In den USA treiben vor allem Digitalisierungsgewinner wie Apple und Facebook die Aktienmärkte. Eine solche Kluft zwischen Old und New Economy gab es schon einmal – beim Platzen der Dotcom-Blase. Erleben wir ein Déjà-vu?

18.09.2017 / Obwohl viele Strategen in diesem Jahr europäischen Aktien den Vorzug gegeben haben, zeigt sich der US Aktienmarkt in Top Form und hat in der letzten Woche ein neues Hoch markiert. Während die europäischen Aktienmärkte seit Jahresbeginn 8% zulegen konnten, ist der S&P Index in US Dollar um 13% gestiegen. Bemerkenswert ist auch die Stabilität des Marktes: Während die größte Kurskorrektur des S&P in diesem Jahr 3% betrug, hatte der europäische Aktienmarkt zwischenzeitlich Kursverluste von 7,5% zu verdauen.

Geringere politische Risiken

Wie erklärt sich das vor dem Hintergrund eines eher mäßigen US Wachstums, steigenden Zinsen seitens der Zentralbank und einer weithin enttäuschenden Trump Regierung? Schaut man auf Europa, so haben sich dort die politischen Risiken deutlich gemindert, das dynamische Wachstum der Euro Zone könnte mit 2,1% das Wachstum der USA erreichen und Zinserhöhungen werden voraussichtlich erst Ende 2018 erfolgen.

Digitalisierungsgewinner

Eine Erklärung für die bemerkenswerte Divergenz ist überraschend banal, denn die Struktur der Aktienmärkte auf beiden Kontinenten ist grundverschieden. Im Gegensatz zu Europa gibt es in den USA eine zahlenmäßig kleine aber gewichtige Gruppe von sogenannten Digitalisierungsgewinnern, wie z.B. Apple, Amazon oder Google, welche den Löwenanteil an der Performance des US Marktes stellen. Insgesamt 17 Werte des S&P Index (500 Werte) haben 50% zur Gesamtperformance des Index beigetragen, also genauso viel wie die verbleibenden 483 Werte. Das Schwergewicht Apple hat seit Jahresbeginn fast 40 % zugelegt, der drittgrößte Wert Facebook insgesamt 50%. Interessant ist es, diesen Werten mal die Schwergewichte aus der sogenannten „Old economy" gegenüberzustellen. Der größte Industriewert der USA General Electric, das einstige Flaggschiff des US Aktienmarktes, verlor in diesem Jahr fast 25%, ein weiterer Gigant „Exxon" hat bisher 12% verloren. Beide Werte wurden im Übrigen als sogenannte „Trump"-Gewinner eingeschätzt.

Entsteht eine "Digitalisierungsblase"?

Eine solche Spreizung zwischen der Old und New Economy gab es schon einmal. Wer 17 Jahre zurückblickt, kann sich vermutlich noch lebhaft an das Platzen der Technologieblase im Jahre 2000 erinnern. Seinerzeit verlor der Aktienmarkt innerhalb von zwei Jahren 45%. Ursache waren die exponentiell gestiegenen Bewertungen der New-Economy-Werte, die irgendwann nicht mehr durch entsprechend starke Wachstumszahlen unterstützt werden. Steigende Zinsen hatten im Übrigen seinerzeit einen nicht unerheblichen Anteil am Platzen der Blase.

Stehen wir nach den starken Kursgewinnen nun vor einem Platzen der „Digitalisierungsblase"? Festzustellen ist eine mittlerweile außerordentlich sportliche Bewertung dieser Aktien, die im Schnitt bei einem KGV von über 30 liegt. Aber auch der Gesamtmarkt liegt mit einem KGV von 19 bereits deutlich über dem historischen Durchschnitt. Auch die Zinsen steigen zumindest in den USA an. Beunruhigend ist der Optimismus mit dem das Umsatzwachstum und die exorbitanten Gewinnmargen der Unternehmen fortgeschrieben werden. Es sollte nicht vergessen werden, dass jedes Geschäftsmodell mit hohen Gewinnmargen automatisch Wettbewerber auf den Plan ruft, die dieses zu attackieren versuchen. Als Lackmustest sollte vielleicht der Erfolg des neu vorgestellten IPhone X dienen. Gelingt es Apple mit überaus sportlichen Preisvorstellungen seine Gewinnmarge zu steigern, oder führt der hohe Preis zu einem Abwandern der Verbraucher zu deutlich billigeren aber nicht unbedingt deutlich schlechteren Anbietern?

Ich wage deshalb die Prognose, das in den nächsten 12 Monaten die Umsatzzahlen von Apple und Amazon für die US Börsen wichtiger sein wird als das Bruttosozialprodukt.

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