17. Nov 2022 Marktausblick

Neue Bescheidenheit bei Aktien, Aussichten für Zinsanlagen verbessert

Marktausblick | Markt & Makro

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  • Dass die Notenbanken ihren Zinserhöhungszyklus schnell beenden und damit die   Aktienmärkte und speziell die besonders sensibel reagierenden Technologiewerte indirekt stützen, ist nicht zu erwarten. Die letzten Aussagen von US-Notenbankchef Powell und EZB-Präsidentin Lagarde lassen diese Interpretation derzeit nicht zu. „Wir glauben allerdings, dass die Zinserhöhungen nur zu einer leichten Rezession führen werden. Das ist die positive Seite“, sagt Björn Jesch, Chefanlagestratege der DWS. Die negative ist, dass das Wachstum in der Nachkrisenzeit für einen längeren Zeitraum deutlich schwächer ausfallen könnte als in der Vergangenheit. Denn gerade bei bislang so zuverlässigen Antriebskomponenten wie dem Globalisierungstrend und dem rasanten Wachstum der chinesischen Wirtschaft tun sich doch einige Fragezeichen auf.
  • Für die Aktienmärkte ist das ein schwieriges Umfeld. Die Gewinne dürften kaum zulegen können im nächsten Jahr. „Dafür gibt es mit Anleihen, speziell mit Unternehmensanleihen, wieder eine ernstzunehmende Alternative zu Aktien. Wobei es natürlich immer gilt, die geopolitischen Risiken im Auge zu behalten“, so Jesch.

Björn Jesch

Chief Investment Officer

Themen, die die Kapitalmärkte bewegen

 

Konjunktur: Positive Überraschungen bei den Wachstumsraten für das dritte Quartal

  • Das Konsumentenvertrauen ist in den USA im Oktober weiter zurückge-gangen. Die Wirtschaft ist allerdings nach zwei negativen Wachstumsraten im dritten Quartal mit 2,6 Prozent (annualisiert) gewachsen.

  • Das Wachstum in der Eurozone hat sich im dritten Quartal gut gehalten und um 0,2  Prozent zugelegt. Nur auf den ersten Blick positiv überraschen konnten die Wachstumszahlen in China für das dritte Quartal: +3,9 Prozent. Denn angesichts des schwachen Konsums scheint der weitere Ausblick verhalten.


Inflation: Hohe Energiepreise bleiben erst einmal eine große Belastung

  • Das entschiedene Handeln der US-Zentralbank und die Aussichten auf eine leichte Entspannung bei den Energiepreisen könnten für eine Beruhigung bei den US-Inflationszahlen sorgen.

  • Die Preise für Energie – Gas beispielsweise – sind in Europa zwar in den letzten Wochen deutlich gesunken. Aufgrund der vielen langlaufenden Lieferverträge kommt das bei den Verbrauchern aber kurzfristig nicht an. Wir rechnen bis auf Weiteres mit Energiepreisen, die doppelt so hoch sind wie vor der Krise.

Zinspolitik: Notenbanken reagieren mit weiteren Zinserhöhungen auf hohe Inflationszahlen

  • Anfang November hat die US-Notenbank Fed die Zinsen um weitere 0,75 Prozentpunkte auf 3,75 bis 4,00 Prozent erhöht. Das dürfte noch nicht das Ende der Zinserhöhungen sein. Allerdings könnten die nächsten Zinsschritte etwas kleiner ausfallen.

  • Auch in der Eurozone hat die Normalisierung der Geldpolitik Fahrt aufgenommen. Ende Oktober hat die Europäische Zentralbank die Leitzinsen um 75 Basispunkte erhöht. Die nach wie vor viel zu hohen Inflationsraten dürften auch 2023 weitere deutliche Zinsschritte nötig machen.

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    * Quelle: United Nations, Adaptation Gap Report 2022, 1. November 2022

     

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