Klaus Kaldemorgen, einer der bekanntesten Fondsmanager Deutschlands, bringt nichts so schnell aus der Fassung. Seine Karriere begann vor knapp 35 Jahren, in einer Zeit, in der das Berufsbild noch weitgehend unbekannt war.

Schauplatz Mainzer Landstraße, Frankfurt am Main: Im Schatten der großen Banktürme steht die Zentrale der Deutschen Asset Management, ein eher unauffälliger, funktionaler Bau. Genauso unprätentiös ist auch der Arbeitsplatz von Klaus Kaldemorgen. Ein ganz normaler weißer Schreibtisch wie jeder andere auch. Wohl kaum jemand würde vermuten, dass hier einer der bekanntesten Fondsmanager Deutschlands über Milliarden von Anlegergeldern wacht. Kein toller Blick auf die Skyline der Mainmetropole, keine Kunst, keine Vorzimmerdame. Nicht einmal ein eigenes Büro hat Kaldemorgen. Er zieht es vor, inmitten seiner Kollegen des Multi-Asset-Teams zu sitzen. „Kurze Wege“, sagt er lapidar und lächelt verschmitzt.
Sein Arbeitsplatz verrät eine Menge darüber, wie er seinen Job versteht – nicht als One-Man-Show, sondern als Teamarbeit. Er sagt aber auch eine Menge darüber aus, wie sich sein Beruf im  Laufe der Jahrzehnte verändert hat. Als Kaldemorgen 1982 bei der DWS anfing, galten Fondsmanager noch als Exoten. „Wir haben Pionierarbeit geleistet: Es gab weder ein klar definiertes Berufsbild noch eine Ausbildung. Die Kapitalmarkttheorie steckte damals noch in den Kinderschuhen.“

"Die Kapitalmarkttheorie steckte vor 35 Jahren noch in den Kinderschuhen."

Klaus Kaldemorgen

Die Ersten ihrer Art

Indische Aktien, chinesische Unternehmensanleihen, Derivate – daran war damals noch gar nicht zu denken. Wer wissen wollte, ob der Dollar gerade gefallen oder die D-Mark gestiegen war, musste zum „Ticket-Master“ gehen und sich die Kurse ausdrucken. Im Vergleich zu heute, wo bei Hochfrequenzhändlern Millisekunden über Gewinn oder Verlust entscheiden, bewegten sich die Finanzmärkte sprichwörtlich im Schneckentempo. Mit einem Diplom in Volkswirtschaftslehre von der Universität Mainz in der Tasche und einem Faible für Geldpolitik stieg Kaldemorgen bei der DWS ein. Außer ihm gab es gerade einmal vier weitere Fondsmanager im Unternehmen.
Den Zeitpunkt hätte der gebürtige Essener nicht besser wählen können, denn als der Dow Jones 1982 die 1000-PunkteMarke dauerhaft überwand, begann einer der längsten Aufschwünge am Aktienmarkt. Kaldemorgen, der sich zunächst um Anleihen gekümmert hatte, erkannte die Zeichen der Zeit und wechselte ins Aktienlager. 1991 übernahm er die Leitung des Aktienfondsmanagements.

Leidenschaft Finanzmärkte

Die Jahrtausendwende stellte ihn vor seine bislang härteste Bewährungsprobe: die Dotcom-Blase. Doch mit den beiden Flaggschiff-Fonds DWS Akkumula und DWS Vermögensbildungsfonds I profitierte er zunächst von den rapiden Kursanstiegen und kam verhältnismäßig glimpflich durch den Crash. .
2003 wird Kaldemorgen Geschäftsführer, doch 2011 folgt eine Zäsur: Das DWS-Urgestein gibt seinen Chefposten ab und will sich fortan wieder ausschließlich seiner Leidenschaft widmen – den Finanzmärkten. Wohl auch deswegen, weil die beiden von ihm betreuten Fonds zuvor eher schwach abgeschnitten hatten.  Doch statt langer Ausflüchte sucht Kaldemorgen die Fehler bei sich – und steuert gegen. Dann schlägt er mit dem Deutsche Concept Kaldemorgen ein neues Kapitel als Fondsmanager auf: Er startet einen Total-Return-Fonds und wechselt damit in die Königsklasse. Denn nun kann er das Portfolio völlig frei von Einschränkungen und Benchmarks steuern und auf alle Anlageklassen zurückgreifen. Jetzt kann er die Erfahrung von mehr als drei Jahrzehnten sowohl auf der Renten als auch auf der Aktienseite voll ausspielen. „Ein Multi-Asset-Manager sollte jeden Markt einmal aktiv betreut haben“, sagt Kaldemorgen. „Man  muss verstehen, wie die einzelnen Märkte interagieren. Da kann es helfen, wenn man die Wechselwirkungen über lange Zeit verfolgt hat.“ .
Beispiel Anleihen: Früher galten die Rentenmärkte als Risikopuffer für Aktien. Heute gibt es auch bei den Festverzinslichen keine risikofreie Anlage mehr, glaubt Kaldemorgen.  Stattdessen müsse das Kapital besser gestreut und deutlich flexibler angelegt werden..
Durch die niedrigen Zinsen sind die Preise von Anleihen, Aktien oder auch Immobilien deutlich gestiegen. Kann das auf Dauer so weitergehen? „Es gibt Modelle, bei denen liegt das Kurs-Gewinn-Verhältnis von Aktien in Nullzinsen-Zeiten bei 30 oder 40. Aber diese Ansicht teile ich nicht. Aktien werden von den Gewinnen der Unternehmen geerdet“, sagt Kaldemorgen.

