05. Jan 2021 Nachhaltigkeit

Im Dschungel der Nachhaltigkeit: Die vier wichtigsten Fragen beantwortet

Nachhaltige Geldanlage-Produkte boomen. Vier Fragen sollten Anleger indes beantworten können, bevor Sie in Fonds mit langfristiger Relevanz für Gesellschaft und Umwelt investieren.

  • Nachhaltiges Investieren liegt im Trend – 2019 lag die Gesamtanlagesumme in Deutschland bei 18 Milliarden Euro.
  • Anleger sollten sich die Anlagestrategien einzelner Fonds genau anschauen, da die Firmenauswahl unterschiedlich funktioniert.
  • Möchte ein Anleger nachhaltig investieren, steht ihm mittlerweile in fast jeder Anlageklasse eine Option offen.

Immer mehr Menschen achten im Alltag auf nachhaltigen Konsum. Sie kaufen Produkte, welche die Umwelt schonen, biologisch angebaut wurden und die Gesellschaft langfristig unterstützen. Auch für Anleger wird die Frage, was mit ihren investierten Mitteln finanziert wird, immer wichtiger. Rund 18 Milliarden Euro haben private Investoren in Deutschland im Jahr 2019 schon in nachhaltige Geldanlagen investiert – knapp doppelt so viel wie im Jahr zuvor.[1]

Wer sich entscheidet, sein Geld so zu investieren, hat mittlerweile die Qual der Wahl, denn das Angebot an „grünen“ und sozial ausgerichteten Finanzprodukten hat stark zugenommen. Die folgenden vier Fragen geben Anlegern deshalb Orientierung im Dschungel nachhaltiger Finanzanlagen.

Wie sollten Verfügbarkeit, Risiko, Rendite und Nachhaltigkeit gewichtet sein?

Drei sich gegenseitig beeinflussende Aspekte bestimmen in der klassischen Geldanlage eine Anlagestrategie: die Verfügbarkeit einer Finanzanlage, vor allem aber deren Ertrag und Risiko. Konzentriert sich ein Anleger beispielsweise besonders stark auf den Ertrag, muss er normalerweise ein höheres Risiko eingehen. Liegt der Fokus auf einer eher sicheren Geldanlage, verringert sich in der Regel die Rendite. Für Anleger, die Wert auf Nachhaltigkeit legen, kommt nun ein vierter Aspekt bei der Entscheidung für ein Anlageprodukt dazu.

Die gute Nachricht: Nachhaltigkeit als zusätzlicher Entscheidungsfaktor hat in der Regel keinen negativen Effekt auf die Rendite oder das Risiko einer Anlage. Im Gegenteil eine Auswertung der Universität Hamburg von rund 2.000 Studien zeigt, dass sich nachhaltige Aktienfonds oft besser, zumindest aber nicht schlechter entwickeln als ihre jeweilige Benchmark.[2] Eine Untersuchung des Ratinganbieters Scope bestätigt das und legt nahe, dass nachhaltige Investments, im Gegensatz zur klassischen Geldanlage, sogar mit geringeren Risiken verbunden sein können. Risiken werden durch die zusätzliche Analyse und Beurteilung von Informationen abseits der reinen finanziellen Beurteilung eher erkannt als bei der klassischen Geldanlage. Es geht um die Risikominimierung und die Erkennung zusätzlicher Chancen, die bei der klassischen Geldanlage außer Acht gelassen werden. Über einen Zeitraum von fünf Jahren erwirtschafteten nämlich nachhaltige Fonds nicht nur ähnlich gute Renditen, sie waren gleichzeitig auch weniger schwankungsanfällig.[3]

Das heißt, da eine nachhaltige Geldanlage weder die Wertentwicklung negativ beeinträchtigt und sogar Risiken minimieren kann, können Anleger das Thema Nachhaltigkeit besonders in Betracht ziehen.

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Umfrage

Wie wichtig ist Ihnen das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage?

Was macht einen Fonds zu einem nachhaltigen Fonds? Diese Frage wird unterschiedlich beantwortet. Einige Fonds schließen umstrittene Branchen, die in der Gesellschaft kritisch gesehen werden, komplett aus. Dazu zählt zum Beispiel die Waffen- oder Kohleindustrie. Ein weiterer Ansatz orientiert sich bei der Auswahl an bestimmten Werten und Normen. So werden bei diesem Ansatz Unternehmen, die bestimmte internationale Normen verletzen beispielsweise nicht in den Fonds integriert.

Beim sogenannten „Best in Class“-Ansatz werden Unternehmen anhand der drei ESG-Kriterien bewertet. Innerhalb einer Branche schaffen es dann nur die Unternehmen mit den höchsten ESG-Bewertungen in die Auswahl. Hierbei steht jedoch nicht im Vordergrund, ob das, was sie produzieren tatsächlich nachhaltig ist. Es reicht, dass sie sich bei dem was sie machen nachhaltiger verhalten als die Konkurrenz. Zu guter Letzt investieren einige Fonds auch gezielt in bestimmte Themen, die speziell mit Nachhaltigkeit zu tun haben.   

