Dow Transportation Index

Die Kolumne auf www.handelsblatt.com - von Klaus Kaldemorgen

Wo ist sie geblieben, die „beste aller Welten“, in der sich Anleger noch bis zu Beginn des laufenden Jahres zu befinden glaubten? Im Moment gibt es einige Faktoren, die Anlegern zu denken geben könnten.

20. Juli 2018 / Bei der Suche nach einem Artikel über den Dow-Transportindex fiel mir obiges Zitat eines Strategen auf. Anlass für meine Suche war die schwache Entwicklung des Dow-Transportindex relativ zum US- Aktienmarkt. Verblüffend war für mich nicht das Zitat an sich, sondern das Datum des Artikels, erschienen im August 2006. In dem Artikel wurde Bezug genommen auf den gebrochenen Aufwärtstrend des Transportindex sowie auf eine inverse Zinsstrukturkurve (d.h. die längerfristigen Zinsen liegen unter den kurzfristigen Zinsen). Der aktuelle Bezug des Artikels zum Juli 2018 ist nicht zu übersehen. Zwar ist die Zinsstrukturkurve in den USA noch nicht invers, aber immerhin schon sehr flach. Sollten die Zinserhöhungen in den USA wie erwartet fortgesetzt werden, könnten tatsächlich die kurzen Zinsen im ersten Quartal des nächsten Jahres über den längerfristigen liegen. Ein für viele Strategen untrügliches Zeichen für einen beginnenden Wirtschaftsabschwung. Dies passt zusammen mit der schwachen Entwicklung des Transportindex, der alleine im letzten Monat fast sieben Prozentpunkte schwächer war als der Dow Jones. Nach der Dow Theorie müssen sich aber der Dow Jones Industrial und der Dow Transportation Index gegenseitig bestätigen - nach dem Motto „Wenn mehr produziert wird, muss auch mehr transportiert werden“. Ein Umstand, der auch oder gerade im Internet-Zeitalter gilt. Im gegenwärtigen Umfeld dominiert allerdings noch stärker die Überlegung „Wenn weniger gehandelt wird, dann wird auch weniger transportiert.“ Der eskalierende Handelskonflikt zwischen den USA und dem Rest der Welt lässt grüßen. In der Divergenz der Indices manifestiert sich also die Sorge der Investoren über einen Rückgang des Welthandels und damit auch über eine Abschwächung des globalen Wachstums.

Erhebliche Kursverluste bei Transportwerten

Natürlich bietet die Betrachtung des mehr als 120 Jahre alten Dow Jones Index kaum Aufschluss über mögliche Auswirkungen eines globalen Handelskonfliktes. Deshalb sei ein Blick auf die globale Sektor Performance der Industrieaktien erlaubt. Seit Beginn des Jahres sind sie ein klarer „Underperformer“ im Kontext des MSCI Welt Index. Die Differenz beträgt insgesamt 5 Prozentpunkte. Zum MSCI USA beträgt die Divergenz der US Industriewerte über 7 Prozentpunkte. Ein Beleg dafür, dass gerade US-Industriewerte besonders stark von einem durch die USA angezettelten Handelskrieg betroffen wären. Untergruppen im Industriesektor, nämlich Transport- und Investitionsgüter, schneiden im Übrigen noch einmal deutlich schlechter ab als der gesamte Sektor. Prominente Vertreter der Investitionsgüterbranche, wie Fanuc (Japan), ABB (Schweiz) sowie General Electric und Parker Hannifin haben in diesem Jahr bisher Kursverluste von durchschnittlich 20% zu verdauen. Auch bei Transportwerten gab es in Einzelfällen erhebliche Kursverluste. Moeller Maersk (Dänemark), Deutsche Post, United Parcel Service (USA) oder Kuehne + Nagel (Schweiz) verbuchten seit Jahresanfang Kursverluste von durchschnittlich 15%. Die Sorgen der Investoren konzentrieren sich im Augenblick nur auf einen kleinen Ausschnitt der Aktienmärkte. Mit einem Gewicht von 16% ist der Anteil der Industriewerte am gesamten Aktienmarkt vergleichsweise gering.

Vernunft und Einsicht

Was aber ist nach dem heute so aktuell klingendem Zitat aus dem Jahre 2006 passiert? Zunächst einmal sind die Aktienkurse in den folgenden 14 Monaten trotz der anklingenden Skepsis um gut 25% gestiegen. Etwas mehr als ein Jahr nach Erscheinen des Artikels löste die Finanzkrise heftige Kursverluste von über 50% aus. Hoffen wir also im Hier und Jetzt auf die Vernunft und Einsicht der Akteure, damit ein Handelskrieg abgewendet werden kann. Geschichte wiederholt sich nicht, aber manchmal reimt sie sich.

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