"Ein Multi-Asset-Manager sollte jeden Markt einmal aktiv betreut haben."

Lieblingsmarkt: Aktien

Münden die Nullzinsen also in einen Crash? „Das glaube ich nicht. Vielleicht sind die niedrigen Zinsen nicht nur das Machwerk der Zentralbanken, sondern zeigen auch, dass die Ersparnisse die Investitionen weltweit übersteigen.“ Säkulare Stagnation nennt man dieses Phänomen, das eine Phase mit stagnierendem Wirtschaftswachstum beschreibt..
Doch derart langfristige Prognosen stehen immer auf wackligen Beinen, weiß Kaldemorgen aus Erfahrung. Aber auch für die nähere Zukunft warnt er: „Wenn die Zinsen wieder etwas steigen sollten und wir eine Gegenbewegung auf der Rentenseite sehen, wird das ein Belastungsfaktor für alle Anlageklassen.“ Die Kursverluste träfen besonders Anleihen mit langer Laufzeit, aber auch Aktien und Immobilien. „Wir erwarten keinen schnellen Zinsdreh, aber allein die Diskussion könnte im Jahr 2017 für Gegenwind sorgen.“ Wohl dem, der die Flexibilität besitzt, beispielsweise auf Währungen ausweichen zu können..
Solange die Diskussion um höhere Zinsen aber nicht spürbar aufflammt, bleiben Aktien für ihn die bevorzugte Anlageklasse. „Auch für 2017 rechne ich mit moderatem Wachstum – ein gutes Szenario für Produktivkapital.“ Das gilt auch für den Vergleich mit  Unternehmensanleihen. Die Renditen sind ihm häufig nicht mehr hoch genug für das Risiko. Die Dividendenrenditen in Europa erscheinen deutlich attraktiver, auch weil die Bewertungen noch lange nicht so hoch sind wie in den USA.

Vorbilder und Wegbegleiter

Der Vergleich bestätigt auch eine der Maximen Kaldemorgens: „Gehe nur ein Risiko ein, wenn es sich auch wirklich lohnt.“ Lieber lässt er eine Chance aus, statt zu viele Risiken auf sich zu nehmen. „Meine Kollegen würden mich eher als vorsichtig beschreiben“, sagt er mit seinem typischen Lächeln. Die Wahrheit ist aber auch: Viele seiner Kollegen sehen ihn als Vorbild: bodenständig, glaubwürdig, eine ehrliche Haut. Mittags um zwölf Uhr braucht man ihn nicht an seinem Platz zu suchen. Um diese Zeit sitzt er beinahe jeden Tag in der Kantine – fast immer am selben Tisch, fast immer mit seinen langjährigen Wegbegleitern.

Ein Original, keine Kopie

Ob es auch in 35 Jahren noch Fondsmanager geben wird? „Ja. Allerdings wird sich auch unser Beruf in großem Tempo weiterentwickeln“, sagt Kaldemorgen. Bereits heute sei die Konkurrenz durch computergesteuerte Fonds groß. „Die globalen Aktienmärkte sind wesentlich effizienter geworden. Durch die Flut an verfügbaren Daten kann jeder Profi – und jeder Algorithmus – vermeintliche Unternehmensperlen aufstöbern. Das macht es uns als aktive Fondsmanager extreme schwer, den Vergleichsindex zu schlagen.“ Doch Multi-Asset-Manager wie Kaldemorgen sind im Vorteil: Ihre ganzheitliche Sicht auf die Märkte kann nicht so leicht nachgeahmt  werden. Anders formuliert: Ein Klaus Kaldemorgen last sich nicht kopieren.

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