18. Mai 2020 Aktien

Dividenden in Coronazeiten: Auf die Branche kommt es an

Der Shutdown der Wirtschaft hinterlässt Spuren: Immer mehr Unternehmen kürzen die Dividende oder streichen sie komplett. Welche Sektoren es am heftigsten trifft und wo Anleger auch in Coronazeiten mit Ausschüttungen rechnen können: Thomas Schüßler, Fondsmanager des DWS Top Dividende, gibt Antworten.

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"Es wird auch in der Coronakrise Unternehmen geben, die Dividenden zahlen oder sogar die Dividende erhöhen. "

Thomas Schüßler, Fondsmanager DWS Top Dividende

Kommt es für Sie überraschend, dass immer mehr Unternehmen ihre Ausschüttungen kürzen beziehungsweise streichen?

Überhaupt nicht. Unternehmen mit zyklischen Geschäftsmodellen stehen vor teils schweren Gewinneinbrüchen. Dividendenkürzungen sind daher eine logische Konsequenz. Aber die gute Nachricht ist: Es wird auch in der Coronakrise Unternehmen geben, die Dividenden zahlen oder sogar die Dividende erhöhen. Es kann aber sinnvoll sein, wenn Unternehmen in der aktuell schwierigen Phase einen Teil ihres Gewinns einbehalten – etwa dann, wenn damit die Existenz beziehungsweise der Geschäftsbetrieb sichergestellt werden kann.

 

Wie heftig trifft es die zyklischen Sektoren?

Hier müssen Unternehmen den Rotstift ohne Zweifel häufiger ansetzen als Unternehmen, deren Ertragslage weniger stark vom Konjunkturzyklus abhängt. Viele Automobilhersteller, Automobilzulieferer, Industriefirmen, aber auch Unternehmen aus den Bereichen Tourismus, Luftfahrt und Mode haben ihre Dividendenzahlung bereits gekürzt oder komplett gestrichen.

Wo brauchen Anleger sich in diesem Jahr keine Hoffnung auf Dividenden machen?

Nehmen Sie zum Beispiel die Banken in der Eurozone: Diese werden mit großer Wahrscheinlichkeit aufgrund der regulatorischen Vorgaben in diesem Jahr keine Dividenden zahlen – unabhängig davon, ob die jeweilige Bank aufgrund ihrer Gewinnentwicklung oder Bilanzqualität in der Lage wäre, einen Teil ihres Gewinns auszuschütten. Darüber hinaus werden viele Unternehmen, die infolge der Coronakrise Staatshilfen in Anspruch nehmen, ebenfalls keine Dividenden auszahlen.

Thomas Schüßler

Fondsmanager DWS Top Dividende

Die Aussichten sind aber nicht überall so düster, oder?

Es werden nicht alle zyklischen Sektoren gleich stark in Mitleidenschaft gezogen. Bei Rohstoffen und Energie wird nur ein Teil der Unternehmen betroffen sein. Und: Es gibt auch Sektoren, in denen Dividendenzahlungen im Vergleich zum Vorjahr höchstwahrscheinlich zulegen können. Dazu gehören Gesundheit, nicht-zyklischer Konsum, Telekommunikation, Versicherer und regulierte Versorger.

 

Können Sie schon abschätzen, wie hoch der Prozentsatz der Unternehmen sein wird, die ihre Dividenden kürzen werden?

Das ist aktuell schwer zu sagen, da wir die volle Wucht der Coronakrise noch nicht abschätzen können. Aber wenn sich die aktuelle Situation nicht verschlimmert, dann rechne ich mit ähnlich starken Dividendenkürzungen wie zu Zeiten der globalen Finanzkrise 2008/2009. Damals haben weltweit rund 25 Prozent der Unternehmen ihre Dividendenzahlung gekürzt oder gestrichen. Allerdings sollten die Dividendenkürzungen deutlich geringer ausfallen als der erwartete Gewinneinbruch, der bei 40 bis 50 Prozent liegen dürfte.

"Wir schätzen, dass gut 20 Prozent der US-Unternehmen ihre Dividenden kürzen werden."

Thomas Schüßler, Fondsmanager DWS Top Dividende

Sind bestimmte Regionen stärker von Dividendenkürzungen betroffen als andere?

Wir schätzen, dass gut 20 Prozent der US-Unternehmen ihre Dividenden kürzen werden. In Europa gehen wir von 40 bis 50 Prozent aus.

 

Wie lässt sich diese starke Diskrepanz zwischen den USA und Europa erklären?

Zum einen hat der Unterschied mit der absoluten Höhe der Dividendenzahlungen zu tun. Zum anderen mit der Sektor-Zusammensetzung der jeweiligen Indizes. Die absolute Dividendenrendite am US-Aktienmarkt liegt bei rund 2 Prozent. In Europa ist sie fast doppelt so hoch. In den USA machen Unternehmen mehr Gebrauch von Aktienrückkaufprogrammen. Auch wenn diese zwar teilweise auch ausgesetzt wurden, reagiert der Aktienmarkt darauf oft schwächer als auf Dividendenkürzungen. Und: In europäischen Aktienindizes sind vergleichsweise mehr Unternehmen aus zyklischen Sektoren vertreten – wie Banken, Industrie, zyklischer Konsum und Energie. Somit ist die Wahrscheinlichkeit einer möglichen Dividendenkappung in Europa während einer Rezession deutlich höher als in den USA.

Werfen wir einen Blick auf Ihre Dividendenportfolios: Können Sie Entwarnung geben oder müssen Anleger sich auf ähnlich hohe Ausfallquoten wie am breiten Aktienmarkt einstellen?

Bis dato musste nur eine Hand voll Unternehmen ihre Dividende kürzen. Stand heute erwarten wir sogar, dass rund 70 Prozent der Unternehmen ihre Dividende im laufenden Geschäftsjahr erhöhen. Der Großteil unseres Portfolios ist in Aktien von Unternehmen aus eher defensiven Sektoren investiert. Rund zwei Drittel stammen aus den Bereichen Gesundheit, regulierte Versorger, Telekommunikation, nicht-zyklischer Konsum und Versicherungen. Diese Unternehmen leiden weit weniger stark unter möglichen Gewinneinbrüchen als Aktien aus konjunktursensitiven Bereichen.

 

Und was können Anleger im Hinblick auf die Ausschüttung Ende November 2020 beziehungsweise Anfang März 2021 erwarten?

In normalen Jahren ist es relativ leicht schon zu Beginn des Jahres eine Prognose zu geben. In diesem Jahr ist es um einiges schwieriger. Doch trotz der teils massiven Gewinneinbrüche und Dividendenkürzungen wollen wir die Ausschüttungen auf Vorjahresniveau halten.[1]

DWS Top Dividende

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