16. Feb 2024 Marktausblick

DWS Marktausblick - Febuar 2024

„Wir bleiben derzeit bei unseren Zielwerten für Aktien und Anleihen, die wir Ende 2023 für das Anlagejahr 2024 ausgegeben haben“, sagt Björn Jesch, Global CIO. Japan ist die einzige Region, in der die Gewinnerwartungen für Unternehmen nach oben gegangen sind.

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„Wir sind weiter positiv gestimmt für japanische Aktien“

#1 Markt & Makro

  • Die USA haben auch Anfang des Jahres positiv überrascht – mit einem guten Wirtschafts- wachstum im vierten Quartal 2023, positiven Konjunkturindikatoren, rückläufigen Inflations-raten sowie niedrigen Arbeitslosenzahlen. „Es sieht derzeit so aus, als wenn wir bei der US-Wirtschaft lediglich mit einer Schwächephase im zweiten Quartal rechnen müssen. Einen starken Einbruch erwarten wir nicht“, sagt Björn Jesch, Global CIO. Für Risikoanlagen seien das erst einmal gute Nachrichten. „Wir sehen keine große Gefahr für das erwartete Gewinnwachstum von Aktien. Zudem dürften sich die Risiken bei Unternehmensanleihen ebenfalls in Grenzen halten“, so Jesch.
  • Allerdings sei eine sanfte Landung der US-Wirtschaft und eine weitere Einhegung der Inflation keine ausgemachte Sache. Dazu seien die Risiken, insbesondere die geopolitischen, einfach zu hoch. „Wir bleiben derzeit bei unseren Zielwerten für Aktien und Anleihen, die wir Ende 2023 für das Anlagejahr 2024 ausgegeben haben. Das bedeutet, dass unser erwartetes durchschnittliches Rendite-potenzial auf einen niedrigen einstelligen Bereich gesunken ist“, so Jesch. Positiv gestimmt bleibt er für japanische Aktien, trotz der jüngsten Kursrallye. Denn Japan sei die einzige Region weltweit, in der die Gewinnerwartungen für die Unternehmen nach oben gegangen seien. Für US-Titel sieht er nach der starken Kursentwicklung – der S&P 500 hat seit Oktober 2023 um fast 20 Prozent zugelegt – eher wieder gestiegene Abwärtsrisiken

Björn Jesch

Chief Investment Officer

Themen, die die Kapitalmärkte bewegen

Konjunktur: Rezession in Eurozone vermieden, USA halten sich vergleichsweise gut

  • Die Eurozone hat im vierten Quartal eine technische Rezession vermieden, dank solider Wachstumsdaten in Spanien und Portugal und eines leichten Wachstums in Italien. In Deutschland ist die Wirtschaftsleistung im vergangenen Jahr um 0,1 Prozent zurückgegangen.
  • In den USA fielen die jüngsten Arbeitsmarktdaten positiver aus als von vielen erwartet. In China scheint das konjunkturelle Tal durchschritten.

Inflation: Nur zögerlicher Rückgang in der Eurozone

  • Die Inflationsrate in der Eurozone geht nur zögerlich zurück. Vor allem die Kernrate der Inflation ist zuletzt nur leicht auf 3,3 Prozent gesunken. Bei Dienstleistungen, die stark an der Lohnentwicklung hängen, hat sie sich nicht bewegt.

  • Für die USA erwarten wir eine langsame Abkühlung der Kerninflation, allerdings mit einem gewissen Aufwärtsrisiko. Für die Gesamtinflation bleiben Verbrauchsgüter ein Risikofaktor.

Notenbanken: US-Notenbank Fed und EZB bleiben vorsichtig in Sachen Zinsausblick

  • Die US-Notenbank gab sich zuletzt in Sachen Zinssenkungen vorsichtig. Zentralbankchef Jerome Powell betonte auf der jüngsten Notenbanksitzung zwar die Fortschritte bei der Bekämpfung der Inflation, warnte aber davor, ein Ende der hohen Inflation auszurufen. Die ersten Zinssenkungen in den USA erwarten wir im zweiten Quartal.
  • Ähnlich vorsichtig äußerte sich EZB-Präsidentin Christine Lagarde, die auf der Notenbanksitzung Ende Januar erklärte, dass eine Diskussion zu Zinssenkungen momentan verfrüht wäre. Wir erwarten keine Zinssenkungen vor Juni 2024.

Risiken: Weitere geopolitische Schocks

  • Die akuten politischen Krisen  – andauernder Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine und der Konflikt zwischen Hamas und Israel – und deren weitere Entwicklung sorgen weiterhin für erhebliche Unsicherheit.
  • Für Europa liegt ein Risikoszenario in einer geringeren Nachfrage aus China und den USA. Ein weiteres mögliches Risiko: Die Rückkehr der Energieprobleme.
  • Für die Schwellenländer ergeben sich zahlreiche Risiken aus der Geopolitik und den zahlreichen anstehenden Wahlen. Außerdem könnten die Zentralbanken durch einen starken Dollar daran gehindert werden, ihre Zinsen zu senken.





