17. Nov 2020 Infrastruktur

Infrastruktur – Zehn Fakten, die jeder Anleger kennen sollte

Die Kosten für Ausbau und Modernisierung der Infrastruktur gehen jedes Jahr in die Milliarden. Doch es werden mehr Investitionen benötigt. Was Infrastruktur für Anleger so besonders machen könnte.

  • In vielen Ländern genügt die Infrastruktur nicht mehr den heutigen Anforderungen und muss ausgebaut oder modernisiert werden.
  • Zudem beschleunigt die COVID-19-Pandemie Megatrends, die die grundlegende Lebensweise der Menschen verändern könnten.
  • Die Folge: Investitionen in die Digitalisierung, ein effizienteres Verkehrswesen und mehr Nachhaltigkeit sollten an Bedeutung gewinnen.
9 Minuten Lesezeit

1. Eine Lücke mit Folgen

Schon seit längerer Zeit wird zu wenig in die Infrastruktur investiert. Jährlich kommen zwar weltweit etwa 2,5 Billionen US-Dollar den Verkehrs-, Strom-, Wasser- und Telekommunikationssystemen zugute.[1] Doch diese Summe reicht nicht aus, um den wachsenden Anforderungen gerecht zu werden. Schätzungen der Beratungsagentur McKinsey & Company zufolge müssten die Investitionen bis 2030 auf durchschnittlich 3,3 Billionen US-Dollar pro Jahr ausgeweitet werden, wovon 60 Prozent auf Schwellenländer entfallen.[2] Berücksichtigt man außerdem die Investitionen, die zusätzlich nötig sind, um die UN-Ziele für nachhaltige Entwicklung zu erreichen, nimmt die Finanzierungslücke weiter zu. Die Empfehlung der Experten: Wir brauchen nicht nur mehr Mittel, wir müssen sie auch effizienter einsetzen.

2. Es wird eng in den Städten

Noch 1950 lebte weniger als ein Drittel der Weltbevölkerung in Städten.[3] Im Jahr 2007 waren es bereits mehr als 50 Prozent, bis 2050 erwarten die Vereinten Nationen einen Anstieg auf rund 70 Prozent. Die Folge: Es entstehen immer mehr Megacities, in denen sich viele Millionen Menschen auf engstem Raum ballen. Sie alle benötigen Wohnraum, Wasser und Nahrungsmittel. Auch Kanalisation und Straßen müssen mit dem Wachstum mithalten. Um den steigenden Energiebedarf in Zeiten des Klimawandels zu decken, muss Strom zudem möglichst effizient und emissionsfrei erzeugt werden. Eine enorme Herausforderung, nicht nur für die Megacities in aufstrebenden Ländern.

 

3. Wasser marsch

Der Wasserverbrauch steigt seit den 1980er Jahren weltweit um etwa ein Prozent pro Jahr, wie aus dem Weltwasserbericht der Vereinten Nationen hervorgeht.[4] Drei von zehn Menschen haben demnach keinen dauerhaften Zugang zu sauberem Trinkwasser. Dieser Wasserstress wird weiter zunehmen, auch durch die Auswirkungen des Klimawandels. Hinzu kommt, dass weltweit über 80 Prozent der Abwässer unbehandelt in die Umwelt gelangen.[5] Wasserbedingte Krankheiten wie Cholera sind daher in vielen Entwicklungsländern nach wie vor weit verbreitet. Einen Ausweg könnte eine Infrastruktur bieten, die Wasserverluste minimiert und mehr Wasser durch Aufbereitung und Entsalzung verfügbar macht.

Jetzt lesen: Wasser – investieren in das „blaue Gold“

Die Energiewende mit vielen dezentralen Erzeugern erfordert ein völlig neues Stromnetz, das Verbraucher und Produzenten intelligent miteinander vernetzt.

