07. Nov 2019 Nachhaltigkeit

Nachhaltig investieren: „Eine Win-win-win-Situation“

Wie spürt Paul Buchwitz wirklich nachhaltig agierende Unternehmen auf? Und wie hält es der Fondsmanager privat mit dem Thema Nachhaltigkeit? Ein Jahr nach dem Start des DWS SDG Global Equities steht er Rede und Antwort.

  • Nachhaltiges Investieren wird immer populärer.
  • Spezielle Fonds nutzen ihren Einfluss, damit Unternehmen nachhaltiger wirtschaften.
  • Anleger können mit diesem Ansatz ungewollte Risiken verringern.
5 Minuten Lesezeit

"SDG ist der Kern des nachhaltigen Investierens."

Paul Buchwitz, Fondsmanager DWS Invest SDG Global Equities

Zunächst einmal: Herzlichen Glückwunsch, Ihr Fonds DWS SDG Global Equities ist gerade ein Jahr alt geworden – und passt mit seiner Ausrichtung genau in die aktuelle gesellschaftliche Diskussion über Nachhaltigkeit. Ihre Zwischenbilanz?

Das Timing war echt gut, oder? Aber Spaß beiseite: Das Interesse an Umweltthemen und Nachhaltigkeit ist enorm gestiegen. Das liegt zum einen am Gesetzgeber, der Druck in diese Richtung macht. Zum Beispiel will die Europäische Union 2050 klimaneutral sein. Aber auch der Verbraucher schaut inzwischen ganz anders hin als früher. Er fragt, unter welchen Bedingungen Produkte hergestellt werden, und entscheidet sich gegebenenfalls dagegen. Und dann sind da die sozialen Medien: Das Bild eines Strands voller Plastikmüll ist heute dank Instagram & Co. schnell weltbekannt. Von dieser gesellschaftlichen Diskussion können und wollen sich Investoren gar nicht lösen.

Nachhaltigkeitsfonds gibt es viele. Wo macht Ihr DWS SDG Global Equities den Unterschied?

Mit der umfassenden Analyse. Wir nutzen dafür den ESG-Ansatz – und schauen da auf die ESG-Faktoren. ESG steht für Environment, Social und Governance, also Umwelt, Soziales und Unternehmensführung. Darüber hinaus fragen wir nach, welche Unternehmen einen Beitrag zu mindestens einem der SDGs leisten. Diese Abkürzung steht für Sustainable Development Goals. Das sind die langfristigen Nachhaltigkeitsziele, die die Vereinten Nationen beschlossen haben. Ein Beispiel dafür ist das Klimaschutzziel.

Paul Buchwitz

Fondsmanager DWS Invest SDG Global Equities

Und das heißt konkret?

Stellen Sie sich einen Filter vor: Zunächst einmal prüfen wir, ob ein Unternehmen bestimmte ESG-Standards einhält. In der zweiten Stufe fragen wir konkret, was ein Unternehmen macht – ob es tatsächlich Umsatz im Sinne von mindestens einem jener UN-Nachhaltigkeitsziele erwirtschaftet. So eine tiefe Analyse machen viele andere Nachhaltigkeitsfonds nicht. Für uns gilt damit: SDG ist der Kern des nachhaltigen Investierens.

Die UN hat gleich 17 dieser Nachhaltigkeitsziele formuliert – lassen sich diese alle ohne Weiteres in ein Portfolio übersetzen?

Nein, derzeit sind es nur acht, die sich problemlos umsetzen lassen. „Klimaschutz“ ist sicherlich das Ziel, das am einfachsten in einem Portfolio darstellbar ist. Ähnliches gilt für die Themen „Gesundheit“ und „Schutz des Wassers“. Letzteres kann man etwa mit den Aktien von bestimmten Versorger-Unternehmen realisieren, aber auch mit Wertpapieren von Firmen, die die Kanalisation sanieren und damit dafür sorgen, dass weniger Wasser versickert.

