02. Jul 2019 Aktien

Nebenwerte haben das Zeug zum Hauptdarsteller im Aktiendepot

Kleine und mittlere deutsche Aktiengesellschaften bieten großartige Renditechancen, ist DWS-Fondsmanagerin Valerie Schüler überzeugt.

  • Anleger sollten bei der Aktienauswahl nicht nur Standardwerte aus dem Dax, sondern auch mittlere und kleinere Unternehmen berücksichtigen.
  • Wer aus dem breiten Angebot schöpfen will, muss allerdings aufwändiges Aktienresearch betreiben und die Risiken begrenzen.
  • Aktiv gemanagte Fonds können hier ihre Stärke ausspielen und breit diversifiziert in die aussichtsreichsten Titel investieren.
3 Minuten Lesezeit

Der Fonds DWS German Small/Mid Cap investiert vor allem in Aktien kleinerer und mittlerer deutscher Unternehmen. Welche Vorteile bieten Nebenwerte gegenüber den größeren Standardtiteln?

Wer sich bei der Aktienanlage auf große, deutsche Standardwerte beschränkt, vergibt Renditechancen. Denn er lässt einen beträchtlichen Teil der Wertschöpfung börsennotierter Unternehmen außer Acht. Allerdings gestaltet sich die Aktienauswahl bei Nebenwerten schwieriger. Denn bei kleinen und mittleren Unternehmen ist das Aktienresearch der Investmentbanken meist lückenhaft und Analysten verfügen oft über weniger Erfahrungswerte. Das liegt vor allem daran, dass es deutlich mehr Small- und Mid Caps als Standardwerte gibt. Damit ist die Analyse aufwändiger und es entstehen Informationsdefizite, uns interessante Anlageideen eröffnen können, die andere Marktteilnehmer vielleicht noch nicht entdeckt haben.

Wie gehen Sie bei der Auswahl von Nebenwerten vor? Was sind die Kriterien bei der Anlageentscheidung?

Im Vordergrund steht die Analyse von Fundamentaldaten. Dabei betrachte ich neben diversen Finanzkennzahlen und den allgemeinen Marktaussichten vor allem das Geschäftsmodell der Firmen. Ein entscheidender Faktor bei der Investitionsentscheidung sind regelmäßige Gesprächskontakte mit dem Management der Unternehmen. Dadurch bekomme ich Informationen aus erster Hand und kann veränderte Situationen besser einschätzen. Als einer der größten Vermögensverwalter in Deutschland, hat die DWS einen sehr guten Zugang zu den Unternehmen.

"Informationsdefizite anderer Marktteilnehmer können uns interessante Anlageideen eröffnen."

Valerie Schueler, Fondsmanagerin

Valerie Schueler

Fondsmanagerin

Was macht deutsche Small- und Mid Caps so interessant?

Die Firmen agieren häufig in Nischen, nehmen dort jedoch eine führende Position ein und betreiben ihr Geschäft meistens international. Kleinere Unternehmen haben in der Regel auch ein höheres Wachstumspotenzial. Es ist leichter einen Umsatz von einigen 100 Millionen Euro zu verdoppeln, als einen, der bereits im Milliardenbereich liegt. Oft werden diese Firmen auch von ihren Gründern geleitet, die ihr eigenes Vermögen investiert haben, und die dank flacherer Hierarchien möglicherweise flexibler auf veränderte Rahmenbedingungen reagieren können. Den höheren Wachstumschancen steht aber auch ein höheres Risiko gegenüber. Weil sich die Gewinne von Small- und Mid Caps unter Umständen weniger stabil entwickeln als bei großen und etablierten Unternehmen, können die Aktienkurse entsprechend stärker schwanken.

Wie lassen sich die höheren Risiken eingrenzen?

Diversifizierung ist das A und O bei Nebenwerten. Der DWS German Small/Mid Cap bewegt sich in einem Aktienuniversum, das aus etwa 300 Titeln besteht. In der Regel investiert der Fonds in 50 bis 100 Unternehmen, wodurch wir eine breite Streuung erreichen, die ein einzelner Anleger so normalerweise gar nicht realisieren könnte. Aber man muss sich natürlich klar darüber sein, dass stärkere Kursschwankungen im Nebenwertesegment einfach dazugehören. Das hat auch Vorteile. Denn das bietet häufiger Chancen, günstig bei aussichtsreichen Firmen einzusteigen.

Seit Jahresbeginn hat der DWS German Small/Mid Cap um rund zwei Prozentpunkte besser abgeschnitten als der Vergleichsindex. Auf welche Branchen und Entwicklungen legen Sie derzeit Ihren Schwerpunkt?

Ich lege im Moment einen stärkeren Fokus auf Konsum- und Industriewerte. Genau diese Werte haben zu der guten Performance in diesem Jahr beigetragen. Entscheidend war dabei vor allem die Einzelaktienauswahl. Im Konsumbereich konzentrieren wir uns vor allem auf Geschäftsmodelle, die von der Verschiebung der Nachfrage vom stationären Handel in den Onlinebereich profitieren und damit starkes Wachstum zeigen. Im Industriesektor profitierte der Fonds zuletzt von Unternehmen, die auf starke strukturelle Trends wie E-Mobilität oder Automatisierung setzen und sich damit vom allgemeinen wirtschaftlichen Umfeld abkoppeln können.

"Small- und Mid Caps verfügen allein schon wegen ihrer geringen Größe über höheres Wachstumspotenzial."

Valerie Schueler, Fondsmanagerin

"In Trends zu investieren, erfordert einen langen Atem."

Valerie Schueler, Fondsmanagerin

Welche künftigen Trends sollten Anleger auf dem Schirm haben?

In Trends zu investieren bedeutet, die künftigen Gewinner und Verlierer rechtzeitig zu identifizieren. Das erfordert zunächst einmal einen langen Atem, da sich Trends allmählich entwickeln. Wichtige Trends sind hier sicherlich die Künstliche Intelligenz, das Internet der Dinge, E-Mobilität und die fortschreitende Digitalisierung vieler gesellschaftlicher Bereiche. Eine große Schwierigkeit besteht darin, längerfristig erfolgreiche Unternehmen von den kurzfristigen „gehypten“ zu unterscheiden. Deshalb ist es manchmal vorteilhaft, einen sogenannten „Picks and Shovels“-Ansatz zu verfolgen. Während des Goldrausches in den USA war der Verkauf von Hacken (Picks) und Schaufeln (Shovels) an Goldschürfer aussichtsreicher, als selbst nach Gold zu suchen. Auf die E-Mobilität übertragen hieße das beispielsweise, lieber auf Unternehmen aus der Zulieferkette als auf einen einzelnen Autohersteller zu setzen.

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