4. Nur schlaue Netze haben Zukunft

Bislang sind Stromnetze eher einfach gestrickt: Sie transportieren Elektrizität von A nach B, mehr nicht. Das soll sich künftig durch mitdenkende Netze ändern. Sie werden zu einer Plattform, auf der jeder mit jedem kommuniziert. Der Stromzähler mit der Solaranlage, der Offshore-Windpark in der Nordsee mit dem lokalen Energieversorger, die Waschmaschine mit anderen Verbrauchsgeräten im Haus. Solch schlaue Netze sind Voraussetzung, damit die Energiewende mit immer mehr lokalen Stromerzeugern funktioniert. Das Milliardengeschäft mit diesen „Smart Grids“ lockt nicht nur Netzbetreiber oder Zählerfirmen, auch IT-Konzerne oder Telekomanbieter wollen ihren Teil vom Kuchen abhaben.

 

5. 5G – Turbo für die Digitalisierung

Endlich schnelles Internet, und zwar auch in den entlegensten Winkeln des Landes. Ermöglichen soll das der neue Mobilfunkstandard 5G, der im Aufbau ist. Dazu installieren die Mobilfunkbetreiber kleine Kommunikations-Knotenpunkte an Verkehrsschildern, Straßenlaternen oder Strommasten. 5G wird nicht nur Smartphones beschleunigen, sondern Sensoren, Fahrzeuge oder Maschinen miteinander vernetzen und so das Internet der Dinge erst ermöglichen. 5G, so die Erwartung, macht die Industrie leistungsfähiger, die Mobilität sicherer und den Alltag bequemer.

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6. Intelligente Verkehrssteuerung

Fließt der Verkehr, erreicht man schneller sein Ziel und benötigt weniger Energie. Durch Vernetzung via funkgesteuerte Sensoren, sowohl der Fahrzeuge untereinander als auch mit der Verkehrsinfrastruktur, ließen sich Schätzungen zufolge allein in Deutschland Transportkosten von acht Milliarden Euro jährlich einsparen.[6] Kommuniziert das Fahrzeug beispielsweise mit Ampeln, lässt sich das Fahrtempo ideal an die grüne Welle anpassen. Bei schlechter Sicht oder Glatteis ermittelt der Bordcomputer den optimalen Abstand, und am Ziel der Reise wird der nächste freie Parkplatz angezeigt. Voraussetzung dafür ist eine punktgenaue Koordination aller Verkehrsteilnehmer. Das gelingt nur mit einem grundlegenden Umbau des Verkehrssystems.

 

7. Jeden Monat zwei Pakete

Der stationäre Einzelhandel darbt, das Online-Geschäft boomt. Die Beschränkungen im Zuge der Covid-19-Pandemie haben diesen Trend noch verstärkt. Das mag man begrüßen oder bedauern, die Logistikbranche zumindest freut es. Zunächst muss sie aber kräftig investieren, um mit dem Nachfragewachstum Schritt zu halten. Hier gilt der Grundsatz, dass der Bedarf an Logistikfläche im Onlinehandel dreimal höher ist als im traditionellen Vertrieb. Laut der Beratungsfirma McKinsey & Company wurden im weltweiten Geschäft mit Paketen zuletzt mehr als 240 Milliarden Euro umgesetzt. Deutschland liegt dabei global im Spitzenbereich: Jeder Bundesbürger erhält im Schnitt 24 Pakete pro Jahr von Onlinehändlern. Nur die Chinesen sind mit mehr als 70 Bestellungen noch eifriger im Internet unterwegs.[7]

Der Einzelhandel wandelt sich rasant, und mit ihm die Anforderungen an die Logistikbranche. Der Bedarf an neuen Verteilzentren ist groß.

Aktien von Infrastrukturfirmen sind gewöhnlich wenig konjunktursensibel. Sie können dadurch einem Depot mehr Stabilität verleihen.

