17. Nov 2022 Marktausblick

Vorsicht bleibt das Gebot der Stunde – defensive Werte bevorzugt

Marktausblick | Aktien

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  • „Wir stehen selbst enttäuscht und sehen betroffen, den Vorhang zu und alle Fragen offen.“ Anleger mit einem Faible für klassische Literatur könnten sich angesichts der vielen Unklarheiten in der Politik und an den Märkten an dieses Zitat des deutschen Dramatikers Bertolt Brecht erinnert fühlen.

  • Wie geht es weiter mit der Aggression Russlands gegen die Ukraine? Bleibt der Inflationsdruck hartnäckiger als erwartet? Müssen die Zentralbanken die Zinsen noch stärker anheben als bislang von den Märkten eingepreist? Schafft China es trotz Corona, der Wirtschaft wieder mehr Dynamik einzuhauchen? All diese Fragen lassen sich derzeit nur mit vielen Hilfsannahmen beantworten.

  • Dass es Aktien in einem derartigen Umfeld schwer haben, kann kaum verwundern. Solange der Blick in die Zukunft so verschwommen ist wie derzeit, spricht viel für eine vorsichtige Herangehensweise an die Aktienanlage. Nicht zuletzt deshalb, weil durch das deutliche Anziehen der Zinsen ausgewählte Rentenanlagen wieder zu einer echten Konkurrenzanlage geworden sind.

  • Die gestiegenen Renditen setzen die Bewertungen von Aktien unter Druck. Besonders betroffen: zinssensible Werte aus den Bereichen Technologie, Kommunikation und E-Commerce. Dazu kommt, dass wir erwarten, dass die Gewinne der Unternehmen unter Druck stehen dürften.

  • Für 2023 rechnen wir mit einem Nullwachstum. Denn die Zeiten, in denen viele Unternehmen es schafften, höhere Preise und teilweise sogar höhere Margen durchzusetzen, dürften erste einmal vorbei sein. Vorsicht bleibt bei der Aktien-anlage daher das Leitmotiv. Positiv gestimmt bleiben wir für defensive Titel aus dem Gesundheitssektor, auch wenn sie absolut betrachtet nicht gerade billig sind.

Umsatzrenditen: Höhepunkt überschritten

Die Nettomargen der Unternehmen sind seit 2005 stark gestiegen, besonders im IT-Sektor. Dieser Trend scheint erst einmal gestoppt zu sein.

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Quelle: DWS Investment GmbH, Stand: November 2022
Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, welche sich als falsch herausstellen können. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Quelle: DWS Investment GmbH, Stand: 09.11.2022

Aktien USA

Derzeit nur moderates Kurspotenzial

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  • Für die USA gehen wir von einer kurzen, milden Winterrezession aus. Die Nachfrage der Verbraucher dürfte sich abschwächen, die Preissetzungsmacht der Unternehmen schwinden und das Wachstum bei Margen und Gewinnen deutlich niedriger ausfallen als in der Vergangenheit.

  • Mittelfristig nur moderates Kurspotenzial, kurzfristig könnte es durchaus noch weitere Rücksetzer geben.

 

Aktien Deutschland

Kurzfristig im Aufwind - langfristig viele Fragezeichen

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  • Die deutsche Wirtschaft hat sich im dritten Quartal mit einem Wachstum von 0,3 Prozent für viele überraschend gut geschlagen, vor allem dank eines robusten privaten Konsums.

  • —Der deutsche Leitindex Dax hat seit seinem Jahrestiefpunkt Ende September deutlich zugelegt, das dürfte das weitere Kurspotenzial begrenzen.

  • Die wirtschaftliche Entwicklung und damit letztlich auch die Aktienmärkte hängen in Deutschland stark von den Energiepreisen und den Beziehungen zu China ab, dem wichtigsten Handelspartner.

Aktien Eurozone

Günstige Bewertungen allein kein ausreichendes Kaufargument

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  • An den Belastungsfaktoren für die europäische Wirtschaft hat sich nichts geändert: Nach wie vor kämpfen viele Industriezweige mit den hohen Energiekosten.

  • Die Bewertung des Euro Stoxx 50 liegt derzeit deutlich unter dem Durchschnitt der vergangenen fünfzehn Jahre. Auch ist der Abschlag zu US-Titeln weit überdurchschnittlich hoch.

  • Günstige Bewertungen sind für sich genommen noch kein Kaufargument. Die Unsicherheit ist momentan weiter sehr hoch. Solide Dividendentitel und Rohstoffaktien bleiben interessant.

 

Aktien Schwellenländer

Viel Negatives in den Kursen bereits eingepreist - langfristig gute Chancen

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  • Der starke Dollar, die deutlich gestiegenen US-Zinsen, der Krieg Russlands in der Ukraine mit seinen negativen Auswirkungen auf die weltweite Nachfrage und Chinas andauernde Immobilienkrise haben die meisten Schwellenländerbörsen im laufenden Jahr stark belastet.

  • In den Kursen scheint bereits sehr viel der negativen Entwicklungen eingepreist. Mittel- bis langfristig dürften die meisten Schwellenländer deutliches Aufholpotenzial haben, falls die Geopolitik nicht dazwischen funkt.

Legende

Die strategische Sicht bis September 2023
Die Anzeigen signalisieren, ob wir eine Aufwärtsentwicklung, eine Seitwärtsentwicklung oder eine Abwärtsentwicklung der
betreffenden Anlageklassen erwarten. Sie geben das kurzfristige und langfristige Ertragspotenzial für Investoren an.
Quelle: DWS Investment GmbH; CIO Office, Stand: 07.09.2022

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  • Positives Ertragspotenzial
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  • Gewinnchancen, aber auch Verlustrisiken sind eher begrenzt
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  • Negatives Ertragspotenzial

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