22. Mrz 2022 Marktausblick

Extrem hohe Unsicherheit führt zu Neubewertungen an den Märkten

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Die Bank of England hat es bereits zum zweiten Mal getan, die US-Notenbank hat es angekündigt: Innerhalb von vier Wochen hat sich die Welt dramatisch verändert. Nichts scheint mehr so, wie es eben noch war. „Der Angriffskrieg Putins auf die Ukraine bringt nicht nur schwer erträgliches menschliches Leid. Er führt auch zu bis vor Kurzem kaum vorstellbaren wirtschaftlichen Verwerfungen und als Konsequenz zu Neubewertungen an den Kapitalmärkten“, sagt Chefanlagestratege Stefan Kreuzkamp.

Als Folge dieser Entwicklungen haben wir unsere Kursziele überarbeitet, wohl wissend, dass die Prognosen von heute morgen schon obsolet sein können. Dazu ist der weitere Verlauf des Konflikts einfach unberechenbar. Das Risiko, eine Erholungsrally zu verpassen, scheint ähnlich hoch zu sein, wie eine weitere Korrektur an den Märkten. Neben der dramatischen Entwicklung in der Ukraine gibt es dieses Jahr noch ein weiteres großes Fragezeichen für die Märkte: Wie werden die Notenbanken mit den stark gestiegenen Inflationszahlen und -Erwartungen umgehen, angesichts der gestiegenen Risiken für das Wirtschaftswachstum. „Trotz aller Widrigkeiten bleiben Aktien mittel- bis langfristig aber unsere bevorzugte Anlageklasse“, so Kreuzkamp.

Stefan Kreuzkamp

DWS-Chefanlagestratege & Mitglied der Geschäftsführung

Themen, die die Kapitalmärkte bewegen

 

Wirtschaftswachstum: Einbruch erwartet, aber keine Rezession

  • Die Wirtschaft dürfte wegen des Russland-Ukraine-Konflikts einbrechen. Eine Rezession dürfte wegen der hohen Investitionen in Energieinfrastruktur, Lagerhaltung und Sicherheitstechnik aber vermieden werden.
  • Für die Eurozone erwarten wir mit 1,6 Punkten den stärksten Rückgang des Wachstums im laufenden Jahr (2,8 statt bisher 4,4 Prozent). Wohl deutlich geringer betroffen sind: die USA, Japan und China.

Inflation: Der starke Preisauftrieb setzt sich fort

  • Der drastische Anstieg der Energiepreise hat die Inflationsrate in der Eurozone schon im Februar weiter
    nach oben gedrückt (5,8 Prozent). In den USA stieg die Inflationsrate im Februar sogar auf 7,9 Prozent.
  • Der Anstieg dürfte sich fortsetzen, besonders in der Eurozone, für die wir 2022 eine Inflationsrate von 8,0 (bisher: 4,3) Prozent erwarten. In anderen Regionen dürfte die Inflation dieses Jahr ebenfalls zulegen, aber längst nicht so stark: USA: 4,7 (bisher: 3,7), China 2,8 (bisher: 2,2) und Japan 1,8 Prozent (bisher 0,9).

Zinspolitik: EZB zieht Zügel leicht an, bleibt aber deutlich hinter US-Notenbank zurück

  • Überraschenderweise geht die EZB einen kleinen Schritt in Richtung straffere Geldpolitik. Auf ihrer letzten Sitzung kündigte sie an, im dritten Quartal aus dem Anleihekaufprogramm auszusteigen. Schnelle Zinserhöhungen sind dagegen, anders als in den USA, weiterhin nicht geplant.
  • In den USA steht im März die erste einer Reihe von Zinserhöhungen durch die US-Notenbank Fed an. Der
    Inflationsdruck ist noch höher als in der Eurozone und vor allem breiter verteilt.

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