29. Mai 2019 Aktien

Deutsche Spezialwerte – Chancen abseits des Mainstreams

Anleger, die kleinere Unternehmen außer Acht lassen, vergeben Chancen auf überdurchschnittliche Kursgewinne. Weil Nebenwerte häufig stärker schwanken, ist es sinnvoll, mit Standardwerten eine solide Basis zu bilden.

  • Standardaktien bilden eine solide Basis für jedes Wertpapierdepot. Wer darüber hinaus höhere Renditen anstrebt, kommt an Firmen aus der zweiten und dritten Reihe nicht vorbei.
  • Dort finden sich spezialisierte Unternehmen, die attraktive Nischen besetzen und ein größeres Wachstumspotenzial aufweisen.
  • Fondsmanagern, die ein intensives Aktienresearch betreiben, bieten sich interessante Anlagemöglichkeiten, die der breite Markt noch nicht entdeckt hat.
4 Minuten Lesezeit

Wer sein Geld in deutschen Aktien anlegen will, steht vor der Qual der Wahl. Mehr als 400 Unternehmen an der Frankfurter Börse buhlen um die Gunst der Investoren. Davon hat es knapp die Hälfte in einen der bekannten Indizes Dax (30 Standardwerte), MDax (60 mittelgroße Werte), SDax (70 kleinere Unternehmen) und TecDax (30 größte Technologieunternehmen) geschafft. Entscheidende Kriterien für die Indexzugehörigkeit sind die Marktkapitalisierung und der Handelsumsatz und beim TecDax die Branche.

Klein schlägt groß?

Die größte Aufmerksamkeit erfährt traditionell der Dax, der die weltbekannten deutschen Konzerne beherbergt. Doch müssen sich die Indizes für Small- und Midcaps (kleine und mittlere Aktiengesellschaften) nicht hinter ihrem großen Bruder verstecken. Im Gegenteil: Auf Sicht von drei, fünf und besonders zehn Jahren haben MDax, SDax sowie TecDax in puncto Wertentwicklung den Dax weit hinter sich gelassen.

  TecDax MDax Dax 30 SDax
04.2014 - 04.2015 30,79% 26,33% 19,28% 17,67%
04.2015 - 04.2016 1,18% -1,06% -12,36% 4,36%
04.2016 - 04.2017 28,82% -18,34% -19,29% -17,65%
04.2017 - 04.2018 25,43% 5,49% 1,40% 14,96%
04.2018 - 04.2019 10,89% 0,30% -2,13% -4,23%

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung; Quelle: Bloomberg L.P., DWS International GmbH, Stand 30.04.2019.

Börsennotierte mittelständische Unternehmen mit starkem Einfluss der Gründerfamilien wachsen oft stärker als Großkonzerne mit breiter Kapitalbasis.

Denn in den Nebensegmenten der Börse finden sich vermehrt Unternehmen, die ein überdurchschnittliches Wachstumspotenzial aufweisen. Aufgrund ihrer geringeren Größe können sie sich schneller an neue Markttrends anpassen, und sie sind oftmals Pioniere bei umwälzenden Entwicklungen. Bei vielen Unternehmen handelt es sich zudem um Mittelständler, die zwar ihren Kapitalbedarf über die Börse gedeckt haben, bei denen die Gründerfamilien aber oft aber noch das Sagen haben. Das kann ein großer Vorteil sein: Denn nach einer Studie[1] des Leibniz-Zentrums für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) und des Instituts für Mittelstandsforschung (ifm) der Universität Mannheim wachsen Familienunternehmen dynamischer als große Konzerne, deren Kapital weit gestreut ist.

Großes Wachstumspotenzial

Ein weiterer Charme von Nebenwerten liegt darin, dass einige in ihren Nischen zu Weltmarktführern geworden sind. Gerade in einer der deutschen Vorzeigebranchen, dem Maschinenbau, finden sich viele Beispiele: Unternehmen, die zwar in der Öffentlichkeit kaum bekannt sind, dafür aber in ihrem Marktsegment eine fast unangreifbare Stellung erobert haben. Ihre Produkte sind auch im Ausland rege gefragt. Und wer heute noch ein kleiner, aber innovativer Small Cap ist, kann es in der Zukunft zum Big Player auf dem Weltmarkt schaffen, schließlich fängt jeder einmal klein an.

