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Al­ters­vor­sorge für Selbst­ständige

Altersvorsorge

16.07.2026

Selbstständige gehen unternehmerische Risiken und tragen wesentlich zum Erfolg einer Wirtschaft bei. Bei der eigenen Altersvorsorge sollten sie die Risiken allerdings möglichst geringhalten.

Symbolbild zur Altersvorsorge für Selbstständige: Person prüft Finanzinformationen auf einem mobilen Gerät

In Kürze

  • Rund 71 Prozent der Selbstständigen in Deutschland sind nicht verpflichtend abgesichert.¹
  • Ehemals Selbstständige beziehen häufiger Grundsicherung im Alter als Beschäftigte.²
  • Die Mehrheit sorgt vor – aber sehr unterschiedlich und mit großen Lücken.
  • Die subjektive Unsicherheit ist hoch: Nur rund 46 Prozent halten ihre Vorsorge für ausreichend.¹
  • Mit dem Altersvorsorgedepot, das 2027 startet, haben Selbstständige eine zusätzliche, vom Staat geförderte flexible Option zur Altersvorsorge.⁶

Fakten, Risiken und Vorsorge-Optionen für Selbstständige

Selbstständige sind in Deutschland meist nicht automatisch in ein verpflichtendes Alterssicherungssystem eingebunden und müssen ihre Altersvorsorge eigenständig organisieren. Statistiken der Deutschen Rentenversicherung Bund zeigen, dass ein Teil der Selbstständigen unzureichend abgesichert ist oder nur geringe Ansprüche aufbaut, insbesondere bei niedrigen Einkommen.[1] Während abhängig Beschäftigte automatisch Rentenansprüche erwerben, hängt die Absicherung bei Selbstständigen stark von individuellen Entscheidungen ab.

1. Wie viele Selbstständige sind abgesichert?

2024 waren rund 3,5 Millionen Menschen selbstständig tätig.[1]

  • 29 Prozent sind verpflichtend abgesichert.
  • 71 Prozent gehören keinem Regelsystem wie der gesetzlichen Rentenversicherung oder verpflichtenden berufsständischen Versorgungen an.

Quellen: Destatis (2026), Mikrozensus; SVLFG (2025); BSV (2025), Statistiken der Kammern; DRV Bund (2026)

2. Haben Selbstständige ein höheres Risiko für Altersarmut?

Ja, im Durchschnitt ist das Risiko erhöht, zeigen Zahlen der Deutschen Rentenversicherung Bund.

  • 4,4 Prozent der ehemals Selbstständigen über 65 Jahren beziehen Grundsicherung.
  • Bei ehemals Beschäftigten sind es etwa zwei Prozent.

Zudem ist die Armutsgefährdungsquote höher als im Durchschnitt aller Erwerbstätigen.[2]

“Wer selbstständig ist, trägt auch in der Altersvorsorge mehr Verantwortung – entscheidend ist früh und regelmäßig zu sparen sowie auch die Chancen des Kapitalmarkts zu nutzen.”

Profilbild von Björn Deyer

Björn Deyer

Leiter Vorsorge und Versicherungen bei der DWS, verfügt über mehr als zwei Jahrzehnte Erfahrung in den Bereichen Altersvorsorge, Versicherungslösungen und kapitalmarktbasierten Vorsorgelösungen. Vorsitzender beim Fondsverband BVI des Ausschusses Altersvorsorge.

Profilbild von Björn Deyer

Hinweis:
Aktien bieten langfristig attraktive Renditechancen, unterliegen jedoch Kursschwankungen und können zeitweise erhebliche Wertverluste verzeichnen.

3. Wie viel sollten Selbstständige zurücklegen?

Das ist sehr individuell. Eine Studie des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW zeigt: Selbstständige investieren im Durchschnitt mehr als 20 Prozent ihres Nettoeinkommens in Altersvorsorge.[3] 

Entscheidend sind individuelle Faktoren:

  • Einkommen,
  • bestehende Ansprüche (z. B. gesetzliche Rente),
  • gewünschter Lebensstandard im Alter.

4. Welche Vorsorgeformen nutzen Selbstständige?

Selbstständige setzen meist auf mehrere Bausteine. In der Regel werden eine breite Streuung über verschiedene Anlageformen – klassische Versicherungen, Kapitalmarktprodukte und reale Vermögenswerte werden kombiniert, zeigen Erhebungen des Wirtschaftsforschungsinstituts DIW.[4]

  • Wertpapiere: 46 Prozent
  • Private Rentenverträge: 46 Prozent
  • Immobilien: 45 Prozent
  • Gesetzliche Rentenversicherung: 39 Prozent
  • Rürup-/Basisrente: 19 Prozent 

5. Welche Rolle spielt Flexibilität für Selbstständige bei der Altersvorsorge?


Flexible Lösungen dominieren, da sie sich besser an schwankende Einkommen anpassen lassen. Rund 82 Prozent der Selbstständigen nutzen mindestens ein flexibles Vorsorgeinstrument. Möglicher Nachteil: Dies kann dazu führen, dass die Vorsorge unregelmäßig erfolgt.

Quelle: DIW Berlin, Wochenbericht 12, 2026


Einordnung:
Flexibilität ist zentral, kann aber auch dazu führen, dass Vorsorge unregelmäßig erfolgt.

6. Was sind die größten Herausforderungen für Selbstständige bei der Altersvorsorge?

Die wichtigsten strukturellen Risiken sind:

  • Unregelmäßige Einkommen
  • Fehlende Pflichtabsicherung
  • Lückenhafte Erwerbsbiografien
  • Komplexe Produkte

Einordnung:
Diese Faktoren erschweren eine kontinuierliche Vorsorge.

7. Fühlen sich Selbstständige ausreichend abgesichert?

Die Einschätzung fällt laut dem Wirtschaftsforschungsinstitut ifo[5] gemischt aus:

  • 46 Prozent halten ihre Vorsorge für ausreichend
  • rund ein Drittel erwartet Einschränkungen im Alter

Quelle: ifo institut, ifo Schnelldienst digital, Soloselbstständige und Kleinstunternehmende: Gut abgesichert im Alter? Ausgabe 12/2025, 19. August

8. Was ändert die Einführung des Altersvorsorgedepots im Jahr 2027?

Die Altersvorsorgereform, die zum 1. Januar 2027 in Kraft tritt, bringt für Selbstständige eine flächendeckende, staatlich geförderte Altersvorsorge.

Wichtige Eckpunkte des Altersvorsorgedepots (ab 2027)[6]:

  • Förderung auch für Selbstständige
  • Bis zu 540 Euro Grundzulage jährlich
  • Zusätzliche Kinderzulagen
  • Kostenbegrenzung von 1 Prozent pro Jahr beim Standardprodukt 

9. Was raten unabhängige Experten zur Altersvorsorge für Selbstständige?

Unabhängige Empfehlungen wie zum Beispiel die Verbraucherzentralen empfehlen:

  • früh beginnen
  • Bedarf und Rentenlücke berechnen
  • Produkte nach Kosten, Flexibilität und Transparenz auswählen
  • mehrere Vorsorgebausteine kombinieren
  • bei Bedarf unabhängige Beratung nutzen

    Einordnung:
    Es gibt keine „Standardlösung“ – entscheidend ist eine individuell angepasste Strategie.

Fragen und Antworten

Weit­er­führende In­form­a­tion­en