25. Apr 2022 Aktien

Das ist dran an Börsenweisheiten

Allgemeinplatz oder guter Kompass für erfolgreiches Handeln an den Aktienmärkten? An Börsenweisheiten scheiden sich die Geister. Was ist dran an den griffigen Sprüchen?

  • Hinter Börsenwahrheiten steckt viel Wahres, manchmal aber auch weniger…
  • Ein Schnelltest der gängigsten Sprüche führt zu erstaunlichen Ergebnissen
  • Am Ende siegt die Vernunft über das Gefühl
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Mit der Börse ist es wie mit dem Wetter: mal regnet es, mal scheint die Sonne. Sicher ist nur: Jeder Tag hat Wetter und für jedes gibt es passende Kleidung. Da der Mensch jedoch ungern mit so viel Offenheit lebt und lieber heute weiß, was er morgen zum Anziehen rauslegen soll, sucht er Halt in allgemeingültigen Empfehlungen. Das gilt besonders in Krisenzeiten. Wenn es blitzt und donnert, helfen beim Wetter vermeintlich Bauernregeln weiter. Beim Aktienmarkt sind es die Börsenweisheiten. Aber was ist dran an den klugen Sprüchen? Lesen Sie einen Schnelltest zehn geistreicher Börsenweisheiten.

„Politische Börsen haben kurze Beine.“

Wer hat’s gesagt:

Der Autor ist unbekannt.

Das ist gemeint:

Der Einfluss der Politik auf die Kurse wird überschätzt.

Das ist dran:

In der Tat ist der Eindruck politischer Nachrichten auf die Kurse meist nur von kurzer Dauer. Das liegt daran, dass diese oft nur wenig mit der Entwicklung vieler oder gar aller Unternehmen zu tun haben.

Wer hat’s gesagt:

André Kostolany (09.02.1906 bis 14.09.1999), amerikanischer Börsen- und Finanzexperte, Spekulant, Journalist und Schriftsteller.

Das ist gemeint:

Auf den perfekten Einstiegszeitpunkt kann man auch vergeblich warten.

Das ist dran:

Wohl kaum ein Anleger hätte etwas dagegen, den renditeträchtigsten Ein- und Ausstiegzeitpunkt bei seinem Investment zu treffen. Doch gerade etablierte Börsianer wissen: Es ist ziemlich unwahrscheinlich, dass das gelingt. Kostolanys Weisheit richtet sich in erster Linie an diejenigen, die noch nicht am Aktienmarkt investieren. Wer das Geschehen jahrelang zögerlich vom Rand aus beobachtet, und darauf hofft, dass richtige Tief zu erwischen, kommt schwer ins Handeln. Und dann ist es gar nicht so unwahrscheinlich, dass er auch die Chancen der Geldanlage verpasst, wenn die Kurse steigen.

"Wer die Aktien nicht hat, wenn sie fallen, hat sie auch nicht, wenn sie steigen."

„Kaufen, wenn die Kanonen donnern. Verkaufen, wenn die Violinen spielen.“

Wer hat’s gesagt:

Carl Mayer von Rothschild (24.04.1788 bis 10.03.1855), deutscher Banker.

Das ist gemeint:

Wer antizyklisch, also entgegen der am Markt vorherrschenden Meinung investiert, kann den höchsten Ertrag erzielen.

Das ist dran:

Hinter dieser Weisheit verbirgt sich die Annahme, dass die Mehrheit der Anleger nicht rational, sondern emotional handelt, dem Herdentrieb folgt und der Markt sich in Zyklen bewegt. Zum Problem wird dabei jedoch, den genauen Zeitpunkt des jeweiligen Hochs oder Tiefs zu bestimmen.

Wer hat’s gesagt:

Der Autor ist unbekannt.

Das ist gemeint:

Niemals bei fallenden Kursen Aktien kaufen.

Das ist dran:

Allein der Umstand, dass der Kurs schon gefallen und die Aktie gerade scheinbar günstig ist, ist kein Grund das Wertpapier zu kaufen. Wichtig ist vielmehr die genaue Analyse, warum der Kurs eingebrochen ist. Schließlich kann sich der Kauf nur lohnen, wenn der Wert nicht noch weiter fällt und die Chance besteht, dass er wieder steigt.

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„Never catch a falling knife.“

„Kaufe nie eine Aktie, wenn Du nicht damit leben kannst, dass sich der Kurs halbiert.“

Wer hat’s gesagt:

Warren Buffet (geb. 30.08.1930), amerikanischer Großinvestor und CEO von Berkshire Hathaway.

Das ist gemeint:

Wer langfristig investiert, muss auch vorübergehend deutliche Kursverluste aushalten können.

Das ist dran:

Buffets These besagt, dass wer das Geschäftsmodell eines Unternehmens sorgfältig geprüft hat und davon überzeugt ist, langfristig „nur“ gewinnen kann. Doch was, wenn man sich getäuscht hat oder neue Technologien den Markt auf den Kopf stellen? Heute versuchen professionelle Anleger eher in Wachstumsmärkte zu investieren und Verluste zu vermeiden.