Alle diese Auswahlprinzipien, können in der Praxis gebündelt eingesetzt werden. So kann zum Beispiel der Ansatz nach den einfachen, negativen Ausschlusskriterien mit dem sogenannten „Best in Class“-Ansatz kombiniert werden. So werden dann nach erfolgtem Ausschluss die nachhaltigsten Unternehmen eines Sektors im Sinne festgelegter Nachhaltigkeitskriterien identifiziert und einbezogen. Egal welche Strategie, die drei grundsätzlichen Dimensionen nachhaltigen Managements Umwelt (Environment), Soziales (Social) und gute Unternehmensführung (Governance), spielen immer eine Rolle.

Um beurteilen zu können, wie nachhaltig ein Unternehmen agiert, hat die DWS eine eigene Software entwickelt. Die ESG-Engine nutzt die Daten von mehreren auf unterschiedliche ESG-Kriterien spezialisierten Ratingagenturen und erstellt daraus eigene ESG-Ratings für einzelne Unternehmen oder Sektoren. Die erstellten Listen dienen den Analysten und Fondsmanagern als Kriterium bei ihren Investitionsempfehlungen und -entscheidungen.

"Beim Thema Nachhaltigkeit gilt es genau hinzuschauen. Teilweise hält der erste Eindruck einer genauen Prüfung nicht stand."

Petra Pflaum, Mitglied der Geschäftsführung

Petra Pflaum, CIO für Responsible Investments der DWS, rät Fondsmanagern zu einem generell pragmatischen Herangehen: „Nicht jedes Unternehmen hält auf den ersten Blick einer genaueren Nachhaltigkeitsüberprüfung stand. Die ausgewogenen Beurteilungen der ESG-Engine helfen unseren Fondsmanagern, tiefer begründete Entscheidungen bei der Auswahl der Unternehmen zu treffen.“

ESG und SRI – welche Abkürzung steht wofür?

Wer in die Welt des nachhaltigen Investierens eintaucht, trifft schnell auf unterschiedliche Abkürzungen und Standards. ESG und SRI zählen zu den häufigsten. Beide beschreiben Ansätze der Geldanlage, mit deren Details sich Anleger vertraut machen sollten, die sich für nachhaltiges Investieren interessieren.

Fonds, die bei der Auswahl der Unternehmen ESG-Kriterien zu Grunde legen, haben das Ziel nachhaltig zu investieren und dabei die gleiche Rendite zu erzielen wie mit einem klassischen Investmentansatz. Sie berücksichtigen dabei die wesentlichen Auswirkungen der ausgewählten Unternehmen auf die drei Bereiche Umwelt (E), Soziales (S) und Unternehmensführung (G). Dabei bewerten sie die Nachhaltigkeitsagenda der Unternehmen danach, was bereits an nachhaltigen Maßnahmen umgesetzt wurde. Sie sind also in der Tendenz rückwärtsgerichtet.

SRI ist die Abkürzung für die englische Bezeichnung „Social Responsible Investing“ – übersetzt sozial verantwortliches Investieren. Hinter dieser Bezeichnung steht ein werteorientierter Investmentansatz, der einen Schwerpunkt auf soziale Themen legt. Neben den allgemeinen ESG-Aspekten werden bei diesem Ansatz vor allem ethische und soziale Werte berücksichtigt. Die Frage, was das Unternehmen produziert oder als Dienstleistung anbietet, steht dabei im Vordergrund. Die finanzielle Rendite eines Fonds soll im Einklang mit der Berücksichtigung von moralischen und nachhaltigen Werten stehen. SRI kann zusätzlich mit ESG-basierten Investmentansätzen kombiniert werden. Hierdurch können SRI-Fonds teilweise noch strengeren Kriterien unterliegen als etwa reine ESG-Fonds.

Alles auf grün - kann ich mein ganzes Portfolio nachhaltig ausrichten?

Zum Abschluss stellt sich Anlegern die Frage, wie weit das Angebot nachhaltiger Investments bereits reicht. Wer möchte, kann mittlerweile für die meisten gängigen Anlageklassen ein nachhaltiges Pendant finden. Im Jahr 2019 hatten die Anlageklassen Aktien, Unternehmensanleihen und öffentliche Anleihen zwar den höchsten Anteil. Aber immerhin waren damals bereits sieben Prozent aller nachhaltigen Anlagen in alternative Anlageklassen wie Rohstoffe oder Immobilien investiert.[4]

Das Angebot an geeigneten Finanzprodukten ist somit vorhanden und es bleibt die Entscheidung des Anlegers, wie wichtig ihm persönlich das Thema Nachhaltigkeit bei der Geldanlage ist – wie im Supermarkt vor dem Verkaufsregal.‌

Die DWS Fondsmanager können auf die Daten von mehreren verschiedenen ESG-Ratingagenturen zurückgreifen.

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1. Quelle: https://fng-marktbericht.org/der-nachhaltige-anlagemarkt-deutschland-2/

2. ESG & Corporate Financial Performance: Mapping the global landscape  https://institutional.dws.com/content/_media/K15090_Academic_Insights_UK_EMEA_RZ_Online_151201_Final_(2).pdf.

3. Quelle: https://www.scopeanalysis.com/ScopeAnalysisApi/api/downloadstudy?id=9e4c5c1d-d0e8-48fb-b5f8-8cca84b5a384

4. Quelle: https://fng-marktbericht.org/der-nachhaltige-anlagemarkt-deutschland-2/#investment

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