    Weitere Entwicklung der Unternehmensgewinne entscheidend

    #2 Aktien

    • Der Markt scheint auf den ersten Blick einfach so weiterzumachen wie letztes Jahr. Künstliche Intelligenz und Technologie waren auch in den ersten Wochen des Jahres 2024 schwer zu schlagen“, sagt Aktienfondsmanageri Madeleine Ronner. Allerdings zeige sich bei den glorreichen Sieben, den größten US-Unternehmen im S&P 500, dieses Jahr eine deutlichere Differenzierung. Je stärker die Marktstellung in Richtung Monopol gehe, desto besser schnitten die Unternehmen ab. Die gute Wertentwicklung bei diesen Titeln werde außerdem wesentlich von den positiven Gewinnrevisionen unterstützt. Sie sei deshalb deutlich mehr als nur ein Hype.
    • Dennoch trage natürlich auch die Sorge von Anlegern etwas zu verpassen dazu bei, dass die Aktien so gefragt seien. Die Kernfrage sei, ob die Unternehmen den Trend zu positiven Gewinnrevisionen aufrecht erhalten könnten, ob sie es also schafften, das hohe Wachstum zu halten. Es bestehe natürlich auch die Gefahr, dass irgendwann einmal das Gesetz der großen Zahlen greife, soll heißen, dass es angesichts der hohen Umsätze und Gewinne für diese Unternehmen schwieriger wird, die prozentualen Steigerungsraten aufrecht zu halten. Abseits der glorreichen Sieben sei die gegenwärtige Bereitschaft des Marktes, Momentum-Aktien ungeachtet ihrer Bewertungen zu kaufen, durchaus ein Anlass zur Sorge.Im Industriesektor profitiere die US-Wirtschaft von staatlichen Initiativen zur Reindustrialisierung und den damit einhergehenden Förderungen.
    • „Hier haben die US- momentan einen Vorteil gegenüber Europa“, so Ronner. Grund zur Hoffnung gäben die zuletzt veröffentlichten US-Einkaufsmanagerindizes. So lagen die Auftragseingänge seit August 2022 erstmalig wieder im expansiven Bereich. Wenn sich das fortsetze, sei das ein positives Zeichen für zyklische Unternehmen. Als aussichtsreich erachtet Ronner beispielsweise Unternehmen, die sich dem Thema Elektrifizierung verschrieben haben. Ein weiterer Sektor mit Potenzial: die kommerzielle Luft- und Raumfahrt.

    Madeleine Ronner

    Aktienmärkte sind recht ambitioniert bewertet

    Kurs-Gewinn-Verhältnis auf Basis der für 2024 erwarteten Gewinne

    Aktien USA

    Kurzfristig dürfte das Abwärtsrisiko überwiegen

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    • Die Anleiherenditen in den USA dürften das Kurs-Gewinn-Verhältnis beim S&P 500 unter 20 halten. Das schränkt den Spielraum für Kurssteigerungen aufgrund höherer Bewertungen stark ein.
    • Angesichts der guten Wertentwicklung des S&P 500 in den letzten Monaten sehen wir kurzfristig eher ein Abwärtsrisiko für die Kurse.

     

    Aktien Deutschland

    Geringes Kurspotenzial beim derzeitigen hohen Kursniveau

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    • Der deutsche Aktienindex zeigt sich weiterhin recht autonom von der wirtschaftlichen Entwicklung in Deutschland. Jüngste Zahlen zeigen, dass die deutsche Wirtschaft im Jahr 2023 mit 0,1 Prozent leicht geschrumpft ist. Der Dax hingegen konnte weiter zulegen und erreichte zuletzt mit 17.050 Punkten ein neues Rekordhoch.
    • Wir sehen bei diesem Kursniveau auf Jahressicht wenig Chancen auf weitere Kursgewinne. Dazu müssten unter anderem die Unternehmensgewinne deutlich besser ausfallen als bislang erwartet.

     

    Aktien Europa

    Rückstand auf US-Unternehmen beim Ertragswachstum dürfte sich verringern

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    • Die Ertragssituation europäischer Unternehmen hat sich in den letzten zwei Jahren deutlich erholt. Wir erwarten, dass sich die Differenz beim Ertragswachstum zwischen dem europäischen und dem US-Markt voraussichtlich verringern wird.
    • In den Bewertungen ist diese erwartete Entwicklung noch nicht eingepreist. Europäische Aktien handeln nach wie vor mit einem deutlich überdurchschnittlich hohen Abschlag zu US-Titeln.