17 Ziele, 17 Fakten

Was steckt konkret hinter den Nachhaltigkeitszielen der Vereinten Nationen? Wie kann jeder Einzelne in seinem Alltag einen sinnvollen Beitrag dazu leisten? Spannende Zahlen, Daten und Fakten zum Durchklicken:

1. Keine Armut

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Armut in jeglicher Form und überall beenden.

Armut stellt selbst reiche Nationen vor große Herausforderungen. 15,5 Millionen Menschen waren 2017 allein in Deutschland von Armut oder sozialer Ausgrenzung bedroht – fast 20 Prozent der Bevölkerung.[1] Unter anderem der gesetzlich verankerte Mindestlohn und die zeitlich begrenzte Teilzeit sollen helfen, das Problem zu lösen.

2. Kein Hunger

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Hunger stoppen und weltweite Ernährung sicherstellen. Qualitative Verbesserung
der Ernährung und nachhaltige Landwirtschaft fördern.


Hunger und Mangelernährung verstoßen gegen die Menschenwürde. Weltweit sind jedoch mehr als 800 Millionen Menschen auf der Welt davon betroffen.[2] Was kann helfen? Innovative und effiziente Technologien, aber auch der Ausbau der ökologischen Landwirtschaft.

3. Gesundheit und Wohlergehen

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Gesundes Leben für alle Menschen gewährleisten und ihr Wohlergehen fördern.


Tag für Tag sterben 16.000 Kleinkinder – viele von ihnen an Infektionskrankheiten, die mit wenig Geld heilbar oder durch die richtige Vorsorge vermeidbar wären.[3] Eines der Ziele der Agenda ist daher: Menschen Zugang zu guter medizinischer Versorgung und lebensrettenden Medikamenten zu geben.

4. Hochwertige Bildung

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Gleichberechtigten und umfassenden Zugang zu hochwertiger Bildung sichern und die Möglichkeiten lebenslangen Lernens fördern.


Alle Menschen sollen eine inklusive, chancengerechte und hochwertige Bildung erhalten. Bislang gibt es noch große Defizite, auch in Deutschland: Zwölf Prozent der Berufstätigen können nicht richtig lesen und schreiben. Maßnahmen, die Abhilfe versprechen? Zum Beispiel Lern- und Beratungsangebote.

5. Geschlechtergleichheit

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Gleichstellung der Geschlechter erreichen und alle Frauen und Mädchen zur Selbstbestimmung
befähigen.


Schweden, Belgien, Dänemark, Frankreich, Lettland und Luxemburg – nur diese Länder garantieren Frauen per Gesetz eine völlige Gleichberechtigung, so das Fazit einer Studie des Weltbank-Instituts IBRD.[4] Deutschland landete auf Platz 31: Die Studie kritisierte unter anderem Ungleichheiten beim Einkommen.

6. Sauberes Wasser und Sanitäreinrichtungen

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Verfügbarkeit und nachhaltige
Bewirtschaftung von Wasser sichern
und Sanitärversorgung für alle gewährleisten.


Zwei Milliarden Menschen auf der Welt haben keinen dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser.[5] Das soll sich ändern. Digitale „Pre-paid-meter“-Systeme, wie sie bereits in städtischen Armutsgebieten in Afrika zum Einsatz kommen, können helfen: Nach dem Motto „Pay as you drink!“ zahlt jeder nur für die Menge Wasser, die er an der öffentlichen Säule zapft.

7. Bezahlbare und saubere Energie

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Zugang zu bezahlbarer, verlässlicher,
nachhaltiger Energie für alle sichern.


Wie können kompostierbare Küchenabfälle wie Kartoffelschalen einen echten Beitrag zur Energiewende leisten? Wenn sie als Abfall – getrennt von Plastik, Glas und anderen Stoffen – in der Biotonne landen, kann das entstehende Biogas für die Produktion von Strom verwendet werden und auf diesem Weg fossile Brennstoffe ersetzen.[6] https://www.aktion-biotonne-deutschland.de/

8. Menschenwürdige Arbeit und Wirtschaftswachstum

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Nachhaltiges Wirtschaftswachstum, produktive
Vollbeschäftigung und menschenwürdige
Arbeit fördern.


