15. Dez 2020 Nachhaltigkeit

„Klimaschutz wird auch noch in Jahrzehnten ein Investmentthema sein“

Den Klimawandel zur Anlagechance machen: Dieses Ziel verfolgt Fondsmanager Tim Bachmann mit dem DWS Invest ESG Climate Tech. Die Basis für seine Strategie bilden Politik und Unternehmen – im guten Zusammenspiel.

  • Der DWS Invest ESG Climate Tech investiert weltweit in Unternehmen, deren Lösungen dem Klimawandel entgegenwirken oder seine Auswirkungen abmildern.
  • Dabei liefert etwa jeder dritte investierte Euro einen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen, und damit auch zum Klimaschutz.*
  • Auch wenn das Ziel Klimaneutralität bis 2050 erreicht werden sollte, bleibt der Klimawandel ein aussichtsreiches Investmentthema.
5 Minuten Lesezeit

Herr Bachmann, Ihr Ziel ist, den Klimawandel mit dem DWS Invest ESG Climate Tech zu einer Renditechance zu machen. Warum hat die Strategie bislang funktioniert, wo doch die Erderwärmung viele Risiken für Firmen birgt?

Einerseits schafft die Politik durch Abkommen wie dem Pariser Klimapakt den richtigen Rahmen, um global Investitionen für mehr Klimaschutz anzukurbeln. Und andererseits haben Unternehmen die Mittel und die Innovationskraft, um die notwendigen Technologien bereitzustellen. Zahlreiche Beispiele zeigen bereits den Erfolg dieses Zusammenspiels: Nehmen Sie die Entwicklung alternativer Antriebsformen für Fahrzeuge oder leistungsfähige Windturbinen und Photovoltaik-Anlagen. Genau bei solchen Firmen wird der Klimawandel vom Risiko auch zur Renditechance für Investoren.

Können Sie den Anlegern eine Vorstellung davon geben, wie viel Firmen investieren müssen, um vom entstehenden Klimaschutzmarkt profitieren zu können?

Ja, das lässt sich grob beziffern. Um die Klimaziele des Paris-Abkommens einzuhalten, muss der Energiesektor weltweit bis 2040 jährlich 3000 Milliarden Dollar investieren – eine Summe die circa dem jährlichen Bruttoinlandsprodukt von Frankreich entspräche. Schließlich müssen ganze Wärme- und Stromsysteme von fossilen auf erneuerbare Quellen umgestellt werden.[1] Da brauchen wir smarte Stromnetze, moderne Geothermie-, Wind- und Solaranlagen oder auch Wasserstofftechnologie zur Speicherung überschüssiger Elektrizität. Und dazu muss noch eine Menge in die Abfederung bereits geschehener oder nicht mehr abwendbarer Schäden gesteckt werden. Die Meeresspiegel werden steigen – die einzige Frage ist noch: um wie viel? Also brauchen wir zum Beispiel Hochwasserschutzbauten. Für solche Maßnahmen, die das Leben mit irreversiblen Klimaschäden möglich machen, kommt noch einmal ein mittlerer dreistelliger Milliardenbetrag pro Jahr hinzu.[1] Es geht also um enorme Summen, die bewegt werden müssen.

"Die Meeresspiegel werden steigen – die einzige Frage ist noch: um wie viel?"

Tim Bachmann, Analyst für Technologie und Fondsmanager des DWS Invest ESG Climate Tech.

Ganze Volkswirtschaften auf mehr Klimaverträglichkeit umzurüsten, ist also eine Sache. Eine andere, schon passierte Klimaschäden erträglich zu machen?

So ist es – und genau das sind die beiden Themen, die der DWS Invest ESG Climate Tech abbildet. Bei der Abmilderung des Klimawandels geht es vor allem darum, den Energiemix zu dekarbonisieren – also sukzessive von fossilen Brennstoffen loszukommen. Wir investieren daher zum Beispiel in die Produzenten von erneuerbaren Energien, die Entwickler von Automobilelektronik, Batteriematerialien und Wasserstofftanks sowie in Unternehmen, die energieeffiziente Geräte für Industrie und Haushalte herstellen. Auch die Betreiber von Stromübertragungsnetzen oder Hersteller von Dämmstoffen für den energetischen Sanierungsbedarf im Immobiliensektor sind interessant.

Lösungen, die uns helfen, mit den Folgen des Klimawandels leben zu können, kommen etwa von Sachversicherern und Unternehmen aus dem Gesundheitswesen, der Wasser- und Agrarwirtschaft sowie dem Katastrophenschutz. Auch in diesen Branchen brauchen wir neue Technologien. Die Pharmazie ist zum Beispiel aufgerufen, Medikamente gegen neuartige Krankheitsbilder zu entwickeln. Landwirte müssen Ressourcen mehr schonen. Weil Wasser zu einem umkämpften Rohstoff wird, investieren wir zum Beispiel in Hersteller von Geräten zur Wasseraufbereitung und -entsalzung.

