05. Aug 2019 Zinsanlagen

Anleihen – diese 5 Fehler sollten Zinsanleger vermeiden

Anleihen gehören in ein ausgewogenes Portfolio, trotz der Niedrigzinsen. Doch sollten Anleger aber einige Punkte beachten.

  • Auch niedrig verzinste Anleihen haben ihre Berechtigung im Portfolio
  • Anleger sollten bei Zinsanlagen immer auch die reale Rendite, also die Rendite nach Inflation, im Auge haben
  • Ähnlich wie bei Aktien sollten Anleger auch bei Anleihen die finanzielle Situation des Emittenten kennen
3 Minuten Lesezeit

Anleger, die auf geringes Risiko bedacht sind, investieren häufig einen Teil ihres Vermögens in Anleihen. Tatsächlich können Zinspapiere eine sinnvolle Ergänzung für das eigene Portfolio sein. Anleihen und Aktien entwickeln sich in bestimmten Börsenphasen oft gegenläufig, sodass die Verluste der einen Anlagegattung mit Gewinnen aus der anderen Kategorie ausgeglichen werden können. Zudem können regelmäßige Zinserträge von festverzinslichen Wertpapieren für zusätzliche Stabilität im Depot sorgen.

Als besonders risikoarm gelten Staatsanleihen und Unternehmensanleihen aus dem Investment-Grade-Bereich. Das sind Zinspapiere, denen Ratingagenturen wie Morningstar oder Moodys ein besonders geringes Ausfallrisiko bescheinigen. Allerdings gibt es diese Zuverlässigkeit nicht umsonst. Anleger müssen sich bei solchen Papieren in der Regel mit niedrigen Zinserträgen zufriedengeben, die in extremen Fällen sogar ins Negative rutschen können. Anleger bezahlen in diesen Fällen also sogar dafür, dass sie sich diese Papiere mit geringerem Risko ins Depot legen dürfen.

Alles in allem kann eine Investition in Anleihen, die häufig auch als Renten bezeichnet werden, durchaus sinnvoll sein. Voraussetzung ist allerdings, dass Anleger einige typische Fehler vermeiden.

Zwischenzeitliche Kursverluste sollten langfristig orientierte Anleger nicht zu beunruhigen.

1. Nicht hektisch auf kurzfristige Zinsschwankungen reagieren

Die Entwicklung der Leitzinsen hat großen Einfluss auf die Anleihekurse. Steigen die Zinsen, sinken die Kurse vieler Anleihen, und umgekehrt. Bei einer Direktinvestition in Anleihen sind diese Schwankungen über die Laufzeit einer Anleihe unausweichlich.

Aber ähnlich wie bei der Investition in Aktien, gilt auch hier: Geduld zahlt sich aus. Hält ein Investor die Anleihe bis zu ihrer Fälligkeit am Laufzeitende, wird ihm der volle Nennwert der Anleihe ausgezahlt. Somit erzielt er die beim Kauf versprochene Rendite und die zwischenzeitlichen Kursschwankungen haben keinen Einfluss auf das Endergebnis.

Anders sieht es bei einem vorzeitigen Verkauf aus. In diesem Fall kann der Investor je nach Kursentwicklung die Papiere mit einem zusätzlichen Gewinn, aber eben auch mit einem Verlust verkaufen. Kalkulierbarer ist es daher, die Anleihe bis zum Fälligkeitsdatum zu halten.


Zum Artikel: "Zinssenkungen dürften Renditen bröckeln lassen"

2. Vorteile kurz laufender Anleihen bei flacher Zinskurve nicht überschätzen

Bei einer flachen Zinskurve lassen sich manche Investoren dazu verleiten, von Anleihen mit langen Laufzeiten in kurz laufende Papiere zu wechseln. Von einer flachen Zinskurve sprechen die Experten, wenn Anleihen mit kurzen Laufzeiten eine ähnliche Verzinsung aufweisen wie solche mit langen Laufzeiten. Warum sollte ein Anleger in einer solchen Situation sein Vermögen lange binden, wenn er dafür nicht zusätzlich entlohnt wird?

Die Antwort hängt mit der Risikostreuung im Portfolio zusammen. Denn einige der typischen Motive für Käufer von Anleihen sind nun mal Motive wie wenig Risiko und Stabilität. Bricht der Aktienmarkt ein, steigen häufig im Gegenzug die Kurse langlaufender Rentenpapiere und können so mögliche Kursverluste tendenziell kompensieren. Wer vorzeitig in Kurzläufer wechselt, gibt diesen Vorteil aus der Hand.

Anleihen mit langer Laufzeit sind als Stabilisatoren meistens besser geeignet als Kurzläufer.

