09. Aug 2022 Marktausblick

Zu früh für eine Entwarnung

Marktausblick | Markt & Makro

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_ Die Tendenz der letzten Monate hat sich auch im Juli fortgesetzt: Die Kurse von Aktien und Anleihen entwickelten sich in die gleiche Richtung – dieses Mal glücklicherweise stramm nach oben.

_ Ist das eine Trendwende an den zuletzt arg gebeutelten Märkten? „Ich denke nicht“, sagt Stefan Kreuzkamp, Chefanlagestratege der DWS. „Wir haben nach wie vor sehr viele Unsicherheiten an den Märkten.

_ Die Wachstumsaussichten sind nicht gerade rosig, die Inflationsgefahren alles andere als gebannt, sodass die Zentralbanken wohl weiterhin an der Zinsschraube drehen werden.“ Dazu kommen die politischen Unsicherheiten aufgrund von Russlands Angriffskrieg gegen die Ukraine.

_ Wegen der saisonal niedrigen Liquidität an den Märkten sei weiterhin mit starken Ausschlägen an den Märkten zu rechnen. „Wir bleiben bei unserer vorsichtigen Haltung gegenüber Aktien“, sagt Kreuzkamp. „Die ermutigenden Trends für Risikoanlagen aus dem Juli sollten nicht einfach für den Rest des Jahres fortgeschrieben werden.“

Stefan Kreuzkamp

DWS-Chefanlagestratege & Mitglied der Geschäftsführung

Themen, die die Kapitalmärkte bewegen

 

Konjunktur: Dämpfer in den USA, Eurozone überrascht positiv

  • Gemischte Signale zum Zustand der US-Wirtschaft. Laut ersten Schätzungen ist die Wirtschaft im zweiten Quartal um 0,9 Prozent geschrumpft, nach 1,6 Prozent im ersten Quartal. Ob sich die USA damit in einer Rezession befindet, steht damit aber nicht fest, weil etwa der Arbeitsmarkt nach wie vor sehr stark läuft.
  • Positiv überrascht hat das Wachstum in der Eurozone. Haupttreiber für das Wachstum von 0,7 Prozent im zweiten Quartal war der Dienstleistungssektor, der sich nach den Covid-Einschränkungen der Vormonate deutlich erholt hat.

Inflation: Rekordhoch in der Eurozone – 2023 deutliche Entspannung erwartet

  • Die Inflationszahlen in der Eurozone erreichten im Juli mit 8,9% gegenüber dem Vorjahr überraschend ein neues Rekordhoch (Juni: 8,6 Prozent). Im nächsten Jahr dürfte die Preissteigerung signifikant zurückgehen, aber deutlich über den avisierten zwei Prozent bleiben. Wir rechnen mit 3,7 Prozent per Ende 2023.
  • Für die USA erwarten wir, dass die Inflationszahlen ebenfalls auf einem erhöhten Niveau bleiben werden. Die Zinserhöhungspolitik der Fed sollte aber dämpfend wirken.

Zinspolitik: Weitere Zinserhöhungen erwartet, trotz gemischter Signale zur Wirtschaftsdynamik

  • Um die hohe Inflation zu zügeln, hat die US-Notenbank die geld-politischen Zügel weiter angezogen und die Leitzinsen um 75 Basis-punkte erhöht. Auch wenn sich die wirtschaftliche Dynamik ab-schwächen sollte, sind weitere Zinserhöhungen wahrscheinlich, so lange die Inflation nicht deutlich zurückgeht.
  • Einen ersten Schritt zur Bekämpfung der Inflation ist auch die EZB mit der Leitzinserhöhung von 50 Basispunkten gegangen. Auch hier dürften weitere Zinsschritte folgen.

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    * Quellen: Kjell Kühne et al. “Carbon Bombs” - Mapping key fossil fuel projects, Energy Policy, Volume 166, 2022, DWS Investment GmbH; Chart of the Week: „Kohlenstoffbomben bedrohen das Weltklima“ Stand: 29.07.2022

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