Was hat ein Einkaufsleitfaden für Bio-Baumwolle mit Ziel 8 zu tun? Er ist eine von vielen Initiativen, die bei der Umsetzung unterstützen können. Herausgeber ist das Bündnis für nachhaltige Textilien, das die nachhaltige
Produktion in der Textilindustrie fördert, indem es gegen Kinderarbeit und den Einsatz gesundheitsschädlicher Chemikalien kämpft und für die nachhaltige Wassernutzung im Baumwollanbau eintritt.[7]

9. Industrie, Innovation und Infrastruktur

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Widerstandsfähige Infrastruktur aufbauen, breite und nachhaltige Industrialisierung fördern und Innovationen unterstützen.


Beim Aufbau von Infrastruktur sollte der Aspekt der Nachhaltigkeit im Vordergrund stehen. Wie kann das gelingen? Zum Beispiel mit der Förderung von umweltfreundlichen Verkehrsmitteln. Aber auch mit Fabriken und Industriestätten, die nach ökologischen
Kriterien produzieren und somit die Umwelt
nicht über Gebühr belasten.

10. Weniger Ungleichheiten

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Ungleichheiten zwischen und innerhalb von Ländern reduzieren.


Das Ziel steht für die die Reduzierung ökonomischer und sozialer Ungleichheiten, sowohl zwischen den Staaten als auch innerhalb eines Staates. Beispiel: Bis 2030 soll nach und nach ein über dem nationalen Durchschnitt liegendes Einkommenswachstum der ärmsten 40 Prozent der Bevölkerung erreicht und beibehalten werden.

11. Nachhaltige Städte und Gemeinden

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Städte und Siedlungen umfassend, sicher, widerstandsfähig und nachhaltig gestalten.


Von gesundem Gemüse, das auf Hausdächern wächst bis hin zu Gebäudekonzepten, die aus Abwasser klimafreundliche Energie gewinnen: Im Wettbewerb „Zukunftsstadt“ werden nachhaltige Ideen für Städte, Gemeinden und Landkreise entwickelt, die das Leben in Zukunft verbessern sollen und so einen Beitrag zu Ziel 11 leisten. Im Fokus: Umweltschutz und Energiesicherheit. www.wettbewerb-zukunftsstadt.de/

12. Nachhaltige/r Konsum und Produktion

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Nachhaltige Konsum- und Produktionsmuster sicherstellen.


Zu viel Essen landet auf dem Müll – mit gravierenden Folgen für die Umwelt: Die LebensmittelHerstellung verbraucht kostbare Ressourcen, die mit jedem weggeworfenen Stück Brot oder Käse sinnlos verschwendet werden. Hilfreich für alle, die einen Beitrag zu Ziel 12 leisten wollen: Die kostenlose „Zu gut für die Tonne!-App“. Sie verrät, wie aus übriggebliebenen Lebensmitteln köstliche Gerichte werden. https://www.zugutfuerdietonne.de/

13. Massnahmen und Klimaschutz

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Umgehend Maßnahmen zur
Bekämpfung des Klimawandels und seiner Auswirkungen ergreifen.


Jeder kann mitmachen und zum Beispiel bewusster Essen: Tierische Lebensmittel wie Fleisch und Käse verursachen bei der Herstellung überdurchschnittlich viel Treibhausgas: Ein Kilo Rindfleisch belastet die Atmosphäre im Schnitt mit sieben bis 28 Kilo, Obst oder Gemüse dagegen mit weniger als einem Kilo. 8 Mit dem UBA-CO2-Rechner kann jeder seinen persönlichen CO2-Ausstoß berechnen.[8]

14. Leben unter Wasser

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Ozeane, Meere und ihre Ressourcen erhalten und nachhaltig nutzen.


