Um es vorwegzunehmen, ich mag den Ausdruck der „gesunden Korrektur“ nicht, da dies unterstellt, dass die Entwicklung der Aktienmärkte vor der Korrektur ungesund war.

19.02.2018 / Wenn überhaupt etwas ungesund war, dann war es die euphorische mediale Begleitung, die den starken Kursaufschwung im Januar begleitet hat. Die sich aufbauenden Risiken kamen dabei zu kurz. Im Januar stieg der US Aktienmarkt um beachtliche 5,7 Prozent, der technologielastige NASDAQ 100 um 8,7 Prozent. Getoppt wurde dies noch vom chinesischen Aktienmarkt der im Januar um 16 Prozent nach oben schnellte.

Volatilität durch Hedgefonds-Verkäufe

Alleine die Höhe der Kursanstiege in einer derart kurzen Zeit deutet auf eine gewisse spekulative Euphorie hin, bei denen jedwede Risiken ausgeblendet werden. “Gut – Besser – Bestens“ beschreibt die Stimmungslage im Januar treffend. Verblüffend war, dass der große Gegenspieler des Aktienmarktes, nämlich die Zinsentwicklung, nicht wahrgenommen wurde. In den USA stiegen die 10-jährigen Renditen der Staatsanleihen um 44 Basispunkte auf 2,84 Prozent an. Auch Bundesanleihen verdoppelten sich fast, von 0,43 Prozent auf 0,77 Prozent. Diese Divergenz zwischen steigenden Aktien und steigenden Renditen löste dann bei quantitativ gesteuerten Hedgefonds letztendlich eine Verkaufswelle aus. Deren Volumen wird immerhin auf fast 450 Mrd. USD geschätzt. Die durch Hedgefonds ausgelöste Verkaufswelle verursachte einen starken Anstieg der Volatilität. Dies wiederum löste bei volatilitätsgesteuerten Fonds weiteren Verkaufsdruck aus. Die Kursrückgänge der wichtigsten Indices pendelten sich in etwa bei 10 Prozent ein.

Diese Korrekturen sind nicht ungewöhnlich und sind in den meisten Jahren eher die Regel als die Ausnahme. Ungewöhnlich ist lediglich, dass die Korrekturen nach einer langen Zeit der relativen Ruhe an den Aktienmärkten aufgetreten sind. Ein Warnschuss, der eine steigende Unsicherheit der Investoren signalisiert. Diese Unsicherheit scheint im Übrigen fast stärker die europäischen Aktienmärkte zu betreffen als die amerikanischen. Denn während die Korrektur in den USA nach kurzer Zeit ausgebügelt wurde – seit Jahresbeginn sind die Kurse mittlerweile wieder unverändert – verharren die europäischen Aktien noch nahe ihren Tiefstständen. Was ist da los?

Expansive Geldpolitik der EZB verursacht Unsicherheit

Einen Hinweis mögen die Aktionen des Bridgewater Hedge Fonds geben. Dieser hat in den letzten Wochen seine Short Positionen, also Wetten auf fallende Kurse, bei europäische Aktien auf 14 Mrd. US-Dollar mehr als vervierfacht. Alleine bei Siemens beträgt die Short Position 1 Mrd. Euro. Interessant ist die Argumentation des Fondsmanagements: Dort ist man der Ansicht, dass sich die Konjunktur in der Spätphase eines Aufschwungs befindet. Angesichts der niedrigen (negativen) Zinsen ist die Möglichkeit der (europäischen) Zentralbank einer wirtschaftlichen Kontraktion entgegenzuwirken so niedrig wie niemals zuvor. Es ist bemerkenswert, dass ausgerechnet die nach wie vor expansive Geldpolitik der EZB mehr Unsicherheit verursacht als die Zinssteigerungen der FED in den USA. Offensichtlich verfestigt sich am Markt die Meinung, dass die EZB zur Kurskorrektur durch die Märkte gezwungen wird, um wieder Handlungsspielraum zu gewinnen.

Dennoch: für Investoren könnte diese Kurskorrektur eine gute Nachricht sein. Phasen der Unsicherheit an den Aktienmärkten bieten in jedem Fall bessere Chancen als Phasen einer gefühlten Sicherheit. Die europäischen Aktienmärkte haben sich seit Anfang 2017 um 16 Prozentpunkte (in lokaler Währung) schlechter entwickelt als die amerikanischen. Gleichzeitig bieten Sie mit 3,5 Prozent Dividendenrendite einen Renditevorsprung vor Bundesanleihen in Höhe von 2,75 Prozent – ohne direktes Währungsrisiko. Damit lässt sich relativ komfortabel die Zeit überbrücken bis sich die Profis einig sind über die Frage, ob wir eine Korrektur oder schon eine Trendumkehr an den Aktienmärkten gesehen haben.

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