13. Dez 2021 Marktausblick

„Anleger sollten ihren Instrumentenkasten erweitern“

Marktausblick | Multi Asset & Immobilien

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„Anleger sollten ihren Instrumentenkasten erweitern“

Anleihen verlieren zusehends ihre Funktion als Stabilisator in einem Portfolio. Die letzten Jahre waren geprägt von steigenden Kursen von Aktien und Anleihen. „Doch diese schöne Anlegerwelt dürfte sich dem Ende zuneigen“, warnt Björn Jesch, Global Head of Multi Asset & Solutions und Chefanlagestratege EMEA. Das höhere Inflationsniveau und in der Folge steigende Renditen könnten für Anleger, die verstärkt auf Staatsanleihen als Diversifikationsinstrument in ihrem Portfolio setzen, unangenehme Folgen haben. „Bei Bundesanleihen gehen wir davon aus, dass ihre Rendite bis zum Ende des nächsten Jahres um etwa 0,5 Prozentpunkte auf plus 0,2 Prozent steigen dürfte“, so Jesch. Dieser vergleichsweise geringe Renditeanstieg würde zu einer negativen Rendite von 3,4 Prozent führen. Dieses Risiko sollten Anleger nach Möglichkeit vermeiden oder zumindest minimieren. Je nachdem, wie sich Wachstum und Inflation entwickelten, spielten unterschiedliche Anlageklassen ihre Stärken aus. Generell gelte: In Zeiten steigender Inflation sind Value-Aktien sowie börsennotierte Infrastrukturunternehmen oder Rohstoffe vorteilhaft, da sie in der Regel eine hohe Korrelation zur Inflation aufwiesen. Bei anziehendem Wachstum und abnehmender Inflation profitierten eher Wachstumsaktien und börsennotierte Immobilienaktien. Um sich gegen eine überraschend hohe Inflation zu wappnen, seien liquide alternative Anlagen wie börsennotierte Infrastrukturunternehmen oder Rohstoffe besonders gut geeignet. Fazit des Multi-Asset-Experten: „Der Instrumentenkasten sollte deutlich ausgebaut werden, um die Herausforderungen, die die Märkte für Anleger bereithalten könnten, gut zu meistern.“

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Björn Jesch

Global Head of Multi Asset & Solutions und Chefanlagestratege EMEA

Bezahlbarer, nachhaltiger Wohnraum im Fokus

„Die Aussichten für Immobilieninvestments im Jahr 2022 sind gut“, so Jessica Hardman, Head of European Real Estate Portfolio Management. Die Anlageklasse Immobilien bleibe attraktiv in einem Umfeld von realen Renditen nahe oder unter der Nulllinie. Daran ändere auch die steigende Inflation nichts. Viele der langfristig laufenden Mietverträge seien an die Inflationsentwicklung gekoppelt, so dass Anleger hier nur geringen Risiken ausgesetzt seien. Auch sei ein Anstieg der langfristigen Zinsen für die Branche gut verkraftbar, solange dieser seine Ursache in einem besserem Wachstum habe. Beim Thema Nachhaltigkeit, das bei Immobilien massiv an Bedeutung gewinne, komme, wie in vielen anderen Segmenten der Wirtschaft, der technologischen Entwicklung einen entscheidende Rolle zu. „Der technologische Fortschritt und die Sammlung und Auswertung von Daten sind entscheidend für eine nachhaltigere Immobilienwirtschaft“, so Hardman. Mit Hilfe von Big Data ändere sich die Art und Weise, wie Gebäude verwaltet und unterhalten werden. Hardman sieht zwei Trends am Immobilienmarkt, die in den nächsten Jahren für Anleger besonders interessant sein könnten. Im Wohnimmobilienmarkt steige die Nachfrage nach bezahlbarem und nachhaltigem Wohnraum. Denn in den letzten zehn Jahren seien Hauspreise und Mieten deutlich stärker gestiegen als die Haushaltseinkommen. Im Bereich der Büroimmobilien habe die Nachfrage nach modernen, umweltfreundlichen Büros, die auf die Bedürfnisse der jungen Generation besonders eingehen, deutlich zugelegt. Dieser positiven Entwicklung stehe allerdings der von der Covid-19- Pandemie ausgelöste Trend zum Heimarbeitsplatz gegenüber, der zu einem Nachfragerückgang in Teilsegmenten des Büroimmobilienmarktes geführt habe. Unter Renditeaspekten seien beide Segmente äußerst attraktiv. Im Bereich des nachhaltigen, bezahlbaren Wohnraums seien Gesamtrenditen von 5 bis 6 Prozent pro Jahr möglich und damit 0,5 bis 1,5 Prozentpunkte mehr als mit Wohnimmobilien im Durchschnitt erreichbar seien. Für Büroimmobilien für die junge Generation seien die Aussichten sogar noch etwas besser: Hier liegen die Renditeerwartungen bei 7 bis 9 Prozent pro Jahr und damit um 3,5 bis 5,5 Prozentpunkte über den durchschnittlich erzielbaren Renditen im gesamten Segment.

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* 100 Basispunkte entsprechen einem Prozentpunkt. Prognosen basieren auf Annahmen, Schätzungen, Ansichten und hypothetischen Modellen oder Analysen, die sich als falsch herausstellen können. Quelle: DWS Investment GmbH, Stand: 10.12.2021

Jessica Hardman

Head of European Real Estate Portfolio Management

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