03. Sep 2019 Nachhaltigkeit

Die Rückkehr der Plastikmöbel

Zahlreiche Unternehmen tragen mit cleveren Ideen zur Lösung des globalen Müllproblems bei – etwa, indem sie Plastikabfälle zu Möbeln verarbeiten. Wie auch Anleger davon profitieren können.

  • Die Belastung der Umwelt durch Plastikabfälle steigt weiter.
  • Politik und Unternehmen halten zunehmend mit innovativen Konzepten dagegen.
  • Von dieser Entwicklung können auch Anleger profitieren.
3 Minuten Lesezeit

2050

könnte es gemessen am Gewicht mehr Plastikmüll als Fische in den Weltmeeren geben.

Eine Kreditkarte zum sonntäglichen Frühstück – ein absurder Gedanke? Nicht ganz. Eine aktuelle Untersuchung der University of Newcastle in Australien zeigt, dass Menschen im Schnitt pro Woche fünf Gramm Mikroplastik zu sich nehmen.[1] Das entspricht dem Gewicht einer Kreditkarte. Kein Wunder – pro Jahr landen weltweit geschätzt acht Millionen Tonnen Kunststoff im Meer, von Fischernetzen bis Verpackungsfolien.[2] Rechnerisch ist das eine Containerladung pro Minute.[3] Sonnenlicht und Wellen zerlegen den Plastikabfall so lange, bis nur noch kleinste Partikel übrig sind. Dieses Mikroplastik gelangt dann langfristig auch in die menschliche Nahrung.[4]

Kampf dem Plastikmüll

Doch es tut sich was. Gesellschaftlich zum Beispiel: Unter dem 2016 ins Leben gerufenen Hashtag #breakfreefromplastic tummeln sich weltweit gut 1500 Organisationen mit dem gemeinsamen Ziel, den Plastikmüll zu reduzieren. Aber auch die Politik setzt Zeichen: Die EU will Plastikteller und -besteck ab 2021 verbieten. Vier Jahre später peilt Chinas Provinz Hainan ein Verbot von Einwegplastik an.[5] Auch in Firmen wird umgedacht. Das niederländische Unternehmen Plastic Whale etwa fischt Plastikmüll, vor allem PET-Flaschen, aus den Grachten und verarbeitet sie zu Schreibtischen oder Stühlen. Die 70er-Jahre, in denen Plastikmöbel en vogue waren, lassen grüßen. Die Möbelstücke tragen maritime Namen wie die Lampe „Seepocke“ oder der „Wal-Tisch“.

Das Ganze funktioniert auch eine Nummer größer: Adidas beispielsweise kooperiert mit der Organisation Parley for the Oceans. Parley sammelt Plastik aus dem Meer, Adidas macht Sportschuhe daraus. Der Plan des Sportartikelherstellers: Bis 2024 soll nur noch wiederverwertetes Plastik in Laufschuhen und Kleidung verwendet werden.[6] Bei Aldi Süd wiederum will man den Müll von vornherein reduzieren, indem alle Verpackungen der Eigenmarken des Discounters ab 2022 recyclingfähig sein sollen – weltweit werden bislang nur neun Prozent des Plastiks aufbereitet.[7] Und der Verbrauchsgüterkonzern Unilever hat zuletzt in Deutschland eine Reihe Haushaltspflegemittel auf den Markt gebracht, deren Flaschen allein aus aufbereitetem Kunststoff bestehen.[8]

Saubere Sache, saubere Zahlen

Nicht nur Umweltschützer und Konsumenten verfolgen diese Entwicklung, auch professionelle Anleger wie DWS-Fondsmanager Paul Buchwitz interessieren sich für den Umgang mit dem Thema Plastik. Aus gutem Grund: Wer umdenkt und nachhaltig agiert[9], punktet bei den Kunden und ist damit auch für Investoren einen Blick wert. Zumal sich der Ansatz auch wirtschaftlich rechnet. Buchwitz managt den Aktienfonds DWS SDG Global Equities und investiert in Unternehmen, die einen positiven Beitrag zur Erreichung mindestens eines der 17 Nachhaltigkeitsziele der Vereinten Nationen[10] leisten. „Für uns kommen Unternehmen infrage, die Abfälle vermeiden, aber auch Firmen, die sich aufs Recyceln spezialisiert haben.“

