Zinsen

Realzins: Raue Realität

So gut wie keine Zinsen auf das Ersparte und dann auch noch Inflation: Wie Sparer umsteuern können, um der Realzins-Falle zu entkommen.

Lesezeit: ca. 3 Minuten

Sparen ist Konsumverzicht in der Gegenwart, um sich in der Zukunft etwas (mehr) zu gönnen. Klar, dass der Sparer für diesen Verzicht eine Gegenleistung haben möchte, den Zins – rein theoretisch zumindest. Wenn nun auch noch die Preise steigen – Stichwort Inflation – wird er auch dafür einen Ausgleich wollen, weil er erst in Zukunft konsumieren wird. Logisch, denn bei einer jährlichen Inflationsrate von zwei Prozent müssen für ein Produkt, das heute 100,00 Euro kostet, in fünf Jahren 110,41 Euro auf den Ladentisch gelegt werden. Oder anders ausgedrückt: 100,00 Euro von heute wären nur noch 90,57 Euro wert. Geldentwertung eben.

Der Nominalzins

Der Sparer könnte nun beispielsweise sagen: Ich leihe dir (Bank) 5.000 Euro für fünf Jahre und möchte dafür einen jährlichen Zins von 4,0 Prozent. Die 4,0 Prozent wären dann der Nominalzins. Der Sparer würde  pro Jahr 200 Euro an Zinsen bekommen und hätte am Ende der Laufzeit 6.000 Euro, wenn er den Zins nicht immer wieder angelegt hätte. Mit Zinseszins (Sparen ohne Zins, geht das?) wären es gut 83 Euro mehr gewesen, aber darauf kommt es im Beispiel hier nicht an.

Die Inflationsrate

Hätte im Beispiel die Inflationsrate in den ersten beiden Jahren bei 2,0 Prozent gelegen, im dritten Jahr bei 2,5 Prozent, im vierten bei 3,0 Prozent und schließlich im letzten Jahr bei 4,0 Prozent, dann würde sich die Rechnung so darstellen: Die Kaufkraft der 5.000 Euro würde dadurch im Zeitablauf auf 4.377 Euro schrumpfen. Der Sparer müsste somit nach fünf Jahren eigentlich über 5.712 Euro verfügen, um sich dann noch das Selbe leisten zu können wie im Jetzt. Im Beispiel wäre das geglückt, da insgesamt 6.000 Euro zur Auszahlung gekommen wären.

Der Realzins

Er hätte sogar noch einen Überschuss von 288 Euro erzielt. Das wäre der Realzins, nach Abzug der Inflationsrate (712 Euro Zins zehrte die Inflation auf). Der Realzinssatz würde sich im Zeitablauf verändert, von 2,0 Prozent in den ersten beiden Jahren, über 1,5 und 1,0 Prozent auf schließlich 0,0 Prozent im letzten Jahr. Bei langen Laufzeiten und starren Zinssätzen trägt der Sparer somit ein Inflations- beziehungsweise Realzinsrisiko. Können sich nominale Zinssätze (flexibel) ändern, dann ist immer auch ein Inflationsausgleich möglich, aber nicht zwingend.

Negative Realzinsen

Ende 2018 war die Situation besonders extrem: Auf dem Sparkonto gab es so gut wie keine Zinsen, aber gleichzeitig betrug die Inflationsrate 2,3 Prozent.[1] Aus 5.000 Euro würden so in fünf Jahren, bei unveränderter Inflationsrate, entsprechend der Kaufkraft, 4.463 Euro. Sparer verlieren somit real Geld, da der Realzins negativ ist. Wer raus will aus der Realzinsfalle, sollte deshalb umsteuern. Beispielsweise könnte ein Aktienfonds mit Fokus auf dividendenstarke Titel (Richtig sparen mit Dividenden) eine Alternative sein.


38,9 Milliarden Euro

Diese Summe haben deutsche Sparer 2018 mit niedrig verzinsten Geldanlagen – wie zum Beispiel dem Sparbuch – verloren. Pro Kopf entspricht das im Schnitt einem Verlust von 40 Euro. Ursache für das Minus sind Sparzinsen unterhalb der Inflationsrate. 2018 lag der durchschnittliche Einlagenzins bei 0,19 und die Inflationsrate bei 1,93 Prozent. Ergebnis ist ein Realzins von minus 1,74 Prozent. Das Tückische am negativen Realzins: Sparer sehen nicht, wie ihr Erspartes an Wert verliert. Sie haben am Jahresende in Summe mehr Geld auf dem Konto, können sich mit diesem Geld aber weniger leisten.[2]


CRC 063774 (01/2019) | CRC 064258 (01/2019)

Ende 2018 lag der Realzins bei minus zwei Prozent. Sparer verloren somit unter dem Strich Geld.

Ende 2018 war es keine gute Idee für Sparer, in 5-jährige deutsche Staatsanleihen investiert zu sein. Der Realzins lag bei minus zwei Prozent. Sparer verloren somit unter dem Strich Geld.

Keine Ausreden mehr, Schluss mit der Aufschieberei. 

Los gehts!

Mehr zum Thema Sparen

Zinsen

Sparen ohne Zins, geht das?

Sparbuchfans, die auf bald steigende Zinsen hoffen, könnten enttäuscht werden. Zum Glück gibt es Alternativen – wie etwa Dividenden.

Zentralbanken

Wann gibt es wieder … Zinsen?

Sparer sollten sich auf eine längere Phase sehr niedriger Zinsen einstellen. Ein Wirtschaftsforschungsinstitut sieht erst zur Jahrhundertmitte wieder Besserung.

Aktien

Streuen, bitte!

Wer kann schon die Zukunft vorhersagen, zumal an der Börse, wo die Kurse täglich schwanken? Sparer können sich vorbereiten, indem sie nicht alles auf eine Karte setzen.

1. Quelle: Statistisches Bundesamt, destatis.de, Dezember 2018

2. Quelle: comdirect Realzins-Radar; Stand: 01/2019

CIO View

Diese Website verwendet Cookies zur Verbesserung der Benutzerfreundlichkeit. Wenn Sie dieses Feld schließen oder die Nutzung fortsetzen, gehen wir davon aus, dass Sie damit einverstanden sind. Weitere Informationen zu den von uns verwendeten Cookies oder darüber, wie Sie Cookies deaktivieren können, finden Sie in unserem Cookie-Hinweis.