Wichtiger Sicherheitshinweis: Warnung vor Betrugsversuchen im Namen der DWS
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21.09.2026
Essential Materials halten Wirtschaft und technischen Fortschritt am Laufen. Doch immer mehr Wachstumsbranchen konkurrieren um dieselben Rohstoffe – während das Angebot nur langsam wächst.
Das Wichtigste in Kürze:
53 Kilo Kupfer, 40 Kilo Nickel, 9 Kilo Lithium, 13 Kilogramm Kobalt, 0,5 Kilogramm Seltene Erden: Ein typisches Elektroauto benötigt eine ganze Reihe zentraler Essential Materials.[1] Doch auch Stromnetze, Batteriespeicher, KI-Rechenzentren, Verteidigungssysteme und Satelliten kommen ohne diese strategisch wichtigen Rohstoffe nicht aus. Weil immer mehr Wachstumsfelder um dieselben Materialien konkurrieren, das Angebot jedoch nur langsam wächst, könnten Essential Materials zum Engpass des nächsten Industriezyklus werden.
Wie groß der Rohstoffbedarf ausfällt, zeigt die Energiewende. Strom aus Wind und Sonne muss erzeugt, transportiert und gespeichert werden. Dafür braucht es Kupfer für Kabel und Infrastruktur, Aluminium für Leitungen und Bauteile sowie Lithium und Nickel für Batterien. Hinzu kommt: Neue Technologien sind oft deutlich rohstoffintensiver als ihre konventionellen Alternativen. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur benötigt ein Onshore-Windpark je Einheit Erzeugungskapazität rund neunmal mehr mineralische Rohstoffe als ein vergleichbares Gaskraftwerk. Auch die Elektrifizierung erhöht den Rohstoffbedarf: Autos, Heizungen und Industrieprozesse stellen auf Strom um. Dafür müssen Netze, Ladepunkte und Speicher ausgebaut werden.
Quelle: IEA (2022): World Energy Outlook Special Report: The Role of Critical Minerals in Clean Energy Transitions. Hinweise: kg = Kilogramm. Die Werte für Fahrzeuge beziehen sich auf das gesamte Fahrzeug einschließlich Batterien, Motoren und Karosserie. Die Rohstoffintensität eines Elektroautos basiert auf einer 75-kWh-Batterie mit einer NMC-622-Kathode (Nickel-Mangan-Kobalt) und einer graphitbasierten Anode. Der tatsächliche Verbrauch kann je nach Projekt variieren, unter anderem in Abhängigkeit von der gewählten Technologie, der Projektgröße und den Installationsbedingungen.
Ein weiterer Rohstofftreiber wächst mit der Künstlichen Intelligenz. Weltweit entstehen immer größere Rechenzentren – mit gewaltigem Energie- und Materialbedarf. Nach Angaben der Internationalen Energieagentur könnten die größten angekündigten Projekte eine Leistung von rund 5.000 Megawatt erreichen.[2] Das entspräche etwa fünf großen Kernkraftwerksblöcken oder dem Stromverbrauch von rund fünf Millionen Haushalten.[3] Für Stromversorgung, Netzanschlüsse und Kühlsysteme ist vor allem Kupfer unverzichtbar. Der Kupferbedarf KI-getriebener Rechenzentren könnte 2028 auf 570.000 Tonnen pro Jahr steigen.
Neben Energiewende und Künstlicher Intelligenz könnte auch die veränderte Sicherheitslage die Rohstoffnachfrage erhöhen. Auf ihrem Gipfel 2025 vereinbarten die NATO-Mitgliedstaaten, bis 2035 jährlich fünf Prozent ihrer Wirtschaftsleistung für Verteidigung und Sicherheit aufzuwenden – unter anderem für Ausrüstung und Infrastruktur. Damit könnte auch der Bedarf an Metallen deutlich steigen: Bis 2030 könnte der Verteidigungssektor der europäischen NATO-Staaten rund 510.000 Tonnen Kupfer und 400.000 Tonnen Aluminium benötigen, etwa doppelt so viel wie 2024.[4] Doch moderne Sicherheitspolitik endet nicht am Boden. Kommunikation, Navigation und Aufklärung verlagern sich zunehmend in den Weltraum – und mit ihnen der Rohstoffbedarf.
Damit könnte auch jenseits der Erdatmosphäre der Bedarf an Essential Materials wachsen. Die globale Weltraumwirtschaft könnte von rund 630 Milliarden US-Dollar im Jahr 2023 auf 1,8 Billionen US-Dollar bis 2035 zulegen.[5] Treiber könnten Satellitennetze für Kommunikation und Navigation, neue KI-gestützte Dienste sowie staatliche Programme für technologische Eigenständigkeit sein. Auch hier bilden Rohstoffe die technische Grundlage: Aluminium hält Raumfahrzeuge leicht, Kupfer leitet Strom und Wärme, Seltene Erden ermöglichen leistungsstarke Magnete.
