12. Jan 2020 Aktien

Ein frohes neues Aktienjahr 2020?

Was folgt auf das sehr gute Aktienjahr 2019? Die Chancen stehen gut, dass es auch 2020 weiter aufwärts geht, wenn auch nicht so stark wie im Vorjahr.

  • 2019 war ein hervorragendes Aktienjahr. In den USA markierten die Leitindizes an der Börse neue Höchststände.
  • Die anhaltend niedrigen Zinsen und moderat steigende Gewinne sprechen dafür, dass die Aktienkurse weiter Auftrieb erfahren könnten. So gut wie im Vorjahr dürften die Märkte 2020 allerdings wohl nicht laufen.
  • Ein Wermutstropfen bleiben die hohe Bewertung an einigen Börsen und die schwer zu kalkulierenden Risiken in Bezug auf den Handelsstreit.
5 Minuten Lesezeit

Der Silvestertag 2019 brachte schließlich den Rekord. Zehn Jahre, neun Monate und 22 Tage: Der längste ununterbrochene Aktienaufschwung in der Geschichte[1] der US-Börse war vollendet. Er hat dem marktführenden S&P-500-Index bis Dezember vergangenen Jahres in dieser langen Aufschwungsphase, in der der S&P 500 nie mehr als 20 Prozent verloren hat, Gewinne von annähernd 400 Prozent beschert.

Besonders erfreulich dabei: Das Aktienjahr 2019 wird als eines der besten in diese Rekordfahrt eingehen. Der marktbreite US-Index S&P 500 legte um 31,5 Prozent zu, und übertraf dabei alte Höchststände. Auch in anderen Regionen zogen die Aktienkurse an, ebenfalls teilweise zweistellig, wie beim Dax, der 2019 um 25,5 Prozent an Wert zulegte.

Ein glänzendes Jahr für Aktionäre

Wertentwicklung der Aktienindizes in den vergangenen fünf Jahren in 12-Monats-Perioden. Angaben in Lokalwährung, MSCI EM in Dollar

12/18 – 12/19

12/17 – 12/18

12/16 – 12/17

12/15 – 12/16

12/14 – 12/15

Deutschland / Dax

25,5 %

–18,3 %

12,5 %

6,9 %

9,6 %

Eurozone / Euro Stoxx 50

29,4 %

–11,3 %

9,9 %

4,8 %

 7,3 %

Schwellenländer / MSCI EM

18,4 %

–14,6 %

37,3 %

11,2 %

–14,9 %

Japan / MSCI Japan

19,6 %

–12,9 %

24,0 %

2,4 %

9,6 %

USA / S&P 500

31,5 %

–4,4 %

21,8 %

12,0 %

1,4 %

Legende: Prozentuale Wertentwicklung verschiedener Anlagen in den vergangenen fünf Jahren

Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung.

Quelle: DWS International GmbH, Stand: 31.12.2019.

Dabei war 2019 beileibe kein Selbstläufer, denn die Märkte hatten zunächst mit ordentlichem Gegenwind zu kämpfen. Die Handelskonflikte der USA mit Europa und China drohten zu eskalieren. Das globale Wirtschaftswachstum schwächte sich ab. Und die Notenbanken gingen zunächst dazu über, ihre extrem lockere Geldpolitik zu straffen. Zu allem Überfluss sorgte das Gezerre um den EU-Austritt Großbritanniens, immer wieder für Kursdämpfer.

Nachlassendes Wirtschaftswachstum, die Notenbanken auf der Bremse und der Brexit sorgten 2019 für Gegenwind.

Abflauende Rezessionsängste gaben Aktien 2019 Auftrieb

Die kritische Einschätzung vieler Investoren zu Jahresbeginn 2019 erwies sich indes als zu pessimistisch. Entspannungssignale bei den Handelskonflikten nährten schließlich die Hoffnung, dass deren lähmende Wirkung auf die globale Konjunktur abflauen könnte. Hilfreich war zudem, dass die großen Notenbanken eine Rolle rückwärts vollzogen und der Wirtschaft zur Ankurbelung des Wachstums wieder mehr Liquidität zuführten. In der Folge sanken die Anleihezinsen in Europa und den USA auf extreme Tiefstände. Schon im August waren die Ängste um eine mögliche Rezession in den Hintergrund gerückt und die Aktienmärkte starteten durch, um 2019 auf oder nahe Jahreshoch zu beenden.