Wer hat’s gesagt:

Der Autor ist unbekannt.

Das ist gemeint:

Wer überhastet handelt, macht eher Fehler und bezahlt diese mit höheren Kosten.

Das ist dran:

Den Kauf von Aktien oder Fonds sollte man immer langfristig orientiert angehen. Zudem sollten sich Anleger bewusst sein, dass Kursschwankungen zur Börse dazugehören. Wer übereilt kauft und verkauft geht auch immer wieder das Risiko ein, falsch zu liegen. Zudem kostet jede Aktion Gebühren, die wieder verdient sein wollen. Ist man jedoch davon überzeugt, wirklich auf dem Holzweg zu sein, so zieht man besser die Konsequenzen, um etwaige Verluste zu verhindern oder zu minimieren.

„Hin und her macht Taschen leer.“

Fünf Tipps für Dividendenjäger

Dividenden können neben Kurssteigerungen einen wesentlichen Beitrag zur Wertentwicklung von Aktien leisten. Dennoch wird der langfristige Effekt des Renditebausteins häufig unterschätzt. Gerade in volatilen Marktphasen können Dividenden das Risiko im Portfolio abfedern. Sie können jedoch auch jederzeit gekürzt werden oder ausfallen.

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„An der Börse ist alles möglich. Auch das Gegenteil.“

Wer hat’s gesagt:

André Kostolany (09.02.1906 bis 14.09.1999), amerikanischer Börsen- und Finanzexperte, Spekulant, Journalist und Schriftsteller.

Das ist gemeint:

Überprüfen Sie stets Ihre Entscheidungsgrundlage.

Das ist dran:

Kostolanys Spruch gilt ebenso für die Börse wie für alle Belange des Lebens. Hier wie dort geht es nicht immer rational zu. Es ist also ein guter Rat, in seine Überlegungen stets die Frage mit einzubeziehen: Was wäre, wenn alles anders kommt, als man denkt.

Wer hat’s gesagt:

Der Autor ist unbekannt.

Das ist gemeint:

Die Börse nimmt Entwicklungen vorweg.

Das ist dran:

Stimmt: Gerüchte bewegen den Markt häufig stärker als die Fakten. Tritt das Gerücht ein, fallen die Kurse oft, denn das Ereignis war im Vorfeld schon eingepreist.

„Buy the rumour, sell the fact.”

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„Wenn man billig einkauft, muss man Geduld mitbringen und abwarten, bis der Markt einem zustimmt.“

Wer hat’s gesagt:

Benjamin Graham (09.05.1894 bis 21.09.1976), US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler und Investor sowie Vater, der Wertpapieranalyse.

Das ist gemeint:

Wer in nachweislich unterbewertete Unternehmen investiert, hat auf Dauer Erfolg.

Das ist dran:

Graham nutzte als erster Messgrößen wie Kurs-Gewinn-Verhältnis,[1] Kurs-Buchwert-Verhältnis,[2] Dividendenrendite[3] oder Verschuldungsgrad, um den im Kurs dargestellten Wert eines Unternehmens mit dem wahren Wert ins Verhältnis zu setzen. Damit wollte er sich von der Irrationalität der Märkte abkoppeln. Allerdings: Es kann dauern, bis auch die anderen Markteilnehmer ein Missverhältnis bemerken.

„Drei Dinge treiben den Menschen zum Wahnsinn. Die Liebe, die Eifersucht und das Studium der Börsenkurse.“

Wer hat’s gesagt:

John Maynard Keynes (05.06.1883 bis 21.04.1946), britischer Ökonom, Mathematiker und Politiker.

Das ist gemeint:

Wer an der Börse investiert, braucht starke Nerven.

Das ist dran:

Kurschwankungen sind das Salz in der Suppe – in der Liebe wie an der Börse. Wer möchte Keynes da widersprechen?

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Fazit

Es ist in der Tat wie mit den Bauernregeln beim Wetter. Für nahezu jede Anlagestrategie gibt es eine passende Börsenweisheit. Ein roter Faden zieht sich jedoch durch alle Sinnsprüche. Anleger sollten sich bei der Geldanlage nicht auf ihre Emotionen verlassen. Es braucht Expertise und Analyse, die sich Investoren von qualifizierten Fachkräften holen können.

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1. Kennzahl zur Beurteilung der Ertragskraft und -entwicklung eines Unternehmens im Vergleich zu einem oder mehreren anderen, auch Price-Earning-Ratio (PER) genannt. Bezogen auf eine einzige Aktie, stellt sie das Verhältnis zwischen Reingewinn und dem Kurs des Wertpapiers her.

2. Kennzahl, die den aktuellen Kurs einer Aktie mit dem sogenannten Buchwert je Aktie vergleicht. Dieser wird in der Bilanz ausgewiesen.

3. Kennzahl, die die Verzinsung einer Aktie und damit ihre Rentabilität beschreibt. Zur Berechnung wird die Dividende pro Aktie durch den Aktienkurs geteilt und mit 100 multipliziert.

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