Jetzt denkt offensichtlich selbst die japanische Zentralbank BoJ über eine Normalisierung ihrer Geldpolitik nach. Darauf deuten einige Anmerkungen hin, die Haruhiko Kuroda, Chef der Bank of Japan, Mitte November in einer Rede an der Universität Zürich gab[1].So erinnerte Kuroda etwa an die Risiken, die mit dem erklärten Ziel der BoJ einhergingen, die Rendite zehnjähriger japanischer Staatsanleihen bei Null Prozent zu fixieren.

Noch klarer deutete wenige Tage später ein weiteres führendes Mitglied der japanischen Notenbank, Hitoshi Suzuki, die Möglichkeit eines sanften Kurswechsels bei der Geldpolitik an. Mit ihren Äußerungen reihen sich jetzt auch die Japaner in die Reihe der Notenbanken ein, die sich langsam von ihrer bisherigen expansiven Geldpolitik verabschieden wollen.

US-Leitzinsen im Aufwind

Die US-Notenbank diskutiert schon seit mehr als einem Jahr - mehr oder weniger öffentlich - wann und wie sie ihre Geld- und Zinspolitik normalisieren will. Auch Mitglieder der Europäischen Zentralbank (EZB) haben in den vergangenen Monaten mehrmals klar gemacht, dass die Zeit von Null- und Negativ-Zinsen nicht in Stein gemeißelt ist.

In den Vereinigten Staaten und in Großbritannien haben die Notenbanken ihren Worten bereits Taten folgen lassen und die Leitzinsen erhöht. Die EZB hat sich in dieser Beziehung zwar noch zurück  gehalten. Allerdings hat die EZB zumindest beschlossen, künftig weniger Anleihen am Markt aufzukaufen und somit weniger intensiv auf niedrigere Zinsen hinzuwirken.

Diese Normalisierung der Geldpolitik ist teilweise schon in den Bilanzen der Zentralbanken erkennbar. Pumpen die Zentralbanken weniger Geld in die Märkte, etwa durch Anleihenkäufe, dann schrumpfen auch ihre Bilanzsummen. Die Bilanzsumme der Fed stagniert deshalb bereits seit 2015, bei den anderen großen Notenbanken dürfte sich dieser Effekt im nächsten oder übernächsten Jahr einstellen, prognostizieren die Zins-Experten der Deutschen Asset Management.

Neue Zeiten

2018 dürfte das letzte Jahr mit – wenn auch nur leicht – expandierenden Zentralbankbilanzen werden.

2018 dürfte das letzte Jahr mit – wenn auch nur leicht – expandierenden Zentralbankbilanzen werden.
Quelle: Bloomberg, Deutsche Asset Management; Stand: 04.10.2017

Höhere Zinsen belasten Anleihenkurse

Geldanleger können  eine Normalisierung der Geldpolitik durchaus mit höheren Zinsen übersetzen. Für alle, die heute beispielsweise amerikanische Staatsanleihen besitzen, ist das keine allzu schöne Perspektive. Steigende Zinsen führen bei Anleihen zu rückläufigen Kursen. Besonders bei Anleihen mit Renditen nahe der Null-Linie können sich die Zinserträge eines oder mehrerer Jahre durch Kursrückgänge rasch in Luft auflösen. „Vor diesem Hintergrund verspüren wir wenig Appetit auf ultralange Staatsanleihen der Industrieländer“, gesteht denn auch Jörn Wasmund, Head of Fixed Income/Cash bei der Deutschen Asset Management.

Doch der Anleihen-Experte weiß auch: Noch besteht kein Anlass zum Trübsal blasen. Zum Einem stecken die meisten Rentenmärkte die Zeitlupen-Zinswende bisher gut weg. Nach Einschätzung der Deutschen Asset Management dürften die langfristigen Zinsen auf Jahressicht auch nur leicht steigen, was mögliche Kursverluste begrenzen sollte.

Schwellenländer-Anleihen haben gute Perspektiven

Zum Anderem finden sich im großen Anleihenuniversum noch immer viele attraktive Investment-Gelegenheiten. Zu Wasmunds Favoriten zählen Anleihen aus den Schwellenländern. Diese locken nicht nur mit deutlich höheren Zinsen als Anleihen der Industrienationen.

Schwellenländer-Anleihen profitieren zudem von Strukturreformen in ihren Ländern. „Mehrere asiatische und lateinamerikanische Länder verfolgen eine Politik fiskalischer Disziplin, freier Wechselkurse und Strukturreformen, um wirtschaftliche oder externe Schocks besser abzufangen“, berichtet Wasmund.

Viele Länder würden darüber hinaus jetzt ein positives Wirtschaftswachstum ohne hohe Inflation aufweisen. „Das lässt den Zentralbanken geldpolitischen Spielraum“, folgert Wasmund. Allerdings sollten sich Anleger bewusst sein, dass es die höheren Zinsen der Schwellenländeranleihen nicht ohne Risiko gibt.

Beeindruckende Entwicklung

Staatsanleihen der Schwellenländer haben sich in den letzten 20 Jahren besser entwickelt als Aktien und US-Hochzinsanleihen.

Staatsanleihen der Schwellenländer haben sich in den letzten 20 Jahren besser entwickelt als Aktien und US-Hochzinsanleihen.
Quelle: Bloomberg; Stand: 04.10.2017

Möglicherweise könnte den Schwellenländeranleihen durch die straffere Geldpolitik in den Industrieländern Ungemach drohen, gibt der Marktkenner zu bedenken. So seien 2013 die Schwellenländer-Papiere angesichts der bloßen Erwartung, dass die US-Fed ihr Anleihekaufprogramm kürzen könnte, heftig unter die Räder gekommen.

Schwellenländeranleihen profitieren von mehreren Faktoren

Die Teilnehmer an den Finanzmärkten seien derzeit allerdings augenscheinlich nicht allzu beunruhigt. „Vorerst sollte es wenig Grund zur Sorge geben“, urteilt denn auch Wasmund. Stabilere Rohstoffpreise, solides globales Wachstum und der schwächere Dollar brächten Ländern wie Brasilien und Russland einen unerwartet schnellen Aufschwung. Auch Chinas Konjunkturdaten stimmten optimistisch.

Mit dem Rentenfonds DWS Emerging Markets Bonds (Short) können Anleger in Anleihen der Schwellenländer investieren. Der Fonds investiert vor allem in Anleihen mit Restlaufzeiten von weniger als fünf Jahren. Im Schnitt soll die Duration des Fondsvermögens weniger als drei Jahre betragen. Währungsrisiken werden weitgehend ausgeschaltet, da die Anleihen im Fonds entweder in Euro notieren und Fremdwährungen abgesichert werden.

Finden Sie hier den passenden Fonds

1. https://www.boj.or.jp/en/announcements/press/koen_2017/data/ko171114a1.pdf

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