Steigende Wassertemperaturen, zunehmende Verschmutzung und die jahrzehntelange Überfischung belasten nicht nur die Weltmeere, sie bedrohen auch die Lebensgrundlage vieler Menschen. Verbraucher können beim Einkauf helfen, dass Meere nachhaltig bewirtschaftet werden, indem sie zu zum Beispiel zu Produkten mit dem MSC-Siegel greifen. Es kennzeichnet Fische aus bestandserhaltender Fischereiwirtschaft. www.msc.org

15. Leben an Land

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Ökosysteme schützen, wiederherstellen und ihre nachhaltige Nutzung fördern, Wälder nachhaltig bewirtschaften, Wüstenbildung bekämpfen, Bodendegradation stoppen, umkehren und der
Reduzierung der biologischen Vielfalt ein Ende setzen.


Böden und Grundwasser sind heute vielfach mit Nitrat belastet. Schuld daran ist der übermäßige Einsatz von Düngern und Pestiziden. Ökologische Landwirtschaft kann helfen, das Leben an Land nachhaltiger zu machen. Daher soll der Anteil entsprechend bewirtschafteter Flächen in Deutschland bis 2030 auf 20 Prozent steigen. Bislang sind es erst 8,2 Prozent.[9]

16. Frieden, Gerechtigkeit und starke Institutionen

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Die Entwicklung friedlicher und inklusiver Gesellschaften nachhaltig fördern. Allen Menschen Zugang zur Justiz ermöglichen und leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und allumfassende Institutionen auf allen Ebenen aufbauen.


Zugang zu Justiz für alle Menschen sowie leistungsfähige, rechenschaftspflichtige und inklusive Institutionen auf allen Ebenen sind die Basis für nachhaltiges Wachstum und Wohlstand. Aber es gibt weltweit noch erhebliche Defizite. Beispiel Geburtenregistrierung. Sie ist Grundvoraussetzung für den Schutz durch das Gesetz. Weltweit wird sie jedoch rund einem Viertel der Kinder unter 5 Jahren verwehrt.[10]

17. Partnerschaften zur Erreichung der Ziele

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Mittel zur Umsetzung der Agenda stärken und die globale Partnerschaft für nachhaltige Entwicklung neu beleben.


Regierungen, Gesellschaft und Unternehmen: Für die Umsetzung der 17 SDGs ziehen alle Akteure an einem Strang – so der Plan der Staatengemeinschaft. Schwerpunkte sind: Entwicklungszusammenarbeit, Wissenstransfer und Öffnung der Märkte. Auch deutsche Verbraucher können helfen, Arbeits-und Produktionsbedingungen in den Entwicklungsländern zu verbessern, indem sie beim Einkauf zu fair gehandelten Produkten greifen.

Was denken Sie?

Welcher entwickelte Markt hatte 2018 den höchsten Anteil an den weltweiten nachhaltigen Investments?

GSI, Global Sustainable Investment Review 2018, Seite 9, Figure 4

Wie stöbern Sie wirklich nachhaltig wirtschaftende Unternehmen auf?

Mit den zwei Filtern, über die wir sprachen. Für beide Filterstufen nutzen wir die Expertise externer und spezialisierter Datenlieferanten. Für die erste Stufe sind es sechs Anbieter, für die zweite Stufe derzeit nur einer. Aber auch da wollen wir zukünftig auf weitere Dienstleister zurückgreifen können. Denn so bekommen wir eine Consensus-Einschätzung, also ein einheitliches Urteil von Nachhaltigkeitsexperten.

Sind Sie persönlich auch nachhaltig unterwegs?

Sogar im wahrsten Sinne des Wortes. Ich stamme aus Berlin und fahre daher immer wieder von Frankfurt in meine Heimatstadt. Dazu nehme ich auch mal das Auto. Das klingt vielleicht zunächst mal nicht so nachhaltig. Aber ich nehme Mitfahrer mit. Das ist gut für die Umwelt, weil das Auto voll besetzt ist. Und das ist gut für meine Mitfahrer, die günstig von Frankfurt nach Berlin kommen. Auch ich profitiere, weil ich meine Kosten senke. Eine Win-win-win-Situation, so wie bei der nachhaltigen Geldanlage: Davon profitieren die Umwelt, das Unternehmen und der Anleger.