8. Erneuerbare Energien – mehr als Wind und Sonne

Auch wenn der Automobilsektor derzeit im Fokus steht, um den Klimawandel zu bremsen, ist generell eine Abkehr von fossilen Brennstoffen wie Kohle, Öl und Erdgas nötig. Industrie und Haushalte müssen nachziehen. Die Hoffnungen ruhen auf Wasserstoff, was allerdings den Aufbau einer komplett neuen Infrastruktur erfordert – von der Erzeugung, über die Verteilung bis hin zur Speicherung. Viele Staaten treiben die Entwicklung mit Milliardeninvestitionen voran, so dass bis 2050 Wasserstoff fast ein Fünftel des weltweiten Energiebedarfs decken könnte[8]. Auch die Bundesregierung hat 2018 gemeinsam mit europäischen Staaten eine Wasserstoffinitiative beschlossen. Realistisch betrachtet ist vor 2030 aber kaum mit einem Durchbruch von Wasserstoff als klimafreundlichem Energieträger zu rechnen.

 Jetzt lesen: Klimaretter Wasserstoff setzt Anleger unter Strom

 

9. Die Seidenstraße lebt

Die erste Seidenstraße entstand vor etwa 2500 Jahren. Sie diente als Handelsroute zwischen China, Zentralasien und dem Nahen Osten und hatte enorme Auswirkungen auf die Region. Die von China 2013 ins Leben gerufene Belt and Road Initiative (BRI), auch als „Neue Seidenstraßen-Initiative“ bekannt, knüpft zum einen an die historische kontinentale Route an und führt sie bis nach Europa weiter. Daneben soll eine maritime Seidenstraße China, Süd- und Südostasien, Afrika und Europa über den Meeresweg verbinden. Das Engagement chinesischer Firmen erstreckt sich über viele Branchen, nicht nur auf den Ausbau der Transportwege. Allerdings existiert für die BRI bislang kein konkretes Strategiepapier mit messbaren Zielen oder Vorgaben.[9] Doch am Willen von China, die Seidenstraße wiederzubeleben, herrscht kein Zweifel.

 

10. Was Infrastruktur für Anleger so besonders macht

Mit der wichtigste Grund für ein Investment in Infrastruktur: Die Betreiber der unterschiedlichen Projekte sind weniger dem Auf und Ab der Konjunktur unterworfen. Die von ihnen erbrachten Leistungen – Wasser- und Stromversorgung, Bau und Unterhalt von Verkehrswegen oder Telekom-Dienstleistungen – profitieren gewöhnlich von einer relativ konstanten Nachfrage, unabhängig von den wirtschaftlichen Rahmenbedingungen.

Hinzu kommen weitere Vorzüge, die die Aktien aus diesem Segment auszeichnen. Dazu zählen verlässliche Erträge, weil Infrastrukturanlagen häufig auf Jahrzehnte ausgelegt sind und teilweise über staatliche Konzessionsvereinbarungen verfügen. Hohe Barrieren erschweren zudem den Eintritt neuer Marktteilnehmer. Größtes Risiko des Segments liegt darin, dass regulatorische Veränderungen die Geschäftsaussichten einzelner Unternehmen über Nacht grundlegend verändern. Klug diversifiziert können Aktien von Infrastrukturfirmen aber jedes Depot stabilisieren.

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1. https://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/Industries/Capital%20Projects%20and%20Infrastructure/Our%20Insights/Bridging%20global%20infrastructure%20gaps/Bridging-Global-Infrastructure-Gaps-Full-report-June-2016.ashx, Seite 8

2. https://www.mckinsey.com/~/media/mckinsey/Industries/Capital%20Projects%20and%20Infrastructure/Our%20Insights/Bridging%20global%20infrastructure%20gaps/Bridging-Global-Infrastructure-Gaps-Full-report-June-2016.ashx, Seite 3

3. https://www.infineon.com/cms/de/discoveries/urbanisierung/

4. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000367303_ger

5. https://unesdoc.unesco.org/ark:/48223/pf0000367276

6. https://www.bmwi.de/Redaktion/DE/Downloads/I/initiative-intelligente-fakten-verkehr.pdf?__blob=publicationFile&v=1

7. https://www.mckinsey.com/de/news/presse/2019-06-17-postal-network

8. https://hydrogencouncil.com/en/study-hydrogen-scaling-up/

9. https://www.gtai.de/resource/blob/156998/a520353271f672fe7f6f2dd27411d23c/pub201909068000-21151-fact-sheet-neue-seidenstrasse-chinas-breit-aufgestellte-investitionsoffensive-data.pdf

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