Eine Nische ist Recycling schon lange nicht mehr. „Das ist ein Riesenmarkt, der stetig wächst“, so Buchwitz. In Zahlen: Mehr als 11.000 Unternehmen sorgen in der Kreislaufwirtschaft für einen jährlichen Umsatz von rund 70 Milliarden Euro, zeigen Daten des Umweltbundesamts.[11] Mehr noch: Zwar soll die Müllmenge bis 2030 um 80 Prozent wachsen, rechnet McKinsey vor.[12] Aber auch das Recycling dürfte kräftig zulegen – dann könnten bis zu zwei Drittel des Abfalls weiterverwendet werden. Clevere Ideen gibt es jedenfalls genug. Schon heute akzeptieren in Istanbul die Ticketautomaten für die U-Bahn leere Plastikflaschen und Getränkedosen als Zahlungsmittel.[13] Statt im Abfalleimer zu landen, können die Flaschen so zum Beispiel noch als Fleecepullover, Schulranzen oder Kuscheldecke gute Dienste leisten.[14]

Mehr zum Thema: Nachhaltige Geldanlage

"Für uns kommen Unternehmen infrage, die Abfälle vermeiden, aber auch Firmen, die sich aufs Recyceln spezialisiert haben."

Paul Buchwitz, Fondsmanager DWS Invest SDG Global Equities

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1. Quelle: The University of Newcastle Australia, „Plastic ingestion by people (…)“, Stand: Juni 2019, https://www.newcastle.edu.au/newsroom/featured/plastic-ingestion-by-people-could-be-equating-to-a-credit-card-a-week

2. Quelle: National Geographic, „8 Millionen Tonnen (…)“, Stand: April 2018, https://www.nationalgeographic.de/planet-or-plastic/2018/04/8-millionen-tonnen-plastik-landen-jaehrlich-im-meer

3. Quelle: World Economic Forum, „Every minute (…)“, Stand: Oktober 2016, https://www.weforum.org/agenda/2016/10/every-minute-one-garbage-truck-of-plastic-is-dumped-into-our-oceans/

4. Quelle: Zeit, „Die größte Müllkippe der Welt“, Stand: August 2018, https://www.zeit.de/wissen/umwelt/2018-07/plastik-meer-tiefsee-nordpazifik-muellstrudel-oekosystem

5. Quelle: Reuters, „China’s Hainan tob an (…)“, Stand: Februar 2019, https://www.reuters.com/article/us-china-environment-plastic/chinas-hainan-to-ban-single-use-plastics-by-2025-state-media-idUSKCN1QB013

6. Quelle: Welt, „So wollen Adidas & Co. (…)“, Stand: Juli 2018, https://www.welt.de/wirtschaft/article179523316/Plastikmuell-Adidas-will-mehr-recyclen.html

7. Quelle: National Geographic, „A whopping 91 % (…)“, Stand: Dezember 2018, https://www.nationalgeographic.com/news/2017/07/plastic-produced-recycling-waste-ocean-trash-debris-environment/

8. Quelle: Unilever, „Erste Unilever-Marke mit Verpackungen (…)“, Stand: Mai 2019, https://www.unilever.de/presseservice/pressemitteilungen/2019/08052019.html

9. Quelle: Handelszeitung, „Nachhaltiges Investieren (…)“, Stand: Februar 2019, https://www.handelszeitung.ch/invest/nachhaltiges-investieren-nie-mehr-plastik

10. Quelle: https://www.un.org/Depts/german/gv-70/band1/ar70001.pdf

11. Quelle: Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und nukleare Sicherheit, „Abfallwirtschaft in Deutschland 2018“, Stand: März 2018, https://www.bmu.de/fileadmin/Daten_BMU/Pools/Broschueren/abfallwirtschaft_2018_de.pdf

12. Quelle: McKinsey & Company, „Alarmierende Zahlen (…)“, Stand: Dezember 2018, https://www.mckinsey.de/news/presse/2018-12-19-plastikmuell

13. Quelle: https://www.nytimes.com/2018/10/17/world/europe/istanbul-vending-machines-recycling-subway.html

14. Quelle: https://www.quarks.de/umwelt/muell/so-werden-plastikflaschen-wiederverwertet/

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