Welche Bedeutung hat der Wahlsieg von Joe Biden für die Marktsegmente und Investments in Ihrem Portfolio?

Überraschenderweise erlebten Betreiber von Wind-, Solar- oder Geothermieanlagen aber auch Anbieter entsprechender Komponenten wie Turbinen einige gute bis sehr gute Jahre, obwohl Donald Trump den von Menschen herbeigeführten Klimawandel in Frage stelllte. Der Rückenwind kam von einzelnen US-Bundesstaaten, die sich bereiterklärt haben, bis spätestens 2050 möglichst klimaneutral zu wirtschaften und ihren Energiebedarf mit 100 Prozent grünem Strom zu decken.

Joe Biden’s Wahlsieg und seine Erklärung, wieder dem Pariser Klimaschutzabkommen beitreten zu wollen, sind eine gute Grundlage, um den Ausbau von Erneuerbaren Energien und die Förderung von Energieeffizienzprojekten noch stärker voranzutreiben. Und so werden wir künftig stärker entlang der Wertschöpfungskette in der Solarenergieerzeugung investieren aber auch in Lösungen zur Verbesserung des energetischen Fußabdrucks von Immobilien.

 

Neben der US-Wahl hat auch die Coronapandemie für Marktturbulenzen gesorgt. Wie sind Sie da durchgekommen und was waren die Herausforderungen?

Unterm Strich haben wir 2020 mit dem DWS ESG Climate Tech eine deutlich bessere Wertentwicklung erzielt als der globale Aktienmarkt.[2] Das war einerseits der breiten Aufstellung des Portfolios mit zyklischen und defensiven Sektoren zu verdanken, anderseits der Positionierung in globalen, langfristigen Wachstumstrends, die häufig weniger stark von der Entwicklung traditioneller Aktienindizes abhängen.

Außerdem gab es eine spürbar stärkere Nachfrage nach Unternehmen, die ein besonders attraktives ESG-Profil aufweisen. Auch von diesem Trend konnte unser Fonds profitieren, da er gleichzeitig auch in die jeweiligen ESG-Vorreiter in den Wachstumsmärkten investiert.

Aber natürlich standen auch wir in den letzten Monaten vor einigen Herausforderungen – insbesondere der Frage, nach dem richtigen Timing. Das wurde vor allem dadurch erschwert, dass zu Beginn des Jahres noch völlig unklar war ob und in welchem Ausmaß „grüne Technologien“ wirtschaftspolitisch unterstützt werden.

Ihr Fonds trägt auch das Label ESG. Es geht bei der Titelselektion also nicht allein um Klimaschutz, sondern auch um die Nachhaltigkeitskriterien Soziales und Unternehmensführung?

Ja, wir starten bei der Titelselektion für den Fonds mit dem kompletten Universum an Aktien. Darüber legen wir anschließend den thematischen Auswahlfilter und prüfen, welche Unternehmen mit einem signifikanten Anteil ihres Umsatzes zu einer Schlüssellösung gegen den Klimawandel beitragen. Danach stellen wir sicher, dass die Firmen auch unsere ESG- Minimumstandards erfüllen, also eine gute Bewertung bei den Nachhaltigkeitskriterien Umwelt, Soziales und Unternehmensführung erreichen. Der ökologische Aspekt wird, wenn sie so wollen, zweimal geprüft. Hat ein Unternehmen zwar eine gute Lösung im Kampf gegen den Klimawandel, kann diese jedoch nur mit unvertretbar hohem CO2-Ausstoß anbieten, so wird diese Firma für den Fonds nicht berücksichtigt. Zu guter Letzt prüfen wir auch noch, ob die Papiere liquide, also am Markt leicht handelbar sind. Und wir führen eine Fundamentalanalyse durch, untersuchen also, ob die Geschäftsentwicklung der Unternehmen solide ist. Am Ende haben wir damit ein diversifiziertes Portfolio mit Firmen, die ESG-Vorreiter sind – relativ zu ihrer Vergleichsgruppe – und die vom enormen Investitionsbedarf profitieren können, den der Klimawandel mit sich bringt.

Tim Bachmann

Analyst für Technologie und Fondsmanager des DWS Invest ESG Climate Tech.

"Beim DWS Invest ESG Climate Tech liefert etwa jeder dritte investierte Euro rechnerisch einen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen."

