Warum Emerging Markets als Gattungsbegriff überholt ist

Die Kolumne auf www.handelsblatt.com - von Klaus Kaldemorgen

Vor 15 Jahren ersann Jim O’Neill von Goldman Sachs das Akronym “BRIC“, welches stellvertretend für die Schwellenländer Brasilien, Russland, Indien und China steht. O’Neill spekulierte darauf, dass diese Länder im Jahr 2050 die globale Wirtschaft dominieren. Es war ein genialer Marketingschachzug, da „BRIC“ seitdem als Markenname für den etwas sperrigen und schlecht definierten Gattungsbegriff „Emerging Markets“ steht.

Überdurchschnittliche Entwicklung seit Auflage

Auch wenn die These der wirtschaftlichen Dominanz noch aussteht, so ist es unstrittig, das seit ihrer Taufe Anlagen in Aktien der „BRIC“ Staaten sich überdurchschnittlich entwickelt haben. Ein entsprechender „BRIC“ Index hat seit dem Jahr 2003 etwa 11,2% per annum erwirtschaftet. Zum Vergleich kommen amerikanische Aktien auf 8,5% p.a., und europäische Aktien auf gerade einmal 7% p.a. jeweils in Euro. Der starke Anstieg der Schwellenländeraktien wurde in der Vergangenheit gerne mit der Globalisierungsdividende gerechtfertigt. Die Schwellenländer konnten von der zunehmenden Vernetzung der globalen Wirtschaft profitieren. Im globalen Wettbewerb punkteten Sie vor allem mit ihrem Rohstoffreichtum und Lohnkostenverteilen. Trumps protektionistische Wirtschaftspolitik, die mittlerweile zu einen veritablen Handelskrieg eskaliert ist, setzt dieser Globalisierungsdividende nunmehr ein Ende. Schaut man sich die Entwicklung der „Emerging Markets“ über die letzten drei, fünf oder 10 Jahre an, so ist deren Performance stets schlechter im Vergleich mit einem globalen Aktienindex. Über fünf Jahre schnitt der MSCI Emerging Market Index 40 Prozentpunkte schlechter ab als der globale MSCI ACWI. Anleger haben in dieser Zeit mit einem überdurchschnittlichen Risiko einen unterdurchschnittlichen Ertrag erzielt im Vergleich zu den entwickelten Märkten. Rechtfertigt aber diese Betrachtung schon von einer „Emerging Market Krise“ zu sprechen?

Gibt es eine „Emerging Market Krise“?

Beim Blick auf einige Länder wie der Türkei und Argentinien mag man tatsächlich von einer Krise sprechen. Eine Anlage in türkischen Aktien büßte im Verlauf des Jahres in Euro knapp 50 Prozent Verluste ein, wobei allerdings mehr als die Hälfte Währungsverluste darstellen. Auch in Argentinien haben Aktien in Euro 50 Prozent an Wert verloren, wohingegen in Landeswährung die Aktien kaum etwas verloren haben. Wenn man von einer Krise der Emerging Markets spricht, so müsste man von einer Krise der Währungen sprechen. In lokaler Währung hat man in diesem Jahr lediglich 6 Prozent verloren, während in US Dollar ein Verlust von 12 Prozent zu Buche schlägt. Die steigenden US-Zinsen haben Anlagen in US Dollar attraktiver gemacht, was zur Folge hatte, dass weniger Kapital in die Schwellenländer fließt. Vor allem jene Länder mit einem hohen Leistungsbilanzdefizit und gleichzeitig einer hohen Verschuldung in US Dollar leiden besonders. Dass steigende US-Zinsen negativ für Anlagen in Schwellenländer sind, ist allerdings keine neuen Erkenntnis. Neu hingegen ist eine amerikanische Wirtschaftspolitik, die auf Protektionismus und Sanktionen setzt.

Differenziertere Betrachtung bei Anlagen in Schwellenländer nötig?

Anleger sollten als Konsequenz eine differenziertere Betrachtung bei Anlagen in Schwellenländer vornehmen und nicht mehr undifferenziert auf den Gattungsbegriff „Emerging Markets“ setzen. Bei einer Anlage auf Länderebene sollte man klare Vorstellungen über die Wettbewerbsvorteile und die makroökonomischen Daten haben. Gleiches gilt für die Einzelanlagen. Kein Unternehmen sollte in einem Portfolio berücksichtigt werden, nur weil es in einem Schwellenland domiziliert. Einen Unterhaltungswert liefert der Blick auf die drei besten Emerging Markets in diesem Jahr. Es führen die Bermudas mit plus 33 Prozent vor Jamaica mit plus 11 Prozent und Panama mit plus 8 Prozent, jeweils in Euro.

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