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Können Zentralbanken die Wirtschaft vor handelspolitischen Torheiten schützen?

21. Juni 2019

Lesezeit: 2 Minuten

Nachdem die Kurse in den ersten vier Monaten des Jahres heiß gelaufen sind, war das Börsengewitter im Mai fast überfällig. Nun ziehen aber Gewitter bekanntlich nicht aus heiterem Himmel auf. Die Ausweitung des Handelskonflikts von tarifären auf nichttarifäre Maßnahmen war sicherlich ein wichtiger Grund für den Kurseinbruch von fast sechs Prozent im Mai.

Konkret verfügte US-Präsident Donald Trump, dass Chinas größtes Technologieunternehmen Huawei aus Gründen der nationalen Sicherheit auf eine schwarze Liste gesetzt wird. Damit werden nicht nur die Exporte von Huawei in die USA untersagt, sondern auch verhindert, dass Huawei von US-Firmen mit wichtigen Komponenten, vor allem Halbleitern, beliefert wird. Die Intention dahinter: China an seiner empfindlichsten Stelle zu treffen, nämlich dem mangelnden Angebot an leistungsfähigen Chips. Da Huawei aber umsatzmäßig auf Augenhöhe mit Unternehmen wie Microsoft oder Alphabet liegt, schadet man nicht nur China, sondern auch unterschiedlichsten US-Technologieunternehmen, denen Umsatz in zweistelliger Milliarden-Dollar-Höhe entgeht. Bei Huawei selbst dürften alleine für 2019 Einnahmen in Höhe von geschätzt 20 Milliarden US-Dollar wegfallen.

Aber auch für die nicht unmittelbar betroffenen Firmen hat der Schritt von Trump womöglich negative Folgen. Denn die durch internationale Arbeitsteilung und Handel erzielte Globalisierungsdividende für die Aktienmärkte droht mit nichttarifären Handelshemmnissen und Sanktionen zu verschwinden. Und das weltweite Wachstum wird nicht nur durch den Rückgang des Außenhandels, sondern auch durch fehlende Investitionen der verständlicherweise verunsicherten Unternehmen verringert.

In dieser Phase verfallen vor allem die Zentralbanken in Europa und den USA in alte Verhaltensmuster und planen wieder geldpolitische Lockerungen. EZB-Präsident Mario Draghi kündigte bereits ohne große Not die Möglichkeit von Zinssenkungen an, das kann einen Rückgang des Einlagensatzes von minus 0,4 auf minus 0,5 Prozent bedeuten. Ebenso käme eine Wiederaufnahme des Anleihekaufprogramms in Frage. Auch Fed Chairman Jerome Powell scheint mittlerweile die ersten Zinssenkungen ins Auge zu fassen. Während bei Draghi noch die unter Plan liegende Inflationsrate für die Lockerung der Geldpolitik herhalten muss, möchte die Fed durch Zinssenkungen den handelspolitischen Unsicherheiten begegnen. Zumindest der Börse scheint dies zu gefallen. Nachdem sich das Mai-Gewitter verzogen hat, haben sich die Kurse im Juni wieder um fünf Prozent erholt. Die neuerliche Ankündigung der Droge „billiges Geld“ hebt zumindest kurzfristig die Stimmung.

Die Investoren sollten aber kritisch hinterfragen, ob jedes wirtschaftliche Problem durch Geld behoben werden kann. Rezepte, die während der von Schulden induzierten Finanzkrise 2008 und der Eurokrise 2011 geholfen haben, können nicht realwirtschaftliche Probleme wie die Zunahmen von Handelshemmnissen beseitigen. Es wird nicht funktionieren, die Nachfrage monetär zu stimulieren, schon gar nicht mit immer negativeren Zinsen, wenn die Produktion in einer arbeitsteiligen Wirtschaft über die Grenzen hinweg nicht mehr gegeben ist. Es nutzt schließlich auch nichts, ein Auto zu betanken, wenn die Zündung defekt ist. Und läuft der Tank schließlich über, sind die Kollateralschäden deutlich höher als die Kosten für eine sachgerechte Reparatur. Nicht die Zentralbanken, sondern die Politik ist diesmal für die Fahrtüchtigkeit der Wirtschaft verantwortlich.

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