     

    Aktien Schwellenländer:

    Indien derzeit aussichtsreicher als China

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    • Unter den Schwergewichten in Asien scheint der indische Aktienmarkt derzeit attraktiver als der chinesische, auch wenn die Kurse in Mumbai schon deutlich gestiegen und die Bewertungen nicht mehr gerade günstig sind.
    • Die chinesischen Wirtschaftsdaten fielen nach wie vor durchwachsen aus. Maßnahmen des Staates zur Belebung des staatlichen Konsums blieben bisher hinter den Erwartungen der Anleger zurück.

    Zinsanlagen wieder wichtiger Rendite-Baustein in einem Portfolio

    #3 Anleihen

    • „Wie stark sich die Anlagewelt verändert hat, zeigt sich, wenn man der Frage nachgeht, mit welcher Vermögensaufteilung Anleger gute Chancen haben, eine Zielrendite von vier Prozent zu erwirtschaften“, sagt Vera Fehling, CIO Westeuropa. In der Niedrigzinsphase musste man zu 100 Prozent auf Aktien gehen, um dieses Ziel zu erreichen. Inzwischen hat sich die Situation deutlich gedreht. „Bei unserer aktuellen Allokation für ein global ausgerichtetes Marktportfolio gehen wir davon aus, dass Anleihen den größten Part einnehmen sollten, circa 41 Prozent. Aktien sind auf Platz zwei zurück-gefallen und liegen etwa gleichauf mit Cash/kurzlaufenden Anleihen, jeweils knapp 28 Prozent.“ Für Anleger sei das eine gute Nachricht, denn sie müssten wesentlich weniger Risiken eingehen, um eine derartige Rendite zu erwirtschaften.
    • Ein vielversprechender Renditebringer dürften Euro-Unterneh-mensanleihen guter Qualität sowie asiatische Unternehmens-anleihen sein. Mehr Vorsicht scheint bei europäischen Hochzinsanleihen geboten. Die starke Kursrallye der vergangenen Wochen hat sie deutlich unattraktiver gemacht. Die Zinsaufschläge dürften – zumindest teilweise – die Risiken nicht adäquat berücksichtigen.

    Vera Fehling

    Anleihen wieder wichtige Renditebringer

    Musterallokation für eine Zielrendite von vier Prozent


    Staatsanleihen USA (10 Jahre)

    Kurze Laufzeiten attraktiver als lange

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    • Die US-Notenbank Fed dürfte mit ihren Zinserhöhungen durch sein.
    • Die für dieses Jahr erwarteten Zinssenkungen dürften sich insbesondere positiv auf kurzlaufende Anleihen auswirken.

     

    Staatsanleihen Deutschland (10 Jahre)

    Derzeit geringe Chancen auf Kursgewinne

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    • Für die Eurozone erwarten wir keine Zinssenkungen vor Juni 2024.
    • Wir erwarten, dass zehnjährige Bundesanleihen in den nächsten Monaten in etwa auf dem derzeitigen Renditeniveau von 2,3 Prozent handeln werden.

     

    Staatsanleihen Schwellenländer

    Staatsanleihen aus Asien aussichtsreich

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    • Eine robuster als erwartete Wirtschaftsent-wicklung in den USA dürfte die Schwellenländer stützen.
    • Unsere Favoriten sind derzeit Anleihen asiatischer Schwellenländer.

     

    Unternehmensanleihen

    Investment Grade

    USA
    Eurozone
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    High Yield

    USA
    Eurozone
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    Euro könnte kurzfristig etwas schwächer notieren

    #4 Währungen

    Euro/Dollar

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    • Die zuletzt veröffentlichten Wirtschaftsdaten aus den USA sind etwas besser ausgefallen als erwartet, die wirtschaftliche Schwäche der Eurozone wird wohl länger anhalten als in den USA.
    • Die relative Stärke der US-Wirtschaft gegenüber der Eurozone spricht in den nächsten Monaten eher für einen leicht schwächeren Euro.

    Goldpreis – Rückenwind in der zweiten Jahreshälfte erwartet

    #5 Alternative Anlagen

    Gold

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    • Wir bleiben auf Jahressicht positiv für die Entwicklung des Goldpreises. Stützen dürften gleich mehrere Faktoren: Die erwarteten Zinssenkungen der US-Notenbank, die geopolitischen Risiken und die damit verbundene Suche nach risikoärmeren Anlagen sowie vermehrte Goldkäufe der Notenbanken.
    • In der zweiten Jahreshälfte2024  könnte sich der Goldpreis in Richtung 2.300 Dollar pro Feinunze bewegen.

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    • Gewinnchancen, aber auch Verlustrisiken sind eher begrenzt
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    • Negatives Ertragspotenzial

    Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, welche sich als falsch herausstellen können. Wertentwicklungen in der Vergangenheit sind kein verlässlicher Indikator für die zukünftige Wertentwicklung. Quelle: DWS Investment GmbH, Stand: 09.02.2024

     

     

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