07. Mai 2019 Altersvorsorge

Auszahlpläne: 400 Euro extra pro Monat – so klappt's

Erbschaften, Schenkungen, ausgezahlte Lebensversicherungen: Was tun mit dem Geld? Wer es schlau anstellt, kann sich etwas leisten und hat hinterher trotzdem noch Kapital übrig

  • In den kommenden Jahren werden in Deutschland schätzungsweise 400 Milliarden Euro pro Jahr vererbt
  • Fonds-Auszahlpläne ermöglichen regelmäßige Auszahlungen, während das restliche Kapital rentierlich angelegt ist
  • Anleger sollten sich der Risiken bewusst sein
4 Minuten Lesezeit

Es sind imposante Zahlen: In den nächsten acht Jahren werden in Deutschland schätzungsweise 400 Milliarden Euro vererbt und verschenkt – und zwar pro Jahr.[1] Auch eine auslaufende Lebensversicherung kann den Kontostand kräftig in die Höhe katapultieren. Die Versicherungsgesellschaften schütteten zuletzt rund 77 Milliarden Euro im Jahr aus.[2]Die Chancen auf eine kräftige Finanzspritze stehen also momentan ziemlich gut. Und häufig ist sie sogar steuerfrei.

Fragt sich nur: Was tun mit dem Geld? Grundsätzlich ist es eine gute Idee, zunächst die Schulden zu begleichen. Beispielsweise das Eigenheim per Sondertilgung abzubezahlen oder andere Kredite zu tilgen. Das spart Zinszahlungen – und einen ruhigeren Schlaf gibt es obendrein.

400 Milliarden Euro

werden in Deutschland derzeit pro Jahr vererbt und verschenkt.

Konsumieren und Investieren gleichzeitig

Man könnte das Geld auch einfach auf einen Schlag für die schönen Dinge des Lebens ausgeben: die Traumreise, das Ferienhaus am Meer oder ein Coupé. Der einfachste Weg ist, das Kapital auf dem Giro- oder Tagesgeldkonto zu parken und sich nach Bedarf zu bedienen. Aber ist das in der aktuellen Niedrigzinsphase auch der schlaueste? Wohl kaum.

Angenommen, es stehen 100.000 Euro aus einer Erbschaft, einer Schenkung oder einer Lebensversicherung zur Verfügung. Wer jeden Monat 400 Euro davon ausgeben möchte, kann das knapp 21 Jahre lang tun, dann ist alles verbraucht. Es gibt jedoch auch einen Weg, jeden Monat 400 Euro mehr ausgeben zu können und am Ende möglicherweise sogar noch Kapital übrig zu haben.

Auszahlplan kann sich lohnen

Die Lösung lautet Auszahlplan. Das ist im Prinzip ein umgekehrter Fondssparplan, auch Entnahmeplan genannt. Statt kleinere Beträge über einen längeren Zeitraum einzuzahlen, wird das Kapital auf einen Schlag angelegt. Anschließend kann der Sparer peu á peu Geld aus dem Depot entnehmen. Der entscheidende Vorteil liegt darin, dass das restliche Kapital investiert bleibt und wachsen kann – und nicht zum Nullzins auf einem Konto versauert. 

Dieser Unterschied ist nicht zu unterschätzen, wie eine Beispielrechnung des Fondsverbands BVI zeigt (siehe Grafik).[3]

Entnehmen und investiert bleiben

Fonds-Entnahmepläne bieten flexible Möglichkeiten – mit oder ohne Kapitalverzehr. So kann der Sparer das Kapital zum Beispiel stehen lassen und sich nur Erträge wie beispielsweise Zinsen auszahlen lassen. Möglich ist auch, sich das Kapital Schritt für Schritt auszahlen zu lassen. Ebenfalls denkbar:  Eine komplette Auszahlung des angesparten Vermögens. Vorausgesetzt die Annahmen aus dem Beispiel treten ein, könnte sich der Anleger über einen Zeitraum von 25 Jahren Monat für Monat 397 Euro auszahlen lassen. Am Ende würden immer noch 100.000 Euro im Depot liegen.[4]

Kursrisiken im Blick behalten

Das schöne Rechenexempel geht aber nur dann auf, wenn der Fonds eine jährliche Performance von fünf Prozent erzielt. Das funktionierte über solche langen Zeiträume meistens: Global investierende Aktienfonds wiesen in den vergangenen 25 Jahren im Durchschnitt eine Rendite von 6,1 Prozent pro Jahr auf.[5]Im Idealfall hat der Anleger also sogar mehr Geld als vorher im Depot

Klar ist: Eine Garantie dafür gibt es aber nicht. Denn falls die Börsen deutlich und über einen längeren Zeitraum auf Tauchstation gehen, ist die Auszahlung in Gefahr. Wer die monatliche Rate nicht reduziert, braucht das Kapital rascher auf. In solchen Zeiten kann es ratsam sein, die Flexibilität eines Auszahlplans nutzen.

Dieses Risiko kann sich durch die Auswahl des Fonds von vornherein reduzieren lassen. Mischfonds beispielsweise verteilen das Kapital in der Regel auf unterschiedliche Branchen, Regionen und Anlageklassen und legen es dadurch im Vergleich zu reinen Aktienfonds eher defensiv an. Auch eine sinnvolle Kombination mehrerer Fonds ist denkbar.

Generell gilt: Sparer sollten auf das Geld aus dem Auszahlplan möglichst nicht für die Miete oder andere fixe Ausgaben zwingend angewiesen sein, sondern viel mehr dafür, sich etwas Schönes leisten zu können. So lässt sich das investierte Kapital schlau nutzen – im besten Fall über einen langen Zeitraum.

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1. https://www.diw.de/de/diw_01.c.560993.de/themen_nachrichten/in_deutschland_werden_zwischen_2012_und_2027_bis_zu_400_milliarden_euro_pro_jahr_verschenkt_und_vererbt_werden_gut_ein_viertel_mehr_als_bisher_angenommen.html

2. https://www.gdv.de/resource/blob/34084/953b4048365cf01fb254ba9175b0d948/lebensversicherung-in-zahlen-2018-data.pdf

3. https://www.bvi.de/altersvorsorge/fonds-entnahmeplan/

4. https://www.bvi.de/fileadmin/user_upload/Statistik/2018_12_31_SPP_auf_einen_Blick.pdf; Wertentwicklungen der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für zukünftige Wertentwicklungen. Die Wertentwicklung kann dementsprechend niedriger ausfallen als hier angenommen. Auch Verluste sind möglich.

5. https://www.bvi.de/fileadmin/user_upload/Statistik/2019_1_31_WE_auf_einen_Blick.pdf

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