3. Inflation nicht ignorieren

Weitaus wichtiger als die kurzfristige Zinsentwicklung ist für Anleiheinvestoren der Blick auf die Teuerungsrate. Insbesondere bei langlaufenden Anlagen besteht die Gefahr, dass die Inflation die Erträge über die Zeit auffrisst.

In Deutschland bewegt sich die Inflationsrate seit 2017 zwischen einem und zwei Prozent. Zuletzt stieg der Verbraucherpreisindex auf 1,6 Prozent im Vergleich zum Vorjahr[1]. Eine Anleihe, die beispielsweise eine Laufzeit von zehn Jahren hat und bis zum Ende der Laufzeit gehalten werden soll, sollte daher eine Verzinsung von mindestens zwei Prozent aufweisen. Anleger, die sich mit geringen Verzinsungen zufriedengeben und die Inflation nicht berücksichtigen, verlieren unterm Strich einen Teil ihres Vermögens.

Allerdings kann es durchaus sinnvoll sein, eine gering verzinste Anleihe in ein breit aufgestelltes Portfolio aufzunehmen. Zum Beispiel, um dadurch für eine bessere Risikoverteilung zu sorgen. In diesem Fall sollten aber andere Vermögensklassen wie zum Beispiel Aktien oder Hochzinsanleihen dafür sorgen, dass die Gesamtrendite des Portfolios die Inflation übertrifft.

4. Risiken von Hochzinsanleihen nicht unterschätzen

Hochverzinsliche Rentenpapiere, sogenannte High-Yield-Anleihen, locken mit hohen Zinsen. Allerdings ist mit diesem attraktiv erscheinenden Zinsversprechen immer auch ein höheres Risiko verbunden. Die Emittenten der Anleihen könnten in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten und ihre Versprechen auf Zinszahlungen und Rückzahlung der Schuldscheine nicht einhalten. Anleger sollten in diesen Fällen genau schauen, ob die höhere Verzinsung das Risiko Wert ist.

Sollen Anleihen das Portfolio stabilisieren, sollten High-Yield-Papiere nur in geringem Maße beigemischt werden. Das gilt insbesondere für Unternehmensanleihen. Denn geht es an den Aktienmärkten abwärts, tun sich Unternehmen oft auch schwer, ihre Schulden zu bedienen. Die Risiken steigen also in beiden Vermögensklassen parallel. Damit vermindert sich der stabilisierende Effekt der Anleihen. Staatsanleihen und Unternehmensanleihen mit Investment Grade profitieren dagegen häufig von sinkenden Aktienmärkten, sind aber vergleichsweise niedriger verzinst.


Zum aktuellen DWS-Marktausblick für Anleihen



Höhere Renditen gehen in der Regel mit höheren Risiken einher.

Kontrolle ist besser: Vor jedem Investment sollten sich Anleger ein eigenes Bild von den Emittenten der Anleihen machen.

5. Ratings nicht blind vertrauen

Nur weil eine Anleihe von den Ratingagenturen als besonders sicher eingestuft wird, bedeutet das nicht, dass jegliche Ausfallrisiken damit ausgeschlossen sind. Ratingagenturen können sich irren. Außerdem reagieren sie oft relativ langsam auf neue Entwicklungen. Anleger sollten deshalb keinesfalls darauf verzichten, sich vor einem Engagement selber ein Bild von der wirtschaftlichen Lage des Emittenten zu verschaffen. Sind die fundamentalen Daten solide? Ist das wirtschaftliche Umfeld in Ordnung? Gab es in jüngster Zeit Entwicklungen, die den wirtschaftlichen Erfolg des Emittenten beeinträchtigt haben könnten? Erst wenn diese Fragen zur Zufriedenheit beantwortet sind, sollten Anleger ein Engagement ernsthaft in Erwägung ziehen.

Fazit

Anleihen können zur Risikostreuung beitragen. Eine genaue Auswahl ist aber auch bei Anleihen entscheidend. Anleger sollten dabei insbesondere die Inflation sowie die Fundamentaldaten des Emittenten im Blick behalten. Wer ruhig schlafen möchte, sollte zudem langfristig denken und die Anleihen trotz Zinsschwankungen bis zur Fälligkeit halten.

Um die Ausfallrisiken zu mindern, sollten Anleger zudem auch im Anleihen-Segment nicht alles auf eine Karte setzen. Eine möglichst große Streuung vermindert das Risiko deutlich und führt in der Regel langfristig zu mehr Ertrag. Dafür bieten sich insbesondere Rentenfonds an. Im Gegensatz zum Kauf von einzelnen Anleihen profitieren Anleger von einer besseren Diversifikation. Zudem übernehmen Fondsmanager die Aufgabe, die einzelnen Anleihen zu bewerten und auszuwählen. Die DWS bietet Anlegern ein breites Portfolio an verschiedenen Rentenfonds an.


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