12. Mrz 2020 Infrastruktur

Verkehrsinfrastruktur – ein Boom-Sektor mit soliden Renditen

Straßen, Brücken, Häfen: Leistungsfähige Verkehrswege bilden die Lebensadern der Wirtschaft. Infrastrukturbetreiber verfügen über ein attraktives Geschäftsmodell. Auch Anleger können profitieren.

  • Mit zunehmender internationaler Verflechtung und höherem Wohlstand wächst der Bedarf an Verkehrsverbindungen.
  • Staaten alleine sind selten in der Lage, die anstehenden Investitionen zu stemmen, und lagern sie an private Firmen aus.
  • Mit Blick auf die Mobilität der Zukunft wird das Thema „Smart Traffic“ immer wichtiger werden.
6 Minuten Lesezeit

1,4 Mio. Kilometer – auf diese Länge summierte sich 2019 der Stau auf deutschen Autobahnen.[1] Beachtlich: Die Gesamtlänge aller Staus in Deutschland reichte damit rund 35-mal um die Erde. Stau ist kein deutsches Phänomen: Weltweit treibt das Wirtschafts- und Bevölkerungswachstum sowie immer mehr und größere städtische Ballungsräume das Verkehrsaufkommen in die Höhe. Ein Ende ist nicht abzusehen. Vielmehr dürfte der Aufstieg von Schwellen- und Entwicklungsländern den Bedarf nach Mobilität weiter erhöhen. Auch in den Industrieländern machen Engpässe und veraltete Anlagen hohe Investitionen in die Verkehrsinfrastruktur nötig. Das macht den Sektor auch für Anleger attraktiv.

 

Neue Handelsroute nach Europa

Eines der größten Infrastrukturprojekte weltweit ist die Seidenstraßeninitiative, die der chinesische Staatschef Xi Jinping im Jahr 2013 initiiert hat. Das offiziell „One Belt, One Road“ (Ein Gürtel, eine Straße) genannte Projekt soll analog zu den früheren Karawanenstrecken die Handelsbeziehungen mit dem Westen stärken und neue Absatzmärkte erschließen. Gebaut werden nicht nur neue Verbindungen über Land, sondern auch über den Seeweg. Insgesamt 65 Länder und Territorien, die etwa ein Drittel des weltweiten Bruttoinlandsprodukts auf sich vereinen,[2] sollen eines Tages an die neuen Handelsrouten angebunden sein. Das Center for Global Development veranschlagt das Investitionsvolumen auf umgerechnet rund 57 Milliarden Euro,[3] wovon 80 Prozent aus China kommen sollen.

In Europa ist das Crossrail-Projekt in Großbritannien mit einem Investitionsvolumen von umgerechnet knapp 22 Milliarden Euro[4] derzeit das größte Infrastrukturvorhaben.[5] Die neue Bahnstrecke, die den Namen von Queen Elizabeth tragen wird, soll sich über mehr als 100 Kilometer im Großraum London von West nach Ost erstrecken und ab 2022 jährlich 200 Millionen Passagiere befördern. Gebaut beziehungsweise modernisiert werden unter anderem 41 Bahnhöfe und mehr als 42 Kilometer Tunnelstrecken, die unter Großbritanniens Hauptstadt hindurchführen.[5]

 

Hochgeschwindigkeitsbahn für Kalifornien

Blickt man auf den Bereich Luftverkehr, fällt erneut China mit großen Plänen auf: Pekings neuer Flughafen, der erst im September 2019 eröffnet hat, soll weiter ausgebaut werden. Die Hauptstadt des Landes, die bereits über einen Megaflughafen verfügt, rüstet sich damit für den Anstieg des globalen Flugverkehrs (siehe Graphik). Im Endzustand 2040 soll der Beijing Daxing International Airport mehr als 100 Millionen Fluggäste pro Jahr abfertigen, was derzeit nur der Flughafen in Atlanta im US-Bundesstaat Georgia schafft.[6] Außerdem wird das neue Flugdrehkreuz auch als Umschlagplatz für Waren dienen und jährlich bis zu vier Millionen Tonnen Fracht befördern.

Sowohl in Europa als auch in den USA laufen Megaprojekte für die Erweiterung des Schienennetzes.