„Kinderarbeit? Ein No-Go!“

 

Aber es gibt doch immer wieder Fälle, in denen nachhaltige Investoren Geld in Unternehmen stecken, die etwa der Umwelt schaden.

Das stimmt. Aber das Risiko ist mit unserem Vorgehen deutlich niedriger, als wenn man gar nicht auf die Nachhaltigkeit schaut. Beispiel Reputationsrisiken: Wenn in der Zeitung oder im Netz steht, dass ein Unternehmen einen Stausee verseucht hat, ist das schlecht. Nicht nur für das Unternehmen, sondern auch für den Anleger. Denn so ein Vorkommnis kann den Aktienkurs deutlich unter Druck bringen.

Ein Beispiel: Ein Hersteller von Sonnenkollektoren dürfte ja der Paradefall für ein nachhaltiges Unternehmen sein. Was, wenn er aber seine Mitarbeiter schlecht behandelt – können Sie dessen Aktien ins Portfolio nehmen?

Denken Sie daran – unsere erste Filterstufe sorgt dafür, dass Unternehmen auf bestimmte Standards abgeklopft werden. Das hält jeder Fondsanbieter anders. Aktuell haben wir kein Unternehmen im Portfolio, das in kontroversen Sektoren investiert ist. Wir schließen zum Beispiel Aktien von Unternehmen aus, die mehr als fünf Prozent ihrer Umsätze mit Tabak erzielen. Dabei ist ganz egal, ob sie zum Beispiel darüber hinaus Kartoffeln anbauen. Wenn in Ihrem Beispiel ein Solarunternehmen also nicht nachhaltig arbeitet, bleibt es in diesem ESG-Filter hängen. Tatsächlich kommen solche Fragen in der Praxis immer wieder vor. Dazu zwei denkbare Beispiele: Ein großes Pharmaunternehmen hat tolle Produkte. Aber dann kommt ein Bestechungsverdacht auf. Wir können dessen Aktien also nicht kaufen. Das Gleiche würde für einen chinesischen Batteriehersteller gelten, der das für die Produktion nötige Kobalt aus dem Kongo bezieht, wo es immer wieder zu Kinderarbeit kommt. Ein No-Go! Sie sehen, auch die Lieferkette ist entscheidend. Deswegen ist es für uns so wichtig, mit externen spezialisierten Dienstleistern zusammenzuarbeiten, die da ganz genau hinsehen.

Kommt bei Ihrem Ansatz am Ende nicht eine Sammlung von Unternehmen heraus, die sich kaum voneinander unterscheiden?  

Nein. Zwar werden in der ersten Filterstufe rund 25 Prozent der Unternehmen aussortiert und die verbliebenen noch nach ihrer Nachhaltigkeitsqualität eingeordnet. Das nennt sich „Best in Class“. Doch das Anlageuniversum ist auch am Ende des Prüfprozesses groß genug: Im Schnitt identifizieren wir rund 650 Aktien als SDG-Champions. Das sind Unternehmen, die gemessen an ihrem Umsatz tatsächlich einen Beitrag zum Erreichen der Nachhaltigkeitsziele leisten. Und diese stammen aus unterschiedlichen Sektoren, Branchen und Regionen. Aus dieser Gruppe schlussendlich ein breit gestreutes Portfolio aus 40 bis 60 Aktien zu formen, ist meine Aufgabe als Fondsmanager. Da geht es dann um die klassischen Kennzahlen wie Gewinnmarge oder Wachstum.

Wie stellen Sie fest, ob ein Unternehmen ein Nachhaltigkeits-Champion ist?

Wir messen das ganz nüchtern anhand des Umsatzes. Genauer: Wir fragen, welchen Anteil des Umsatzes ein Unternehmen mit der Verfolgung der Nachhaltigkeitsziele erwirtschaftet. Sicherlich sind auch andere Ansätze denkbar, doch die Umsatzzahl ist einfach, transparent und belegbar – wir wollen damit unangreifbar sein. Im Schnitt sollen mindestens 50 Prozent der Umsätze, die von den Unternehmen im Portfolio generiert werden, potenziell aus Quellen mit SDG-Bezug stammen. Einige Unternehmen im Fonds schaffen sogar 75 Prozent. Jedes einzelne Unternehmen sorgt also für eine nachhaltige Ausrichtung des Fonds.