Auf der anderen Seite sind Nischenanbieter für Anleger riskanter. Die im Gegensatz zu großen Konzernen geringere Diversifizierung macht die Firmen anfälliger, wenn Geschäftsfelder oder Märkte wegbrechen oder Konkurrenten Marktanteile gewinnen.

Chancen können sich ergeben, weil Small- und Midcaps eine geringere Aufmerksamkeit am Kapitalmarkt erfahren. Viele Banken haben aus regulatorischen Gründen ihre Aktienanalysen zurückgefahren oder ganz eingestellt. Und wenn sich weniger Investoren für bestimmte Unternehmen interessieren, lassen sich eher Anlageideen finden, die eine überdurchschnittliche Rendite versprechen.

Der Aufwand für die Schatzsuche abseits des Mainstreams ist groß. Um ein Unternehmen, seine Branche, den Markt und das Wettbewerbsumfeld wirklich zu verstehen und zu beurteilen, beansprucht erhebliche Ressourcen. Hinzu kommt, dass die Informationslage bei zahlreichen Unternehmen oft ziemlich dürftig ist. Gute Voraussetzungen können hier Fonds haben, die über spezialisierte Wertpapieranalysten verfügen und die einen disziplinierten Auswahlprozess verfolgen. Zudem sind langjährige enge Unternehmenskontakte von Vorteil, um die besten Titel zu selektieren. Fondsmanager, die sich mit den Führungsspitzen von Unternehmen treffen, können auch solche Aspekte der Anlage beurteilen, die nicht in Zahlen zu fassen sind. Zum Beispiel, ob das Unternehmensmanagement seiner Aufgabe gewachsen ist, ob die Unternehmensstrategie noch den Marktanforderungen entspricht oder wie nachhaltig ein Unternehmen wirtschaftet.

Trends entdecken, Modeaktien vermeiden

Auch durch frühzeitiges Erkennen von strukturellen Trends und Themen, die Wachstum unabhängig vom Konjunkturzyklus ermöglichen, lassen sich aussichtsreiche Aktien identifizieren. Große Chancen können hier beispielsweise die Bereiche Künstliche Intelligenz, der Biotech- und Medizintechniksektor oder das Internet der Dinge sowie Anwendungen für die Digitalisierung der industriellen Produktion (Industrie 4.0) bieten.

Kleine und mittlere Unternehmen stehen an der Börse häufig im Schatten der großen Standardtitel. Erfahrenen Aktienanalysten können sich dadurch aussichtsreiche Chancen bieten.

Gesucht sind weniger Modeaktien, die kurzfristigen Hypes folgen, als solide aufgestellte Unternehmen, die sich auch langfristig erfolgreich am Markt behaupten.

Dabei geht es nicht darum, einfach nur der neuesten Mode zu folgen. Solche Aktien mögen zwar kurzfristig hohe Kursgewinne versprechen, wie das Beispiel der Internetwerte zur Jahrtausendwende oder später Windkraft und Photovoltaik gezeigt haben. Doch besteht immer die Gefahr, dass die Erfolgsgeschichte jäh endet, wenn die Mode wechselt und die Geschäftsmodelle kritisch hinterfragt werden.

Blick nach vorne wichtig

Ein gutes Fondsmanagement achtet auch darauf, die längerfristigen Anlagechancen von kurzfristigen Hypes abzugrenzen, wählt aber auch nicht einfach einen Ansatz, der sich in erster Linie an Marktindizes orientiert. Sonst läuft man Gefahr, zu stark auf die Gewinner der Vergangenheit zu setzen und neue Chancen zu verpassen. Dennoch gilt auch für Nebenwerte-Aktien, was für alle Aktien gilt: Sie bieten Chancen, sind aber nicht ohne Risiko zu haben. Gerät der gesamte Markt ins Rutschen, kann das auch bei den Kursen von Vorzeigeunternehmen Spuren hinterlassen. Langjährige Erfahrung kann gerade in schwierigeren Marktphasen entscheidende Vorteile bringen.  Das Aktienteam der DWS mit seinen Investmentanalysten, die es im Durchschnitt auf mehr als 16 Jahre Berufserfahrung bringen, hat in der Vergangenheit seine Expertise bei Standardwerten und im Nebenwertewertesegment unter Beweis gestellt. So finden sich die Deutschland-Fonds der DWS bei Performance-Wertentwicklungs-Rankings über verschiedene Laufzeiten regelmäßig unter den Top 10.

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1. https://www.zew.de/de/presse/pressearchiv/familienunternehmen-sorgen-fuer-mehr-beschaeftigung/

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