Nicht zuletzt Gold erwies sich 2019 als Renditebringer. Das Edelmetall war im Jahresverlauf gefragt – nicht nur wegen der niedrigen oder gar negativen Zinsen, sondern auch als sicherer Hafen vor der unruhigen handels- und geopolitischen Kulisse. Auf Dollarbasis verteuerte sich Gold um 19 Prozent und erreichte den höchsten Wert seit 2013 – während die US-Währung selbst 2019 so schwankungsarm wie lange nicht mehr in einem engen Korridor zwischen 1,09 und 1,15 Euro pendelte.

2020 Keine Exzesse an den Märkten erwartet

Was ist für 2020 zu erwarten? Die DWS blickt in ihrem Basisszenario vorsichtig optimistischen Blick in die Zukunft:  Die Notenbanken in den USA und in der Eurozone dürften ihre lockere Geldpolitik beibehalten, die politischen Unsicherheiten abnehmen und die Unternehmensgewinne moderat steigen.

Zudem seien derzeit keine Exzesse erkennbar, die zu einem Einbruch der Wirtschaft und der Märkte führen würden. Ein wesentlicher Risikofaktor bleiben allerdings die Handelskonflikte und politische Eskalationen wie jüngst der Konflikt zwischen den USA und dem Iran. Schon ein Tweet von US-Präsident Donald Trump könnte hier reichen, um die relative Ruhe schlagartig zu beenden und die Märkte auf Talfahrt zu schicken.“

Die Grundlage dieser Markteinschätzung bildet die Prognose der DWS, dass sich die globale Wirtschaft nicht weiter abschwächt und 2020 wie im Vorjahr um 3,1 Prozent wachsen wird, allerdings mit großen regionalen Unterschieden. So dürfte das Bruttoinlandsprodukt in den USA nur noch mit 1,6 Prozent – nach 2,2 Prozent im Vorjahr – zulegen, unterstützt vor allem von einem soliden Dienstleistungssektor. Als Kursziel für den S&P 500 per Ende 2020 gibt die DWS 3.300 Punkte aus.

Bei einem geordneten Brexit könnten die europäischen Exporte positiv überraschen.

In Euroland sollten sich demgegenüber die Konsumenten als tragende Säule erweisen, so dass nur mit einer geringen Wachstumsabschwächung auf 0,9 Prozent – nach 1,1 Prozent im Vorjahr – zu rechnen ist. „Viel wird davon abhängen, wie gut die Umsetzung des Brexit-Prozesses laufen wird. In diesem Fall könnten die Exporte positiv überraschen. Dem Euro Stoxx 50 traut die DWS per Jahresende ein einen Anstieg auf 3.770 Punkte zu. Für den Dax erwartet sie Ende 2020 ein leichtes Plus auf 14.000 Punkten.

Schwellenländer werden als Wachstumsmotor fungieren

Stärkere Impulse für die Weltwirtschaft dürften in diesem Jahr die Schwellenländer setzen, die inzwischen einen Anteil von 60 Prozent an der globalen Wirtschaftsleistung haben. Dort sollte trotz einer leichten Abschwächung in China das Wirtschaftswachstum auf 4,4 Prozent – nach 4,2 Prozent – anziehen. Das überdurchschnittliche Gewinnwachstum und die moderaten Bewertungen könnten sich dann in steigenden Kursen übersetzen. Risiken könnten indessen von einem aufflammenden Handelskonflikt sowie von den anhaltenden Protesten in Hongkong ausgehen. Das Kursziel der DWS für den Schwellenländerindex MSCI Emerging Markets liegt bei 1.120 Punkten.

Anlagealternativen zu Aktieninvestments dürften 2020 eher rar bleiben. Die Renditen am Anleihemarkt dürften noch längere Zeit im Keller verharren. Allenfalls sind von Unternehmensanleihen noch auskömmliche Erträge zu erwarten. Auch beim Dollargeht die DWS davon aus, dass die Seitwärtsbewegung anhält und prognostiziert einen Wechselkurs von 1,15 Dollar je Euro.

Als Fazit bleibt: Auch wenn es die Aktienmärkte 2020 vermutlich langsamer angehen lassen werden, stehen die Börsenampeln unverändert auf Grün. Am meisten Potenzial dürften die Schwellenländer und Europa haben. Mit einem ausgeglichenen Investmentansatz, der sowohl Substanzaktien als auch Wachstumstitel umfasst, sollten Anleger gute Renditechancen haben.

Anleger sollten auf eine ausgeglichene Mischung aus Substanzaktien und Wachstumstiteln setzen.

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1. Quelle: https://www.cnbc.com/2019/11/14/the-markets-10-year-run-became-the-best-bull-market-ever-this-month.html; in diesem Zeitraum hat der S&P 500 nie mehr als 20 Prozent eingebüßt.

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