Roboter sind inzwischen auch Tanzpartner, etwa von Uli Kahlert alias UliK. Wenn er mit seinem RoboCircus den Robotik-Pas-de-deux oder den RoboPole aufführt, dann wird der Arm des Industrie- Roboters zur Luftbühne in großer Höhe für das tanzende Paar oder zur elastischen Akrobatikstange. Roboter und Künstler verschmelzen zu einer neuen Einheit. Die Maschine wird zum tragenden Bestandteil der Performance. Zu sehen ist dieses Spektakel beispielsweise auf dem Münchner Tollwood-Festival.

Roboter stehen längst nicht mehr nur versteckt in Produktionshallen und spritzen Lacke und nieten Autoteile, nein, sie dringen in immer neue Lebensbereiche vor. Sie werden sichtbar. Auch in der ehemaligen Münchner Luitpold- Kaserne: Dort haben sich drei Tüftler in der Ideenwerkstatt Franka Emika zusammengetan. Gemeinsam mit der Universität Hannover entwickeln sie so etwas wie einen Allerweltsroboter. Panda, so heißt das System oder der Roboterarm. Panda ist gewieft und flexibel, was sich nicht nur auf seine Beweglichkeit bezieht: Dank einer besonderen Programmiersprache kann er Handlungsabläufe binnen Minuten beherrschen.

Der Mensch macht es vor, der Roboter macht nach, lernt und prägt sich die Abfolgen ein. Eine App hilft bei der Individualisierung. Letztlich aber geht es um Interaktion und Intuition zwischen Mensch und System – und damit rücken zwei Welten näher zusammen und verschmelzen in Randbereichen bereits. Es soll ein Roboter für jedermann werden, so die Mission. Derzeit kostet er noch rund 10 000 Euro in seiner Basisversion.

Roboter mit Gefühl

Noch eines haben der Robo-Experte Sami Haddadin, der nun einen eigenen Lehrstuhl an der TU München innehat, sein Bruder Simon, ein Mediziner, und Ingenieur Seven Parusel ihrer Maschine beigebracht: Panda ist gefühlvoll. Er greift nicht nur einfach zu, sondern passt sich an, wodurch Verletzungen vermieden werden. Auch dafür wurde das Dreierteam mit dem hoch dotierten Deutschen Zukunftspreis ausgezeichnet.

Diese Sensibilität eröffnet neue Möglichkeiten. Die Weiterentwicklung von Panda nennt sich Garmi und ist ein Helfer-Roboter, der zum ersten Mal in Garmisch-Partenkirchen zum Einsatz kommt (deshalb der Name). Der 1,40 Meter kleine Garmi wird, dank seiner Feinfühligkeit, in der Altenpflege eingesetzt. Dort soll er Kaffee kochen, Eier braten, die Mikrowelle anstellen, Essen bringen oder die Spülmaschine befüllen.

Geriatronik nennt sich dieses Feld, das immer wichtiger werden dürfte. Das Wort setzt sich aus Geriatrie, der Altersmedizin oder -heilkunde, und Elektronik zusammen. Das Ziel: Älteren Menschen, die vielleicht auch schon unter Demenz leiden, durch den Einsatz von Pflegerobotern länger ein Leben in ihrer vertrauten Umgebung zu ermöglichen.

Surren also schon bald die elektronischen Helfer millionenfach durch die Wohnungen alter Menschen und ersetzen so die menschlichen Pflegekräfte? Das dürfte noch dauern. Schließlich gibt es „Moravecs Paradox“, wonach Maschinen sehr gut Schach oder Go spielen können, sich aber mit Bewegungen sehr schwer tun. Schließlich hat der Mensch dafür auch Jahrmillionen gebraucht – und Schach gibt es erst seit rund 2000 Jahren. Kürzlich sollte ein IkeaBot für Forscher in Singapur einen Stuhl zusammenbauen: Er „quälte“ sich – gut, manch einem von uns geht das nicht unähnlich. Nicht zu vergessen die Sache mit der fehlenden menschlichen Zuwendung, aber vielleicht lernen Roboter das auch noch.

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