Während sich die Nachfrage beschleunigt, kommt das Angebot kaum nach. Denn neue Minen entstehen nicht auf Knopfdruck: Von der Entdeckung eines Vorkommens bis zur Produktion vergehen im Durchschnitt rund 18 Jahre. In den USA sind es sogar rund 29 Jahre.[5] Genehmigungen dauern, große Minenprojekte kosten oft Milliarden. Hinzu kommt, dass jahrelang zu wenig in neue Förderkapazitäten investiert wurde. Zwischen 2012 und 2020 halbierten sich die weltweiten Investitionen der Bergbauindustrie nahezu.[6] Zugleich sinkt die Qualität vieler Ressourcen: Hochwertige Lagerstätten werden seltener und die Konzentration im Erdreich nimmt ab. Für dieselbe Menge Kupfer muss heute deutlich mehr Gestein bewegt werden, was Aufwand und Kosten erhöht. Ohne zusätzliche Minen könnte bei Kupfer bis 2035 eine Angebotslücke von rund 30 Prozent entstehen.[7]
Doch neben der möglichen Knappheit zählt ein weiterer Faktor: Wer kontrolliert die Lieferketten? Bei Graphit und Seltenen Erden entfallen rund 85 bis 95 Prozent der globalen Raffinierung beziehungsweise Weiterverarbeitung auf China.[8] Für rohstoffabhängige Volkswirtschaften wird die Sicherung der Versorgung damit zur strategischen Aufgabe.
China nimmt in vielen Rohstoffketten eine Schlüsselrolle ein. Das Land kontrolliert nicht nur große Teile der Förderung, sondern vor allem die Raffinierung und Weiterverarbeitung zahlreicher strategischer Materialien. Damit kann China über Exportlizenzen, Handelsbeschränkungen oder die bevorzugte Versorgung des eigenen Marktes erheblichen Einfluss auf Verfügbarkeit und Preise ausüben. Für Abnehmer außerhalb Chinas steigt dadurch das Risiko von Lieferunterbrechungen, längeren Vorlaufzeiten und deutlichen Preisunterschieden zwischen dem chinesischen Binnenmarkt und anderen Regionen.
Für Anleger kommen damit zusätzliche politische, regulatorische und governancebezogene Risiken hinzu. Chinesische Rohstoffunternehmen können stärker von staatlichen Zielen, Kapitalverkehrskontrollen, Sanktionen oder geopolitischen Konflikten beeinflusst werden. Zugleich kann der politische Wunsch westlicher Staaten nach unabhängigen Lieferketten Unternehmen außerhalb chinesischer Kontrolle strukturell begünstigen. Besonders interessant können daher Produzenten und Verarbeiter sein, deren Vermögenswerte, Eigentümerstruktur und Absatzwege nicht von China kontrolliert sind. Sie könnten von staatlicher Förderung, langfristigen Abnahmeverträgen und höheren Preisen für gesicherte Lieferungen profitieren.
Hinweise: DRK = Demokratische Republik Kongo. Die Angaben zu Graphit basieren auf batterietauglichem Material, einschließlich sphärischem und synthetischem Graphit. Die Angaben zu Seltenen Erden beziehen sich ausschließlich auf Magnet‑Seltene‑Erden. Die Grafik zeigt den Anteil der drei größten Produzentenländer je Jahr. Quelle: IEA (2025): Global Critical Minerals Outlook 2025.
Mit dem Critical Raw Materials Act will die Europäische Union Förderung, Verarbeitung und Recycling stärker in Europa verankern und ihre Lieferquellen breiter aufstellen. Bis 2030 sollen die EU-Kapazitäten mindestens 10 Prozent des jährlichen Bedarfs an strategischen Rohstoffen durch Förderung, 40 Prozent durch Verarbeitung und 25 Prozent durch Recycling abdecken. In keinem relevanten Verarbeitungsstadium sollen mehr als 65 Prozent des jährlichen Bedarfs an einem strategischen Rohstoff aus einem einzigen Nicht-EU-Land stammen.[9]
Auch die USA fördern strategische Lieferketten mit öffentlichen Investitionen und neuen Rohstoffpartnerschaften. Die Richtung ist klar: Rohstoffpolitik wird Industriepolitik. Ihr Ziel: weniger Abhängigkeit, mehr Versorgungssicherheit.
Aktien von Bergbauunternehmen bieten eine Möglichkeit, an den langfristigen Wachstumsperspektiven von Essential Materials teilzuhaben. Besonders Produzenten mit bestehenden, kostengünstigen Minen könnten profitieren, wenn die Nachfrage schneller wächst als das Angebot. Doch ein gefragter Rohstoff allein macht noch kein gutes Investment.
Entscheidend sind starke Bilanzen, erfahrenes Management, hochwertige Vorkommen und niedrige Förderkosten. Denn Genehmigungen, Finanzierung, Infrastruktur sowie politische und ökologische Risiken können Projekte verzögern oder stoppen.
Diversifikation ist auf zwei Ebenen wichtig. Innerhalb des Rohstoffsegments kann eine breite Streuung über Materialien, Regionen und Geschäftsmodelle die Risiken einzelner Minen, Länder oder Rohstoffmärkte begrenzen. Zugleich können Bergbauaktien ein bereits breit diversifiziertes Portfolio ergänzen: Sie sind in klassischen Aktienindizes oft nur gering vertreten und folgen häufig anderen Zyklen als viele Wachstumswerte. Das kann zusätzliche Diversifikation schaffen, schützt jedoch nicht vor Verlusten.
Immer mehr Wachstumsfelder konkurrieren um dieselben Essential Materials. Während Energiewende, Künstliche Intelligenz, Verteidigung und Raumfahrt die Nachfrage langfristig antreiben, kann das Angebot nur langsam reagieren. Dieses strukturelle Ungleichgewicht könnte Chancen für Anleger eröffnen – vorausgesetzt, sie wählen Unternehmen mit hochwertigen Vorkommen, niedrigen Förderkosten und soliden Bilanzen. Anleger sollten dennoch im Blick behalten, dass Rohstoffpreise stark schwanken können und Bergbauunternehmen mit operativen, politischen und regulatorischen Risiken konfrontiert sind.