„Smart Traffic“ ist die Voraussetzung, um die Ansprüche an die Mobilität der Zukunft zu erfüllen.

Um sich für die Mobilität der Zukunft zu rüsten, benötigt die Verkehrsinfrastruktur innovative Lösungen mit digitalen Technologien. „Smart Traffic“ (Schlauer Verkehr) lautet das Schlagwort. Es bedeutet nichts anderes als Menschen, Fahrzeuge und Infrastruktur untereinander zu vernetzen. Durch den ständigen Informationsaustausch ist es dann möglich, Verkehrsflüsse individuell zu steuern oder Mautgebühren automatisch und abhängig vom Verkehrsaufkommen zu erfassen.

 

„Smartes“ Pilotprojekt auf Italiens Autobahnen

Das Vorhaben „Smart Roads“ der italienischen Infrastrukturgesellschaft ANAS (Azienda Nazionale Autonoma delle Strade) geht in diese Richtung. Mit den Arbeiten dazu wurde Ende 2018 begonnen. Das Projekt soll sich eines Tages auf rund 3000 Autobahnkilometer erstrecken.[7]  Ziel ist es, die Sicherheit im Straßenverkehr zu erhöhen, die Fahrer über Verkehrs- und Straßenzustände zu informieren und ihnen zu helfen, die besten Routen zu finden. Durch die Vernetzung unterschiedlicher Verkehrssysteme ist es darüber hinaus möglich, individuelle Strecken über mehrere Verkehrsmittel wie Pkw, Bahn und Bus ohne großen Aufwand zu planen. So gelangt man schneller und effizienter ans Ziel.

Private Investitionen auf dem Vormarsch

Die Beispiele zeigen, dass die Betreiber von Verkehrsinfrastruktur in den kommenden Jahren und Jahrzehnten hohe Investitionen stemmen müssen. Doch die Kosten dafür sind enorm. Das US-Verkehrsministerium beispielsweise schätzt, dass allein für die Sanierung der Straßen und Brücken des Landes mehr als 800 Milliarden Dollar nötig sind.[8] Angesichts knapper staatlicher Budgets hat der Privatsektor als Betreiber von Mautstraßen, Flug- oder Schiffshäfen an Bedeutung gewonnen. Neben reinen Privatisierungen (also dem Verkauf der Anlagen) spielt auch die Vergabe von Betriebskonzessionen eine Rolle. Hier erhalten Unternehmen die Einnahmen aus dem laufenden Betrieb und zahlen im Gegenzug dem Staat eine Gebühr.

Dadurch verfügen viele private Betreiber von Infrastruktur über ein Geschäftsmodell, das sie auch für Anleger attraktiv macht: Sie erzielen relativ stabile Erträge aus Verträgen oder Konzessionsvereinbarungen und profitieren von hohen Markteintrittsbarrieren, wenn nicht sogar von einer Monopolstellung. Zudem weisen Infrastrukturaktien langfristig gesehen bei einer geringeren Schwankungsbreite häufig eine vergleichsweise gute Wertentwicklung auf. Das macht die Titel zwar lange noch nicht zu Selbstläufern. Doch mit der richtigen Auswahl sind sie eine willkommene Diversifizierung für jedes Aktiendepot.

DWS Invest Global Infrastructure LC

Infrastruktur – neue Anlagechancen

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1. Quelle: https://www.adac.de/verkehr/verkehrsinformationen/staubilanz/

2. Quelle: https://www.mckinsey.com/featured-insights/china/chinas-one-belt-one-road-will-it-reshape-global-trade

3. Quelle: https://www.dw.com/de/schuldenfalle-neue-seidenstra%C3%9Fe/a-43467223

4. Quelle: https://www.bbc.com/news/business-50345344

5. Quelle: http://www.crossrail.co.uk/news/crossrail-in-numbers

6. Quelle: https://www.ingenieur.de/technik/fachbereiche/verkehr/pekings-giga-flughafen-stellt-alles-in-den-schatten/

7. Quelle: https://www.stradeanas.it/en/our-smart-road-project

8. Quelle: https://www.cfr.org/backgrounder/state-us-infrastructure

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