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Warum Ölaktien gerade konservativen Portfolios Stabilität verleihen können

24. Mai 2019

Lesezeit: 2 Minuten
Der Konflikt zwischen dem Iran und den USA eskaliert bedrohlich und rückt den Ölpreis wieder stärker in den Mittelpunkt des Interesses. Seit Jahresanfang ist er um 40% gestiegen, liegt aber immer noch etwas mehr als 5% unter dem Jahreshoch.
Anders als bei Gold ist es für normale Investoren fast unmöglich, in Öl direkt zu investieren, von den Heizölvorräten einmal abgesehen. Große integrierte Ölwerte sind in den europäischen und amerikanischen Aktienindices prominent vertreten, obwohl der Sektor mit einem Indexgewicht von 6% eher zu den kleineren zählt. Angesichts des stark gestiegenen Ölpreises in diesem Jahr und einer spektakulären Übernahme der Anadarko Petroleum durch Occidental Petroleum mit einem Kursaufschlag von 55% würde man erwarten, dass sich die Ölaktien an die Spitze des Aktienmarktes geschoben haben. Weit gefehlt! Die Kursperformance des Sektors von 15,7% (inkl. der Dividendenausschüttungen) liegt sogar etwas unterhalb der Wertentwicklung des MSCI Welt Index. Ölwerte vollziehen in erster Linie die Bewegung des Aktienmarktes nach. Die wechselseitige Beziehung, auch Korrelation genannt, zwischen dem Ölpreis und dem breiten Aktienmarkt liegt bei 75%. Ein Zusammenhang zwischen dem Ölpreis und der Entwicklung der Ölaktien liegt ebenfalls nahe. Die Korrelation liegt immerhin bei etwa 60%. Damit sind Ölaktien durchaus als Instrument geeignet, um kurz- oder mittelfristig auf eine Steigerung des Ölpreises zu spekulieren.  Als Kostenfaktor sind höhere Ölpreise eher schlecht für viele Industrietitel am Aktienmarkt. Mit Ölaktien, die tendenziell von steigenden Ölpreisen profitieren, lässt sich deshalb ein willkommener Diversifikationseffekt zu anderen Sektoren erzielen.
Die hohe Korrelation des Energiesektors mit dem Ölpreis sowie dem breiten Aktienmarkt lässt erwarten, dass die langfristige Performance irgendwo zwischen der Entwicklung des Ölpreises und einem globalen Aktienindex liegt. Über 20 Jahre ist die annualisierte Performance fast identisch. Während der MSCI Energy Index über 20 Jahre 5,5% per annum zulegen konnte, erreichte der MSCI Welt inkl. Dividenden 5% p.a. und der Ölpreis 6% im Durchschnitt pro Jahr. Über zehn Jahre gewann der Energieindex im Schnitt 6,5% jährlich, während der MSCI Welt mit über 13% pro Jahr mehr als doppelt so viel zulegen konnte. Als Bremse für die Energietitel erwies sich der Ölpreis, der in Euro gerechnet gerade einmal knapp über 2% p.a. zulegen konnte. Kurzfristige Zeitreihen z.B. über fünf Jahre zeigen, dass Ölwerte selbst bei sinkenden Ölpreisen noch eine positive Performance erzielen können, solange der Aktienmarkt steigt.
Ein Beleg dafür, dass die Ölförderung äußerst profitabel ist, auch bei Ölpreisen, die deutlich unter dem gegenwärtigen Niveau liegen. Es zeigt aber auch, dass zumindest über die letzten Jahrzehnte die Ölindustrie in der Lage war, ihre geförderten Ölmengen zu verhältnismäßig günstigen Kosten durch neue Reserven zu ersetzen. Dies war vor allem in den USA der Fall. Hier konnten durch die Einführung neuer Fördertechniken, bisher unrentable Vorkommen, z.B. das sogenannte „Shale Oil“ oder Schieferöl, erschlossen werden. Die USA sind damit zum größten Ölproduzenten der Welt geworden. Das Beispiel des Ölkonzerns Anadarko Petroleum macht deutlich, dass sich auch Firmenübernahmen rechnen, um die Ölreserven zu erhöhen. Ein Übernahmeangebot mit einer Prämie von 50% zeigt eindrucksvoll, welcher Wert in manchen Ölunternehmen mit ordentlichen Ölreserven schlummert.

Die längerfristige Attraktivität gerade der großen integrierten Ölproduzenten liegt für konservative Portfolios aber in der außerordentlich üppigen Dividende. Schaut man sich zum Beispiel die Gesamtentwicklung, also Kursgewinne zuzüglich Dividendenzahlungen  von Werten wie Royal Dutch Total oder BP an, so stellt man fest, dass über zehn Jahre lediglich 30% der Performance aus Kursgewinnen stammen, während 70% der Gesamtentwicklung auf Dividendenzahlungen zurückzuführen waren. Die „Big 3“ in den USA - Chevron, Conoco und Exxon - kommen im Schnitt auf etwa 60% Dividendenzahlungen an der Gesamtperformance. Die durchschnittliche Dividendenrendite der drei großen Europäer liegt bei 5,5%, die der drei großen US Werte bei 3,5%.

 

Der Charme der Ölwerte liegt also zum einen in einer überdurchschnittlichen Dividendenrendite, die zumindest die Verzinsung der gängigen Hochzinsanleihen weit in den Schatten stellt. Zum anderen bieten sie praktisch eine freie Option, um an steigenden Ölpreisen zu partizipieren, sollten diese aufgrund politischer Krisen nach oben schnellen.

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