Wie groß ist Ihr Einfluss auf die Unternehmen, in die Sie investieren?

Wir setzen vor allem auf Gespräche hinter verschlossenen Türen. Wenn ich investiere, sage ich den Verantwortlichen in den Unternehmen ganz deutlich, was ich erwarte. Zum Beispiel, dass die Firma ihr Verhalten mit Blick auf die Umwelt weiter optimiert. Und ich frage gegebenenfalls nach, warum bestimmte Schritte unterblieben sind.

"Der Ansatz hilft, ungewollten Risiken aus dem Weg zu gehen."

Paul Buchwitz, Fondsmanager DWS Invest SDG Global Equities

Wie sieht die Zukunft aus: Wird Geld irgendwann einmal nur noch nachhaltig verwaltet werden? Bereits jetzt investiert laut einer DWS-Umfrage immerhin ein Drittel der Befragten so.   

Das ist noch ein langer Weg. Aber ich glaube, eines Tages wird genau das der Standard sein.

Was reizt Sie besonders an Ihrem Job?

Für mich ist es immer wieder spannend, neue Trends in meinem Portfolio umsetzen zu können – zum Beispiel die Vermeidung von Plastik. Und: Wenn ich einen guten Job mache und die Performance stimmt, kann ich viel Geld für den Fonds einsammeln und das Geld dann in Richtung nachhaltige Investments lenken. So leiste ich einen positiven Beitrag. Ich will mich nicht eines Tages bei meinen Kindern dafür entschuldigen müssen, nichts für eine bessere Zukunft getan zu haben.

Nachhaltigkeit ist also nicht bloß Verzicht?

Nein, weder bei der Geldanlage noch privat. Ich bin kein Freund von Verboten. Jeder kann einen positiven Beitrag leisten, ohne gleich auf alles verzichten zu müssen. Man muss das Fliegen nicht komplett einstellen. Aber muss ein Flug von Frankfurt nach Düsseldorf sein? Vermutlich nicht, zumal inzwischen Technologien wie Videokonferenzen helfen, unnötige Reisen zu vermeiden.

Sie investieren ja seit mehr als zehn Jahren nachhaltig. Hat sich Ihre eigene Haltung dadurch verändert?

Ich bin inzwischen tatsächlich viel sensibilisierter. Wenn Sie so wollen, bin ich nachhaltig nachhaltiger geworden.

DWS Invest SDG Global Equities

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1. https://www.destatis.de/DE/Presse/Pressemitteilungen/ 2018/10/PD18_421_634.html, Abruf am 17.07.2019.

2. http://www.fao.org/news/story/en/item/1200484/icode/, Abruf am 17.07.2019.

3. https://www.bundesregierung.de/breg-de/themen/nachhaltigkeitspolitik/gesundheit-und-wohlergehen-1509824, Abruf am 17.07.2019.

4. https://wbl.worldbank.org/; Women, Business and the Law. Die Weltbank untersuchte für die Studie die Gesetze in insgesamt 187 Ländern. Abruf am 17.07.2019.

5. https://www.unesco.de/newsletter/2580/weltwasserbericht- 2019-grosse-ungleichheiten-beim-zugang-zu-wasser-sperrfrist-19, Abruf am 17.07.2019.

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7. https://www.textilbuendnis.com/portrait-textilbuendnis/, Abruf am 17.07.2019.

8. https://uba.co2-rechner.de/de_DE/ ,https://www.umweltbundesamt.de/themen/klimaneutral-leben , Abruf am 17.07.2019.

9. https://www.umweltbundesamt.de/themen/boden-landwirtschaft/ landwirtschaft-umweltfreundlich-gestalten/oekolandbau# Umweltleistungen des Ökolandbaus, Abruf am 17.07.2019.

10. https://www.un.org/depts/german/pdf/SDG%20Bericht%20 aktuell.pdf, Abruf am 17.07.2019.

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