14. Sep 2020 Aktien

Was Anleger über Währungsrisiken wissen sollten

Wie gefährlich sind Währungsrisiken für Anleger? Wann lohnt sich eine Absicherung und wann nicht?

  • Währungsschwankungen können den Erfolg einer Anlage massiv schmälern.
  • Bei einem langen Anlagehorizont können Anleger dennoch oft auf eine Absicherung von Währungsrisiken bei Aktienfonds verzichten.
  • Anleihefonds sind dagegen anfälliger für den Einfluss von Währungsrisiken.
3 Minuten Lesezeit

Bei einer Aktienanlage im Ausland kann das Währungsrisiko mit bis zu 40 Prozent zum Anlagerisiko beitragen.

Es wird Herbst – doch den Dollar hat die sommerliche Mattheit noch fest im Griff. Seit Mitte April schon verliert der Dollar gegenüber dem Euro an Wert. Im August war der Eurokurs auf etwa 1,20 Dollar gestiegen – von unter 1,10 Dollar noch im Frühsommer. Es scheint, als sei die europäische Währung einer der wenigen Gewinner der Coronakrise. Das gilt aber nicht unbedingt für Euro-Anleger, die in US-Dollar investiert hatten. Denn für die war die Dollar-Schwäche ein deutlicher Nachteil.

So hat der breite US-Aktienindex S&P 500 seit Jahresbeginn bis Anfang September 2020 in Dollar um erfreuliche 8,35 Prozent zugelegt. In Euro gerechnet belief sich der Zugewinn dagegen nur auf 2,57 Prozent.

Sollten Anleger deshalb handeln und Währungsrisiken absichern? Die Antwort auf diese Frage lautet: es kommt darauf an.

Währungsrisiko ist wesentlicher Teil des Gesamtrisikos

Meistens schwanken Währungen, wenn haushaltspolitische Entscheidungen fallen, wenn Zinsen herauf oder herabgesetzt werden, wenn Handelsbilanzen sich verändern oder geopolitische Krisen ausbrechen. Sie sind damit weltweit ein tägliches Phänomen.

Das Währungsrisiko kann, das zeigen Berechnungen, bei einer Anlage in Auslandsaktien bis zu 40 Prozent des gesamten Anlagerisikos ausmachen.[1]

Eine genauere Betrachtung zeigt, dass zwischen 1975 und 2009 fast 36 Prozent der Gesamtrisikos von breit gestreuten, kurzfristigen Investments in US-amerikanische Aktien auf Wechselkursschwankungen zurückzuführen war. Bei japanischen Aktien lag der Einfluss bei fast 30 Prozent und bei britischen Aktien bei über 28 Prozent.[1] Investoren scheinen Währungsschwankungen also nicht ohne Weiteres einfach ignorieren zu können.

Ein langer Atem kann eine Absicherung ersetzen

Ein gewichtiges Gegenargument gibt es indes gegen diese Aussage: Vor allem Fonds sind Anlagen, die in aller Regel nicht auf kurzfristige Gewinnmaximierung hin angelegt sind, sondern eher auf langfristigen Vermögensaufbau. Je länger der Anlagehorizont gesetzt ist, desto eher verliert sich der Effekt von Währungsschwankungen und desto weniger wird damit auch eine Absicherung des Währungsrisikos über Termingeschäfte nötig.

Ein Vergleich eines der weltweit breitesten Aktienindices, dem MSCI World, mit seinem währungsgesicherten Gegenüber MSCI World (Hedged) zeigt beispielweise, dass sich die Renditeunterschiede über den Zeitraum von rund 20 Jahren praktisch ausgleichen. Eine Investition in die teurere abgesicherte Fondsvariante hätte sich in diesem Fall also auf lange Sicht nicht ausgezahlt.

Über einen langen Zeitraum hinweg glichen sich bei Aktien die Renditeunterschiede aufgrund von Wechselkursschwankungen meist aus.

Die großen globalen Währungen schwanken etwa 10 Prozent pro Jahr.

Bei Länderübergewicht und Anleihen kann sich Absicherung lohnen

Weist das eigene Portfolio aber ein ungewöhnlich hohes Gewicht einer bestimmten Fremdwährung auf, zumal wenn die sich in der Vergangenheit als deutlich volatiler erwiesen hat als Dollar, Euro oder Yen – etwa wie im Fall der türkischen Lira, dem südafrikanischen Rand oder dem argentinischen Peso – kann eine Absicherung dagegen sinnvoll sein.

Ebenso kann bei einer Anlage in Anleihen vieles für eine Absicherung des Währungsrisikos sprechen. Denn Rentenfonds sind insgesamt anfälliger für Währungsrisiken. Die großen Währungen der Welt schwanken pro Jahr statistisch um rund 10 Prozent. Sie sind damit doppelt so volatil wie US-Staatsanleihen aber nur halb so volatil wie Aktien.[2]

Währungsabsicherung bei Rentenfonds kann sinnvoll sein

Die durch die aktuelle Niedrigzinsphase sowieso schon geringeren Renditen von Rentenfonds können damit viel schneller von einer Wechselkursschwankung aufgefressen werden als bei einem Investment in Aktien. Wer das Risiko nicht eingehen möchte, zahlt in diesem Fall mit einer abgesicherten Fondsvariante zwar etwas höhere Gebühren, kann aber im Zweifel besser schlafen.

Fazit: Je länger ein Investor seinen Anlagehorizont wählt, desto weniger sollte er auf einer Absicherung seiner Investments in Fremdwährungen setzen. Vor allem bei Aktien kann sich das Währungsrisiko über einen langen Anlagezeitraum hinweg nahezu verflüchtigen – denn mal profitiert der Anleger von den Währungsbewegungen, mal verliert er. Genauer durchdenken sollte man das Währungsrisiko indes bei Anlagen in Anleihen und bei Investments, die in traditionell volatileren Währungen wie denen von Schwellenländern gehandelt werden.

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Was Anleger über Währungsrisiken wissen sollten

Wie gefährlich sind Währungsrisiken für Anleger? Wann lohnt sich eine Absicherung und wann nicht?
Mehr entdecken

1. Quelle: https://fairvalue-magazin.de/waehrungsrisiko/

2. Quelle: https://www.dasinvestment.com/currency-overlay-strategien-das-geheimnis-um-die-waehrungsabsicherung/

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