Tim Bachmann, Analyst für Technologie und Fondsmanager des DWS Invest ESG Climate Tech.

Gerade die junge Generation hat ein sehr hohes Umweltbewusstsein - Stichwort ‚Fridays for Future’. Ist der DWS Invest ESG Climate Tech ein ausgesprochener Fonds für Millennials?

Bei diesem Fonds liefert etwa jeder dritte investierte Euro rechnerisch einen Beitrag zu den UN-Nachhaltigkeitszielen, darunter auch Klimaschutz. Das heißt, der DWS Invest ESG Climate Tech richtet sich an alle Anleger, die hier etwas bewegen wollen. Jüngere Anleger gehören da definitiv zu unserer Kernzielgruppe. Aber klassische Rendite-Risikoaspekte von Aktien mit nachhaltigen Anlagekriterien zu verbinden, wie wir es bei diesem Fonds machen, wird auch den älteren Generationen immer wichtiger, wie Befragungen zeigen.

Was sind für Sie als Fondsmanager die zentralen Schlüsseltechnologien im Kampf gegen den Klimawandel?

Erneuerbare Energien – Wind, Solar und Geothermie, sehe ich sehr positiv. Diese sind mittlerweile auch ohne Subventionen wettbewerbsfähig gegen neue Nuklear- oder Gaskraftwerke. Hinzu kommt die Präzisionslandwirtschaft. Der Einsatz von Software oder auch Künstlicher Intelligenz zur effizienten Bewirtschaftung von Anbaufeldern schont nicht nur Ressourcen, er ist auch gut für den Ertrag. Und dann ist da natürlich auch das große Thema E-Mobilität, wobei ich hier nicht der Meinung bin, dass es in Zukunft nur noch Elektrofahrzeuge geben wird. Vielmehr wird sich meiner Einschätzung nach eine Kombination aus verschiedenen Antriebsformen durchsetzen: Hybrid-, Verbrennungs-, Brennstoffzellen-, und Elektrofahrzeuge. Dabei hat das Thema Wasserstoff in meinen Augen besonders großes Potenzial. Diese Antriebsform kann in einigen Jahren durchaus ökonomisch Sinn machen – wenn auch eher im Schwerlastverkehr.

Kennen Sie eigentlich auch Ihren persönlichen CO2-Abdruck?

Sehr gut sogar. Der ist mit etwa 30 Tonnen pro Jahr noch zu hoch. Es gibt eine gute Webseite vom Umweltbundesamt, wo Sie für ihren individuellen Lebensstil Faktoren zusammenrechnen lassen können. Dazu zählen etwa Fleischkonsum, Veranstaltungsbesuche und Flüge. Aufgrund der berufsbedingten Reisen dürfte ich eigentlich ein bisschen etwas gutschreiben. Denn die Deutsche Bank als Mutterkonzern der DWS kauft Zertifikate, um Firmenflüge klimafreundlich auszugleichen. Aber das soll für mich keineswegs ein Alibi sein, um nicht auch an den anderen CO2-Stellschrauben zu drehen – etwa indem ich Lebensmittel konsumiere, die weniger CO2-belastend hergestellt werden und öfter das Fahrrad statt das Auto nehme.

Sie könnten ja auch in den DWS Invest ESG Climate Tech investieren.

Tatsächlich bin ich privat bereits in den Fonds investiert.

Und das andere Kerngebiet Ihres Fonds, Technologie – schwappt das auch so ins Privatleben über?

Hier ist es umgekehrt. Ich bin seit jeher technologiebegeistert und finde es super, mein Verständnis für neue technologische Lösungen als Fondsmanager und Analyst auch beruflich nutzen zu können.

Wird denn Ihrer Meinung nach der Klimawandel noch ein großes Investmentthema sein, wenn Sie in ein paar Jahrzehnten in den Ruhestand gehen?

Davon bin ich überzeugt, zumal wir keinen Haken machen werden, wenn das Ziel Klimaneutralität erreicht ist. Bereits jetzt gibt es Pilotprojekte, mit denen wir sogar zur „CO2-Negativität“ übergehen können – also CO2 aus der Atmosphäre entfernen. Auch dort könnten für Anleger einmal Renditechancen liegen.

*Quelle: DWS International GmbH, Stand 12/2020

DWS Invest ESG Climate Tech LD

Zu den Produktdetails

1. Quellen: We Mean Business Coalition; Ceres Investor Network on Climate Risk and Sustainability; Bloomberg New Energy Finance Clean Energy Investment 2016 und 2017; Renewable Energy Policy Network (REN21) Renewables 2017 Global Status Report. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analyse, die sich als falsch herausstellen können.

2. Quelle: DWS International GmbH, Stand 12/2020

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