit geprüft werden.

Rückenwind für das Thema Nachhaltigkeit kommt inzwischen aus zahlreichen Bereichen. So brachten die Vereinten Nationen (UN) im Jahr 2015 die „Sustainable Development Goals“ (SDG) auf den Weg: 17 konkrete Nachhaltigkeitsziele, die bis 2030 umgesetzt sein sollen. Dazu gehören etwa verantwortungsvoller Konsum, eine nachhaltige und moderne Energieversorgung für alle und die Beseitigung extremer Armut. Ein weltweiter Konsens ist damit erreicht. Wir müssen statt ihr müsst. Entsprechend gaben bereits kurz nach Beschluss der SDGs 70 Prozent der vom Beratungshaus PwC befragten Unternehmen an, diese Ziele binnen fünf Jahren in ihr Geschäftsmodell integrieren zu wollen.

Umso wichtiger, dass diese Entwicklung auch ständig eingefordert wird. Das kann der Verbraucher tun, der die Herkunft seines Schnitzels hinterfragt. Das können Medien und Politik tun, die Fehlentwicklungen aufzeigen beziehungsweise regulieren. Und das können professionelle Anleger tun, die bei der Auswahl jener Unternehmen, in die sie Geld investieren, nicht nur wirtschaftliche Kennzahlen, sondern auch nachhaltige Kriterien prüfen und gegebenenfalls auf deren Einhaltung drängen. Das alles braucht seine Zeit.

In einer Bestandsaufnahme aus dem Jahr 2017 schreibt UN-Generalsekretär António Guterres, dass der Fortschritt in einigen Bereichen weitaus langsamer voranschreite als benötigt, um die Ziele 2030 zu erreichen. Wie viel Schwung das Thema dennoch entfaltet, zeigte zuletzt etwa der Weltwirtschaftsgipfel in Davos. Denn auch dort ging es um Nachhaltigkeit. Großunternehmen, große Politik und Nachhaltigkeit auf einem gemeinsamen Podium; seit Hans Carl von Carlowitz hat sich tatsächlich einiges getan.

Mehr zum Thema Nachhaltigkeit

Kampf dem Hunger

Studenten der Projektgruppe „Thriving Green“ wollen den Hunger in Ostafrika bekämpfen und die notleidende Bevölkerung ökologisch sowie ökonomisch sinnvoll mit dem Superfood Spirulina versorgen. Die Alge kann auch rund um den Globus helfen.

Weiterlesen

1. Global Sustainable Investment Review 2016, erstellt von der Global Sustainable Investment Alliance (GSIA).

2. The Global Risk Report 2018, 13te Ausgabe, World Economic Forum.

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